... unser Vorschlag für Rollstuhlfahrer oder stark Gehbehinderte, die alleine oder mit einer Begleitung unsere Stadt besichtigen möchten.
Ein kleines Expertenteam hat sich zur Verfügung gestellt, eine für Gehbehinderte bzw. Rollstuhlfahrende angepasste Sightseeing-Route durch Innsbruck zusammenzustellen.
Altstadt mit Goldenem Dachl und Stadtturm
Wir danken Herrn Dr. Hörmann, der sich als rollstuhlfahrender Experte zur Verfügung gestellt hat und seiner Begleitung Frau Konwalinka, die ihn als Stadtführerin begleitet hat, sowie Herrn Christian Kayed, der die Route und den Text zusammengestellt hat.
Den Beginn unserer Rolliroute durch Innsbruck bildet die
Kaiserliche Hofburg, da es hier am Rennweg die zentralsten Behindertenparkplätze gibt.
Die Hofburg (Tel. 587 186-12) selbst ist über ihren Innenhof zu erreichen. Gegenüber dem Café Sacher ist eine kleine Rampe, die zu einer mit Rollisymbol gekennzeichneten Klingel führt. Hier bitte läuten. Die Türe wird geöffnet, über einen Treppenlift gelangt man in das Foyer. Von dort führt ein Lift in die Schauräume. Es sind zwei behindertengerechte Toiletten vorhanden. Die Schauräume selbst sind unproblematisch zu befahren.
Die Ende des 15. Jahrhunderts errichtete Kaiserliche Hofburg wurde unter Maria Theresia zu einer monumentalen spätbarocken Residenz umgebaut. Zu den zahlreichen, mit wertvollem Mobiliar und Gemälden ausgestatteten Schauräumen gehört der Riesensaal, der als der prächtigste Fest- und Zeremoniensaal der Alpenregion gilt und uns das einstige herrschaftliche Leben hautnah spüren lässt! 2008 / 2009 werden die behindertengerecht zugänglichen Prunkräume in einzelnen Etappen restauriert, die Hofburg bleibt dabei immer für Besucher geöffnet. Ab November 2007 wird die Hofburg auch das Alpenverein-Museum beherbergen.
Von der Hofburg aus geht es durch Innenhof Richtung Norden weiter zum Innsbrucker Dom. An der südlichen Seite des Doms entlang gelangen wir zum Hauptportal im Westen.
Die großen Türen des Doms sind über eine Metallrampe zu erreichen, die etwas steiler als 6 Grad ist. Wie bei vielen Kirchen üblich sind die Türen recht schwer, der Zugang ist aber rollstuhlgerecht.
Der reich geschmückte barocke Dom wurde 1717 bis 1724 anstelle älterer Kirchen erbaut. Am Hauptaltar befindet sich das berühmte Mariahilfbild von Lukas Cranach dem Älteren, die Deckenfresken und Stukkaturen stammen von den Gebrüdern Asam. Vom Nordturm des Domes erklingt täglich um 12.12 Uhr das Innsbrucker Friedensglockenspiel. Das Grabmal von Erzherzog Maximilian III. dem Deutschmeister wurde 1629 bereits im Vorgängerbau aufgestellt. Es wird um keine Besichtigung und keine Fotos während der Messen gebeten.
Vom Dom aus wenden wir uns nach links in die Pfarrgasse, an deren Ende rechts der Platz vor dem Goldenen Dachl liegt.
Um ins
Museum Goldenes Dachl zu gelangen, ist es nötig dort anzurufen (Tel. 581 111), damit das Kassenpersonal auf den Platz kommt, zum Nebeneingang in der Pfarrgasse geht und die Eingangstüre zum Lift öffnet, der bequem ins Museum führt. Dort ist eine behindertengerechte Toilette ist vorhanden.
Das Goldene Dachl, Innsbrucks berühmtes Wahrzeichen, liegt inmitten der mittelalterlichen Altstadt. Kaiser Maximilian I. ließ den Prunkerker mit 2657 feuervergoldeten Kupferschindeln an der ehemaligen Residenz Herzog Friedrichs IV. errichten. Steinreliefs zeigen zwischen wilden, akrobatischen Tänzern Maximilians erste Frau Maria von Burgund und zweite Frau Bianca Maria Sforza von Mailand. Das Goldene Dachl beherbergt nicht nur das gleichnamige Museum (mit Blick von dem Prunkerker!), in dem die Zeit Maximilians vorgestellt wird und ein sehr informativer viertelstündiger Film zu Maximilian zu sehen ist, sondern auch den Sitz des „Ständigen Sekretariats der internationalen Alpenkonvention“.
Wenn wir das Goldene Dachl hinter uns haben und in die Herzog-Friedrich-Straße Richtung Süden blicken, sehen wir zur Linken den mittelalterlichen Stadtturm, der aufgrund von Denkmalschutzbestimmungen nur über 148 Stufen und nicht mit einem Lift zugänglich ist.
Der Stadtturm wurde 1442 – 1450 als weithin sichtbarer Rathausturm erbaut und ist von einer hundert Jahre später ergänzten Turmhaube gekrönt. Darunter befand sich die Wohnung des Turmwächters bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Wenn wir, das Goldene Dachl im Rücken, nach rechts blicken, sehen wir schräg gegenüber vom Stadtturm am Eck das reich geschmückte Helblinghaus.
Das spätmittelalterliche Haus, in dem Sebastian Helbling im 19. Jahrhundert ein Café führte, wurde 1730 mit einer prachtvollen Stuckfassade von Anton Gigl geschmückt. Akanthusblätter, Fruchtgehänge, Muscheln, Putten, Masken und mehr bezaubern auf Wänden und Erkern vom ersten bis zum 4. Stock und am großen barocken Giebel.
Wir folgen nun der Herzog-Friedrich-Straße Richtung Westen und Richtung Innbrücke und stoßen zuerst auf der linken Seite auf das bemalte Gasthaus zum „Goldenen Adler“.
Der seit 600 Jahren dokumentierte Gasthof zum „Goldenen Adler“ bildet heute eines der besten Hotels der Stadt, in dem seit Jahrhunderten viele berühmte Männer und Frauen übernachteten: Johann Wolfgang Goethe, Wolfgang Amadeus Mozart, Königin Juliana von den Niederlanden, John Glenn usw.
Schräg gegenüber vom Goldenen Adler liegt die Ottoburg mit ihren rot-weiß-roten Fensterläden.
Die vom wilden Wein bewachsene Ottoburg wurde im 15. Jahrhundert an der einstigen Stadtmauer im Bereich der ehemaligen andechsischen Burg im Auftrag Kaiser Maximilians I. erbaut. Seit langem beherbergt die Ottoburg ein gut geführtes Gasthaus mit Weinschenke.
Rechts von der Ottoburg sehen wir die Claudiana.
Als Claudiana wird das ehemalige Regierungsgebäude der Tiroler Landesregierung bezeichnet, das den Namen der Landesfürstin Claudia de Medici trägt. Unter ihr wurde das Gebäude im 17. Jahrhundert umgebaut und erhielt den (nur bei Veranstaltungen) zugänglichen Saal mit der reichen Renaissance-Holzdecke. Die Porträtköpfe von Fürsten und Fürstinnen entsprechen Vorbildern des Maximiliansgrabes in der Hofkirche.
Wenn wir durch den linken oder besser durch den rechten Eingang das Gebäude der Claudiana betreten, gelangen wir in einen Innenhof, an dessen Ende der rollstuhlgerechte Eingang zum
Stadtmuseum (Tel. 587 380) liegt. Es ist ein Lift, mit dem wir ins etwas höher gelegene Erdgeschoß des Stadtmuseums fahren können.
Das Stadtmuseum stellt in seiner Dauerausstellung aus den Beständen des Stadtarchivs Aspekte der Stadtgeschichte vor. Besonderes und Typisches für Innsbruck wird anhand ausgewählter Themen erläutert: Lage, Stadtgründung, landesfürstliche Residenz, Stadtentwicklung, Verkehr, Gesundheit, Kultur, Sport, Tourismus, Handel, Gewerbe, Trinkwasserversorgung und Zeitgeschichtliches sind nur einige davon.
Viele Gemälde bedeutender Tiroler Künstler, Stadtansichten, Panoramabilder, historische Fotografien, seltene Realien, mittelalterliche Urkunden, Plakate und Postkarten vermitteln abwechslungsreiche und informative Einblicke in das Leben der Stadt und ihrer Bewohner.
Wenn wir das Stadtmuseum durch den Lift beim Hintereingang wieder verlassen, gelangen wir durch die Claudiana zurück in die Herzog-Friedrich-Straße.
Wir nehmen nun geradeaus den Weg durch die Kiebachgasse, an deren Ende wir nach links abbiegen und durch den Kolbenturm hindurch an den Eingang zur Maria-Theresien-Straße gelangen.
Annasäule in der Maria-Theresien-Straße
Wenn wir uns weiter Richtung Süden bewegen, gelangen wir zu einem weiteren Wahrzeichen Innsbrucks: zur Annasäule.
Die Annasäule in der Mitte der Maria-Theresien-Straße wurde zum Dank für die Befreiung vom bayerischen Einfall am Tag der Heiligen Anna (26. Juli) 1703 von den Tiroler Landständen gestiftet. An der Spitze der korinthischen Säule aus rotem Marmor thront eine Statue der Maria Immaculata auf einer Mondsichel. Das Podest umgeben die Statuen der Heiligen Kassian, Vigilius, Georg und Anna, die vom Trentiner Bildhauer Christoforo Benedetti geschaffen wurden.
Wir nehmen von der Annasäule den Weg zurück Richtung Norden in die Altstadt, wo wir durch die Herzog-Friedrich-Straße geradeaus zum Goldenen Dachl gehen und dann rechts in die Hofgasse abbiegen. An deren Ende kommen wir durch den ehemaligen Wappenturm und das ehemalige Stadttor hindurch zu der Hofkirche.
Um in die
Hofkirche zu gelangen, muss man anrufen (Tel. 59489-510), dann sperrt ein Herr des Wachdienstes die Türe zur Kirche auf, die normalerweise nur für die Messe geöffnet ist. Diese Türe erreicht man über eine flache Rampe und fährt mit dem Rollstuhl direkt in die große Kirche mit Blick auf den Kenotaph von Kaiser Maximilian.
Die imposante Kirche ist ohne Probleme mit dem Rollstuhl befahrbar. Über eine Rampe kommt man in den Innenhof, einem verschlafenen, ruhigen Klostergarten, der manchmal für Veranstaltungen genutzt wird.
Die Hofkirche birgt das einzigartige (leere) Grabmal Kaiser Maximilians I., der Innsbruck prägte und der in Wiener Neustadt begraben liegt. Dreißig Jahre nach Maximilians Tod waren 28 überlebensgroße Bronzestatuen vollendet, die von bedeutenden Künstlern wie Albrecht Dürer entworfen und gegossen wurden. Da die Statuen nicht nach Wiener Neustadt gebracht wurden und in Innsbruck blieben, wurden sie in der 1553 bis 1563 erbauten Hofkirche aufgestellt. In der Silbernen Kapelle der Hofkirche liegen Erzherzog Ferdinand II. und seine bürgerliche Gemahlin Philippine Welser begraben. Andreas Hofers Gebeine wurden 1823 von Mantua nach Innsbruck gebracht und in der Hofkirche beigesetzt.
Das Volkskunstmuseum ist derzeit nicht zugänglich, im nächsten Jahr ist jedoch ein Umbau geplant. Den Innenhof verlässt man am besten über den Eingang zum Volkskunstmuseum. (Achtung: Eine Stufe von ca. 15cm Höhe an der Türe.)
Nun überqueren wir die Straße vor der Hofkirche und gelangen so zum Leopoldsbrunnen, der gegenüber der Hofburg liegt.
Der Leopoldsbrunnen befindet sich am Rennweg vor der Kaiserlichen Hofburg. Bei dem Reiterstandbild Erzherzog Leopolds V. (1619- 1632) handelt es sich nördlich der Alpen um die älteste Darstellung eines Pferdes, das den Reiter nur auf den Hinterbeinen trägt („Courbette“). Nach Entwürfen von Caspar Gras aus Bronze gegossene Meeres- und Jagdgöttinnen schmücken den Brunnen.
Hier endet unsere Rolliroute, genau gegenüber von der Hofburg, wo die Behindertenparkplätze liegen, von wo wir unsere Entdeckungsreise durch Innsbruck begonnen haben.