In Tirol hat sich in den letzten 15 Jahren eine Architekturszene etabliert, die bereits beachtliche Ergebnisse hervorgebracht hat.
Nach einer Phase, in der seit 1960 dem Massentourismus guhuldigt wurde und man flächendeckend einem "Pseudo - Alpenstil" frönte, ist es umso erstaunlicher, dass Tirol nun eine Wandlung vollzogen hat, die ihren Niederschlag in qualitätvoller Architektur findet.
Seit 1985 gibt es seitens der Landesregierung eine "offizielle Würdigung des Landes für Neues Bauen". 1993/1994 etablierte sich das "aut" (Architekturforum), das als unabhängige Schnittstelle zwischen Fachwelt, Öffentlichkeit und Politik tätig ist.
Zwei große Wettbewerbe brachten die Diskussion um neues Bauen in alten Stadtgebieten ins Rollen: die Ausschreibung 1985 für die Innsbrucker Rathauserweiterung und jene 1988 für Neubau der Sozial - & Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (SoWi).
SOWI - SOZIAL - & WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT
* Architekten Dieter Henke und Martha Schreieck, 1996-1999
* erstes offenes unverschachteltes Gebäude, ermöglicht optimalen
Austausch zwischen den Instituten
* "Transparenz" wurde verwirklicht, überall Blickbezüge auf Stadt, Park und Alpen
* 1999 Bauherrenpreise der Zentralvereinigung der Architekten
RATHAUS
* Architekt Dominique Perrault, 1996 - 2002
* Architektur und Kunst finden hier eine Übereinstimmung
* hohes Niveau der Architekten soll durch Kunstwerke noch betont werden
* Zonen für bildende Kunst
* Glasüberdachung des Hofes durch Daniel Buren
* Glasfassade des Turms von Peter Kogler
* Sprachliche Intervention durch Heinz Gappmayr im Plenarsaal
* Screens von Matt Mullican, Eva Schlegel, Walter Obholzer und Ernst Trawöger
* Cáfe - Restaurant "Lichtblick" und Bar "360°", Designhotel "The Penz"
BERGISEL - SPRUNGSCHANZE
* Architektin Zaha Hadid, 2001 - 2002
* Hybrid aus spezifischer Sportanlage und öffentlicher Funktion (Panorama - Restaurant und Aussichtsplattform)
* Turm mit Turmfuß, "Kopf" und Anlauframpe
* Kombination aus Turm und Brücke (91,60 m lang; 48,35 m hoch)
* zahlreiche internationale Preise
* gilt als "modernes" Wahrzeichen Innsbrucks
HAUPTBAHNHOF & SÜDTIROLER PLATZ
* Architekten Florian Riegler und Roger Riewe, 2001 - 2004
* der langgezogene Baukörper wirkt wie eine Barriere
* die durch die "Bahnhofskommerzialisierung" benötigten Geschäfte wurden ins Tiefparterre verlegt, ebenso der Zugang zur Tiefgarage
* die 180 m lange Fassade wird durch Kastenfenster gegliedert
* MPreis - Geschäft von Rainer Köberl (2003 - 2004): In schwarzem Glas gefertigte, spiegelnde Decke, ein weinroter Kunstharzboden und fokussierendes Licht machen daraus eine "glitzernde Höhle des Konsums"
Buchhandlung Wiederin
ADAMBRÄU SUDHAUS
* Architekt Rainer Köberl, Thomas Giner, Erich Wucher, Andreas Pfeifer, 2003 - 2004
* Transformation des zwischen 1926 und 1931 erreichten Sudhauses von Lois Welzenbacher in einen Ort der Vermittlung und Bewahrung von Architektur
* Neben dem AUT ist das Archiv für Baukunst der Universität untergebracht.
SPARKASSENPLATZ
* Architekt Johannes Wiesflecker, Rainer Schmidt, Peter Sandbichler, 2004 - 2005
* 1994 Wettbewerb für neue Kundenhalle: Platz sollte Raum für urbane Aktivitäten geben
* Visuelle Lichtinstallation in der Passage von Sandbichler
* auf Bepflanzung wurde bewusst verzichtet, stattdessen "Vertikalgarten": bepflanzte Steingabionen (mit Steinen gefüllte Drahtgitterkörbe) bilden begrünte Wand
* ausfahrbares Membrandach für Veranstaltungen
BUCHHANDLUNG
* Architekt Rainer Köberl, 2004
* "Schau - Fenster" für Bücher
* gesammter Innenraum ist schwarz, keine darüber hinausgehende architektonische Gestaltung
* Bücher werden durch raffinierte Lichtregie zum "Leuchten" gebracht
* Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen
BTV-STADTFORUM
* Arichtekt Heinz Tesar (Entwurf), Architekt J. Obermoser (Generalplaner), 2005
* Massivität, Geborgenheit, strukturelle Klarheit, Transparenz
* Außen: klassische Elemente wie Putzfläche, Steinrahmen, Erker mit außen liegendem Glas kommen zum Tragen
* Innen: großzügige Gliederung, Licht und Durchblicke
* Symbiose aus Tradition und Moderne
* "Wohlfühlklima" für Kunden und Mitarbeiter
* Halle (20 m hoch) ist repräsentatives und kommunikatives Zentrum
* Boden: Valser Quarzit
* FO.KU.S. (Foto Kunst Stadtforum): offener Kunstraum
NORDKETTENBAHN
* Stationen von Zaha Hadid, 2006-2007
* als Standseilbahn in 7 Min. vom Congress zur Hungerburg
* Anbindung an Nordpark