Telfer Fasnacht
06. Februar 2025
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Originalsprache des Artikels: Deutsch
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Endlich wieder Schleicherlaufen in Telfs! Das farbenfrohe Spektakel voller Masken, Musik und mystischer Traditionen ging bei strahlendem Sonnenschein über die Bühne. Oder besser: einmal mitten durch den Ort Telfs. Das große Schleicherlaufen findet nur alle fünf Jahre statt und gehört seit 2010 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Mit seiner Mischung aus jahrhundertealtem Brauchtum, prachtvollen Kostümen und einer einzigartigen Symbolik zieht das Schleicherlaufen nicht nur die Einheimischen, sondern auch Besucher aus Nah und Fern in seinen Bann.

Die Wurzeln des Schleicherlaufens

Die Geschichte des Schleicherlaufens reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die Hauptfiguren, die Schleicher, verdanken ihren Namen ihrer besonderen Art der Fortbewegung: Sie treten lautlos und schleichend auf, bevor sie mit einem kräftigen Stampfen den Winter vertreiben. Ihre beeindruckenden Hüte, geschmückt mit Spiegeln, Federn und aufwendigen Verzierungen, sind Meisterwerke traditioneller Handwerkskunst.

Das Fest symbolisiert den Übergang von Winter zu Frühling, die Erneuerung der Natur und den Sieg des Lichts über die Dunkelheit. Viele der Figuren, die beim Umzug auftreten, haben eine tief verwurzelte Bedeutung und spiegeln uralte Mythen und gesellschaftliche Rollenbilder wider. 

Der Ablauf des Schleicherlaufens

Bereits in den frühen Morgenstunden beginnt das Ritual:

  • 07:00 Uhr: Die Sonne wird feierlich durch den Ort getragen, ein Sinnbild für die wiederkehrende Wärme des Frühlings.
  • 08:45 Uhr: Die "Wilden" durchstreifen die Straßen und kündigen das Ereignis lautstark an.
  • 09:00 Uhr: Die Schleicher werden mit Kuschen abgeholt und bereiten sich auf ihre eindrucksvolle Darbietung vor.
  • 10:00 Uhr: Der Bär wird symbolisch eingefangen.
  • 11:00 Uhr: Beginn der Hauptaufführung an der ersten Spielstätte.

Jede Gruppe, die am Schleicherlaufen teilnimmt, trägt zur lebendigen Darstellung dieser Tradition bei. Die Zeit beginnt jedoch bereits am Dreikönigstag mit dem Ausgraben des Naz, der Hauptfigur der Telfer Fasnacht. Mehr dazu später.

Die Gruppen und ihre Bedeutung

Die Schleicher

Die Schleicher sind die Hauptfiguren des Festes. In prachtvollen Hüten und kunstvoll verzierten Kostümen treten sie schleichend auf, um dann mit lautem Stampfen das Erwachen der Natur zu symbolisieren. Ihr Tanz markiert den Höhepunkt des Festes. Voraus geht ihnen immer der Laternenträger. Dieser tanzt durch die Reihen und macht Platz für die Schleicher, damit diese im "Kroas" (=Kreis) ihren Tanz aufführen können. Mit jedem Schritt schellen sie mit ihren Glocken und sorgen für Gänsehaut.

Die Wilden und der Panznaff

Eine der furchterregendsten Gruppen sind die Wilden. In zotteligen Kostümen aus Baumbart mit grotesken Masken verkörpern sie die ungezähmte Natur und treiben lärmend durch den Ort. Besonders auffällig ist der Panznaff – eine clowneske Figur, die Tschinellen schlägt, Grimassen schneidet und den Zuschauern die Zunge herausstreckt. Er steht in einem leeren Holzfass, das von einem Esel gezogen wird, und stibitzt den Neugierigen gelegentlich sogar die Kopfbedeckung. Man sagt auch, dass dafür die vorderen Schneidezähne gezogen werden, damit er die Zunge weiter hinausstrecken kann. Aber wer weiß schon genau...

Die Bären und Exoten

Die Bären stehen für Kraft, Wildheit und den uralten Kampf zwischen Mensch und Natur. Sie werden von ihren Treibern an Ketten geführt, reißen sich los und widersetzen sich, bis sie schließlich gezähmt werden. Neben den Bären ziehen auch im historischen Tirol exotische Figuren durch die Straßen – sie bringen einen Hauch fremder Welten ins Fasnachtstreiben und stehen für das Geheimnisvolle und Unbekannte.

Die Vier Jahreszeiten

Diese Figuren verkörpern den stetigen Wandel der Natur:

  • Der Frühling tritt als junger Bursche mit bunten Blumen und frischem Grün auf.
  • Der Sommer strahlt in sattem Gelb und Gold und steht für die Fülle des Lebens.
  • Der Herbst trägt warme Erdtöne und symbolisiert Reife und Ernte.
  • Der Winter erscheint in frostigen Farben und kündigt die Ruhe der kalten Monate an.

Gemeinsam erinnern sie an den ewigen Kreislauf der Natur.

Die Herolde

Die Herolde sind die feierlichen Verkünder des Schleicherlaufens. Mit Trommeln und Fanfaren ziehen sie durch den Ort und machen lautstark auf den bevorstehenden Umzug aufmerksam.

Die Vogler

Die Vogler mit ihrem Traditionwagen sind eine der prächtigsten Gruppen des Schleicherlaufens. In aufwendig gestalteten, vogelartigen Kostümen und mit kunstvoll verzierten Hüten verkörpern sie die Welt der Vögel. Ihre Darbietung ist ein eleganter Tanz, bei dem sie ihre Flügel ausbreiten und sich in anmutigen Bewegungen präsentieren. Die Vogler stehen für Freiheit, Leichtigkeit und das Erwachen des Frühlings, wenn die Vögel aus ihren Winterquartieren zurückkehren.

s’Galtmahd

Diese Gruppe stellt die harte Arbeit der Bauern in vergangenen Zeiten dar. Mit Sensen, Rechen und Mistgabeln symbolisieren sie die Bedeutung der Heuernte für das bäuerliche Leben.

Die Bease Buam

Die „Bösen Buben“ sorgen mit ihren Streichen für ausgelassene Stimmung. Sie necken die Zuschauer, treiben Späße und bringen mit ihrem derben Humor das Publikum zum Lachen.

Die Bachoufn

Diese Gruppe repräsentiert das traditionelle Bäckerhandwerk. Mit Mehlsäcken und Brotkörben zeigen sie auf humorvolle Weise die Bedeutung der Backkunst für die Dorfgemeinschaft.

Die Kurpfuscher

Als umherziehende Quacksalber und Wunderheiler preisen sie ihre dubiosen Medikamente an und stellen auf übertriebene Weise die alten Heiler dar, die in vergangenen Jahrhunderten durchs Land zogen.

Die Soafnsiader

Diese Gruppe verkörpert die alten Seifensieder, die früher die wertvolle Haushaltsseife herstellten. Mit Kesseln und großen Rührlöffeln machen sie auf die traditionelle Seifenproduktion aufmerksam.

Die Laninger und der Naz

Die Laninger sind eine legendäre Gruppe des Schleicherlaufens, bekannt für ihr selbstbewusstes und oft subversives Auftreten. Ihre bekannteste Figur ist der Naz, eine kleine Puppe, die wie ein Kind aussieht, aber erstaunlich erwachsene Eigenschaften besitzt: Er trinkt Schnaps, raucht Zigaretten und übergibt sich anschließend unter großem Gelächter auf die Zuschauer.

Der Naz wird am 6. Januar, dem Drei-König-Tag, feierlich aus einem Kieshaufen ausgegraben. Damit beginnt offiziell die Fasnachtszeit. Nach dem Schleicherlaufen wird er am Faschingsdienstag mit viel Lärm und Wehklagen wieder eingegraben – ein symbolisches Ende der ausgelassenen Tage.

Der Zonner

Eine besonders markante Figur ist der Zonner. Er zeigt den Zuschauern frech die Zunge – manche Zonner haben sich dafür sogar ihre Vorderzähne ziehen lassen, um die Zunge besonders weit herausstrecken zu können, so heißt es...

Ein unvergessliches Erlebnis

Das Schleicherlaufen in Telfs ist mehr als nur ein Fasnachtsbrauch – es ist ein gelebtes Kulturerbe, das Generationen verbindet und die tiefe Verwurzelung der Tradition in der Region zeigt. Mit seiner Mischung aus kunstvoller Handwerkskunst, lebendigem Theaterspiel und uralter Symbolik fasziniert es jedes Mal aufs Neue.

Der Sonntag bot bei perfekten Wetterbedingungen eine atemberaubende Darbietung dieses einzigartigen Brauchtums. Die Vorfreude auf das nächste Schleicherlaufen in fünf Jahren ist bereits jetzt spürbar!

Und die Fasnacht ist ja noch nicht zu Ende! Ganz Telfs steht Kopf bis zum Faschingsdienstag, bis der Naz wieder begraben wird! Telfs lebt die fünfte Jahreszeit in vollen Zügen!

Weiterlesen über die Telfer Schleicher: 

Meine Kollegin Theresa hat vorab einen Blick hinter die Kulissen des Schleicherlaufens und seiner Protagonisten geworfen.

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