Anfang Oktober 2024 ging eine Meldung durch die Medien: Das US-Streaming-Unternehmen Netflix drehe gerade Teile einer neuen Komödie im Innsbrucker Hofgarten. Verantwortlich für die Aufnahmen zeichnete eine Münchner Produktionsfirma, die mit ihrer Crew samt Darstellern angereist war.
Mountain Film City Innsbruck
Dass internationale Produktionsfirmen in Innsbruck drehen ist nichts Neues – weniger bekannt ist, dass es hier eine bunte und umtriebige Filmszene gibt. Ob Cutter, Regisseurin, Drehbuchschreiber oder Kamerafrau – Tirol ist eigentlich gut aufgestellt in Sachen Film. Rund 40 einschlägige Firmen finden sich allein unter dem Dach der „Filmbase“ an der Haller Straße in Innsbruck.
In der „Filmbase“ an der Hallerstraße in Innsbruck ist auch der Verein Mountain Film City Innsbruck angesiedelt. Foto: ©Filmbase/MFC
Neben Coworking-Spaces verfügt die Location über voll ausgestattete Studios. Um ihre Interessen besser zu vertreten, haben einige Filmemacher:innen sich vor einiger Zeit zum Verein „Mountain Film City“ zusammengeschlossen. (Siehe Interview mit Obmann Martin Venier weiter unten) „Ich bin seit drei Jahren dabei und das Netzwerk wächst und wächst. Zudem organisieren wir Workshops von Fachleuten für Fachleute und diesen Bereich wollen wir weiter ausbauen“, erläutert Daniel Dlouhy, selbst Filmemacher und Inhaber von Bunny Beach Film.
Vielbeachtete Produktionen
Seinen zusammen mit Lukas Ladner geschaffenen Dokumentarfilm „Eva Maria“ musste er aus finanziellen Gründen außerhalb Tirols produzieren. „Damit wir unsere Filmideen, insbesondere Langfilme, abseits von Sport und Werbung, in Tirol umsetzen können, benötigen wir entsprechende Förderungen“, erläutert Dlouhy. Gerade im Bereich Dokumentationen sei in den letzten Jahren bemerkenswerte Filme entstanden.
Er verweist unter anderem auf Melanie Hollaus filmische Aufarbeitung von historischen Themen wie etwa der „Bocksiedlung“ oder dem „Schlachthofblock“ in Innsbruck, oder auf den international beachteten Film „Bis zum letzten Tropfen“ von Harry Putz, der sich kritisch mit dem Ausbau der Wasserkraftwerke in Tirol auseinandersetzt.
Kamera läuft …
Wie groß die Bandbreite und das Potenzial heimischer Filmschaffender ist, zeigt sich nicht zuletzt in den Videos, die seit 2000 in Kooperation mit Innsbruck Tourismus entstehen und in denen sich Filmschaffende humorig bis kritisch mit ihrer Stadt auseinandersetzen.
Ein Potenzial, das nach mehr ruft. Der Verein Mountain Film City zeigt sich umtriebig. Vielleicht heißt es schon bald: „Klappe! Kamera läuft …” für eine heimische Produktion.
Martin Venier im Interview
Wer waren Initiatoren und warum engagierst du dich bei Mountain Film City?
Martin Venier: Manfred Pascher war die mit Abstand wichtigste Person und hauptverantwortlich für die Gründung und anschließend auch für die Weiterentwicklung des Vereins. Ich persönlich engagiere mich, weil ich die Vernetzung der Filmschaffenden in Tirol so wichtig finde. Ein kleines Team kommt wöchentlich zusammen, der gesamte Verein trifft sich einmal im Monat. Ich denke, es gibt nichts Besseres, als sich auszutauschen und gemeinsame Lösungen zu finden.
Martin Venier, Filmemacher und Obmann des Vereins Mountain Film City Innsbruck, Foto: © Martin Venier
Wen wollt ihr erreichen, wen ansprechen?
Venier: Eines der Hauptziele des Vereins ist es, eine Filmförderung in Tirol zu etablieren. Viele unserer Mitglieder arbeiten erfolgreich im Wirtschaftsbereich oder auch im Sport. Sobald jemand aber den Schritt in Dokumentationen, Kurzfilme oder Spielfilme wagen möchte, ist es sehr schwierig eine Projektfinanzierung aufzustellen.
Durch das österreichische Filmförderungsprogramm ist die Motivation natürlich sehr groß, mehr Spielfilme in Tirol zu verwirklichen. Allerdings muss ein Projekt bereits grundfinanziert sein, um dann überhaupt auf die österreichische Förderung zugreifen zu können – deshalb kämpft der Verein für eine Filmförderung in Tirol.
Filmstill: „Der Hammer, der fällt“ mit den Schauspielern Markus Oberrauch, Bernhard Wolf und Thomas Gassner (v. li.); © Bunny Beach Film
Wo und wie siehst Du Innsbruck als Location im internationalen Bereich?
Venier: Innsbruck hat alles, was es braucht, um eine absolute Top-Location im Film zu sein. Wir haben diese unglaublich schönen Naturschauplätze und eine perfekte Infrastruktur. Ich bin davon überzeugt, dass hier in den nächsten Jahren noch viel mehr Filme gedreht werden, und hoffentlich auch welche von Tiroler Filmschaffenden.
Expertennetzwerk
Welche Rolle kann und will MFC in der „Filmstadt“ Innsbruck, im Filmland Tirol einnehmen. Wo wollt ihr hin?
Venier: Zum einen sind wir natürlich sehr gerne ein verlässlicher Partner und Ansprechpartner zum Thema Film. Wir hoffen die Stadt und auch das Land mit unserem Netzwerk an Filmschaffenden unterstützen zu können und arbeiten daran, in Zukunft große Filmprojekte in Innsbruck bzw. Tirol umzusetzen. Ich bin überzeugt davon: Das Netzwerk an Experten, das durch Mountain Film City ständig zusammenkommt, um sich auszutauschen, wird sich positiv auf die Filmlandschaft Tirol auswirken.
Zeige mir den Ort auf der Karte
Innsbruck ist ihre Herzensstadt, der Blick auf die Nordkette ihr Seelenschmeichler. Journalistin, Sachbuchautorin, Bücherwurm, Hobbyfotografin, Hundebesitzerin, BergGeherin #ghostsofinnsbruck
Ähnliche Artikel
Das Goaßl Schnöllen ist ein Brauch, der seine Wurzeln hoch oben in den Bergen hat.
Ich hab’s ja schon öfters betont: Innsbruck ist meine Traumstadt. Ich liebe sie, weil sich die…
Wie einfach ist es heute: Wir zücken das Handy, und zack, ist ein Foto gemacht, ein kurzer…
Die Axamer Fasnacht ist eine der bekanntesten traditionellen Fasnachten in Tirol. Der „Unsinnige Donnerstag“ mit dem Wampelerreiten…