© Lisa Thurner-Amrain
Manchmal braucht es gar nicht viel, um große oder kleine Leute für Nahegelegenes wie die Natur zu begeistern: ein Murmeltier, das in der Sonne liegt, frische Tierspuren am Wegesrand oder spannende Geschichten über die Bewohner der Berge. Genau das haben wir bei der Wildtierwanderung im Lüsenstal erlebt – einem besonderen Angebot aus dem Erlebnisprogramm von Innsbruck Tourismus. Gemeinsam mit meinen Kindern machte ich mich am Fronleichnamstag auf den Weg durch das schöne Lüsenstal. Begleitet wurden wir von Philipp, dem Gebietsjäger von Lüsens, der uns fachkundig die Augen für die Tier- und Pflanzenwelt öffnete.
Ein Tal voller Geschichten
Schon nach den ersten Schritten wurde deutlich: Diese Wanderung ist weit mehr als eine klassische Naturführung. Philipp kennt sich hier aus. Mit Begeisterung erzählte er von der Entstehung des Tals, den Gletschern, die die Landschaft über Jahrtausende geformt haben, und den Pflanzen, die den rauen Bedingungen in den Bergen trotzen.
Für die Kinder wurde die Wanderung schnell zu einer spannenden Spurensuche. Welche Spuren stammen von welchem Bewohner des Tals? Wo und was fressen die Tiere? Von welchem Tier stammt der gefundene Knochen? Immer wieder blieb unsere kleine Gruppe stehen, beobachtete, fragte und staunte.
Im Unterholz fanden wir auch ein Stück Knochen - vermutlich die Schulter eines Rehs. © Lisa Thurner-Amrain
Neben den Fußspuren vom Rotwild sahen wir auch die Fußabdrücke von Rehen... © Lisa Thurner-Amrain
Dabei wurde deutlich, dass der Abdruck eines Hirsches fast gleich groß war wie die Hand meiner Tochter. Die Spuren der Rehe waren deutlich kleiner. © Lisa Thurner-Amrain
Auch an einer Schlammsuhle wanderten wir vorbei - das sind schlammige Stellen, die Schwarz- und Rotwild gerne nutzen, um sich abzukühlen. Gleichzeitig schützt der Schlamm die Tiere auch vor Parasiten. (c) Lisa Thurner-Amrain © Lisa Thurner-Amrain
Naturwissen zum Anfassen
Ein besonderes Highlight waren die Murmeltiere. Normalerweise – wie Philipp sagt – kann man einige Exemplare dieser sympathischen Alpenbewohner beobachten, wie sie genüsslich in der Sonne liegen oder über Steine und Wiesen huschen – am heutigen Tag erblickten wir mit dem Spektiv nur eines, dass sich die Morgensonne auf den Pelz scheinen ließ.
In der Ferne sahen wir außerdem Rehe zwischen den Bäumen verschwinden. Anhand der Spuren im Schlamm erklärte Philipp den Unterschied zwischen Reh und Rotwild – ein Thema, das viele Wandernde oft verwechselen. Anschaulich und verständlich zeigte er auf, woran man die Wildarten unterscheidet. Er band meinen 9-jährigen Sohn und meine 6-jährige Tochter in seine Ausführungen mit ein und beantwortet geduldig ihre Fragen.
Besonders faszinierend fand ich die Einblicke in die Pflanzen- und Tierwelt des Lüsenstals. Neben Rehen, Hirschen und Murmeltieren leben hier auch Füchse, Dachse, Marder, Iltise, Hermeline und viele weitere Wildtiere. Auch Greifvögel wie der Steinadler oder der Geier lassen sich hier beobachten, wenn sie hoch über den Berghängen ihre Kreise ziehen. In den letzten Jahren zogen sogar ein Wolf und ein Luchs durchs Tal, wie uns Philipp erzählte.
Mit dem Spektiv - einem Beobachtungsfernrohr mit 60-facher Vergrößerung - konnten die Kinder das Murmeltier beobachten, das... © Lisa Thurner-Amrain
... sich in der Morgensonne wärmte. © Lisa Thurner-Amrain
Leben und Arbeiten als Gebietsjäger
Während der Wanderung kamen wir auch auf Philipss Beruf zu sprechen. Seit 2022 ist er Gebietsjäger in Lüsens. Davor absolvierte er hier die Lehre zum Jäger. Vor seinem Berufswechsel war er viele Jahre in der Gastronomie tätig. Heute betreut er ein rund 43 Quadratkilometer großes Jagdgebiet. Seine Aufgaben sind vielfältig – sie reichen vom Monitoring der Wildbestände über die Bestandspflege bis hin zur Fütterung der Tiere in den Wintermonaten und noch vieles mehr.
Interessant finde ich, wie viel Verantwortung hinter dieser Arbeit steckt. Jagd bedeutet hier weit mehr als das, was viele Menschen zunächst damit verbinden. Es geht um Naturschutz, Beobachtung, Pflege und darum, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Wildtieren und ihrem Lebensraum zu erhalten.
Philipp lebt gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen im Alter von drei und fünf Jahren in einer urigen Hütte in Lüsens. Gleichzeitig entsteht für die Familie ein neues Zuhause in Gries im Sellrain. Seine tiefe Verbundenheit mit der Region und der Natur spürt man bei jedem Schritt.
Bei Philipp spürt man die Tiefe Verbundenheit zur Natur - nicht nur über die Wildtiere weiß er bestens Bescheid, sondern auch in der Pflanzenwelt kennt er sich aus. (c) Lisa Thurner-Amrain © Lisa Thurner-Amrain
Teil des Erlebnisprogramms von Innsbruck Tourismus
Wer das Lüsenstal einmal aus einer ganz neuen Perspektive kennenlernen möchte, dem kann ich diese Tour nur empfehlen. Für meine Kinder war die Wanderung ein echtes Abenteuer. Für mich war sie vor allem eine wunderbare Gelegenheit, die Natur bewusster wahrzunehmen und mehr über die Tiere und die Pflanzen in diesem Gebiet zu erfahren.
Die Wildtierwanderung ist Teil des abwechslungsreichen Erlebnisprogramms von Innsbruck Tourismus und kann über den Erlebnisshop gebucht werden. Dort findet man noch viele weitere Erlebnisse, wie eine Genussreise durch die Markthalle, eine Bauernhofführung in Mutters, eine Alpakawanderung in Oberperfuss oder eine kreative Auszeit im Herzen Innsbrucks. Ich werde in den Sommerferien den ein oder anderen Programmpunkt bestimmt noch ausprobieren. Urlauber mit der kostenlosen Gästekarte Welcome Card profitieren zudem von Vergünstigungen auf die Angebote.
Zeige mir den Ort auf der Karte
Mama aus Leidenschaft, Hundeflüsterin, Freiluftfanatikerin, Hobbyschreiberling und Bücherwurm im Tiroler Oberland geboren, wohnhaft westlich von Innsbruck Interessen: Natur, Berge, Familie, Tiere, Bücher, Kultur
Ähnliche Artikel
Das Mieminger Plateau ist eine überaus eindrucksvolle, uralte Tiroler Kulturlandschaft. Es erstreckt sich am Fuß der…
Endlich ist er da – der Frühling! Sonne, frische Luft und besondere Erlebnisse – genau so mag…
Das Kühtai zählt zu den beliebtesten Skigebieten der Innsbrucker Ski-Community und das aus gutem Grund. Vor allem…
Der Name ist Programm. Am Samstag, dem 7. Feber, ging der Winter Young Action Day…