Kaffee ist nicht nur ein Getränk, sondern ein tägliches Ritual. Ein Tag ohne das schwarze Glück kann kein guter werden – da bin ich mir sicher. Und ich bin wohl nicht die Einzige, die ohne diese Koffeinquelle nur schwer auskommt. Kaffee gehört einfach dazu! Dabei wird oft vergessen, dass das schwarze Gold ein echtes Globalisierungsprodukt ist: Die Bohnen, die wir so sehr schätzen, stammen aus weit entfernten Ländern wie Brasilien, Äthiopien, Ruanda oder Kolumbien. Seit dem 17. Jahrhundert wird Kaffee nach Europa importiert und hat sich seither zu einem unverzichtbaren Teil unserer Kultur entwickelt – auch in Tirol. In und um Innsbruck gibt es heute nicht nur viele hervorragende Kaffeehäuser, sondern auch kleine Röstereien, die das Handwerk zur Perfektion gebracht haben.
Ein Welterfolg
Kaffee zählt weltweit zu den beliebtesten Getränken. Kein Wunder also, dass die Bohnen auch an der Börse gehandelt werden. In den sogenannten Entwicklungsländern ist Kaffee eines der wertvollsten Exportgüter. Ein Problem ist allerdings, dass nur der geringste Anteil des vom Endverbraucher gezahlten Preises im Anbauland selbst bleibt und davon wiederum nur ein kleiner Teil bei den Kaffeebauern und Plantagenarbeitern ankommt. Es gibt verschiedene Organisationen, die sich für fairen Handel einsetzen. Einer, der wirklich von ganzem Herzen, voller Überzeugung und mit einer großen Portion Idealismus etwas gegen diesen Missstand tut, ist Thomas Hofer von thomas’ BIO KAFFEE. Ich habe mich mit ihm und seiner Frau Sylvia in ihrer Rösterei in Telfs getroffen.
Über Thomas
Thomas Hofer hat mehr als 20 Jahre auf der Alm verbracht, wo er im Einklang mit der Natur lebte. „Vielleicht kommt daher meine Begeisterung für nachhaltige, fair produzierte Produkte und ehrliches Handwerk“, überlegt Thomas. Seine ersten Rösterfahrungen sammelte er ebenfalls dort, auf der Alm – mit Malzkaffee, den er in einer alten Pfanne röstete. Im Jahr 2000 schlug er beruflich einen neuen Weg ein und arbeitete bei einem Kaffeemaschinenhersteller. „Da ich Dinge immer ganz oder gar nicht mache, habe ich bei Kaffee-Koryphäe Goran Huber eine Barista-Ausbildung absolviert und das Rösten beim besten Röster Deutschlands in Bayern gelernt“, erinnert sich Thomas. Heute betreibt er seine eigene Kaffeerösterei in Telfs und lebt dort seine Leidenschaft für Kaffee aus.
Die Philosophie hinter thomas’ BIO KAFFEE
Nachhaltigkeit und Fairness sind für Thomas Hofer keine bloßen Schlagworte. Sein Ziel ist es, auf allen Ebenen den bestmöglichen Kaffee zu erzeugen. „Wir wollen zufriedene Kunden und dass es den Kaffeebauern gutgeht“, so Thomas. Besonders wichtig ist ihm ein Handel auf Augenhöhe! Diejenigen, die in den Anbaugebieten die Kaffeebohnen mit viel Sorgfalt ernten, müssen wissen, wie wichtig sie sind. Thomas und seine Familie haben Projekte auf der ganzen Welt und besuchen ihre Partner regelmäßig vor Ort. „Es ist kaum vorstellbar, aber den Bauern ist oftmals gar nicht bewusst, wie wichtig ihre Arbeit ist und welch hohen Stellenwert Kaffee bei uns im globalen Norden hat. Indem wir faire Preise zahlen und den Kaffee direkt bei den Erzeugern – ohne Zwischenhändler – beziehen, können wir die Preiskalkulation fair und transparent gestalten und den Bauern zeigen, wie wichtig sie in diesem Kreislauf sind“, sagt er. Das schlägt sich auch im Geschmack nieder: Wer für seine Arbeit gerecht entlohnt wird, gibt sich auch mehr Mühe. „Wir stellen hohe Qualitätsansprüche, das wissen unsere Partner. Wir verlangen immer eine Musterlieferung. Nur wenn diese passt, lassen wir liefern“, erklärt Thomas. Win-win für Produzenten und Endverbraucher!
Kaffeekirschentee
Kaum zu glauben, aber es soll tatsächlich Menschen geben, die keinen Kaffee mögen. Viele wollen trotzdem nicht auf Koffein verzichten und greifen dann zu Energy-Drinks. Es gibt aber eine gesündere Alternative: Kaffeekirschentee. Ein Tee aus Kaffee, genauer gesagt aus dem getrockneten Fruchtfleisch der Cascara – der Kaffeekirsche. Das Koffein befindet sich hauptsächlich in der Schale der Kaffeekirsche, weshalb der Tee einen hohen Koffeingehalt hat, ohne nach Kaffee zu schmecken. Im Gegenteil, er erinnert eher an Früchtetee. Er enthält natürliche Antioxidantien und eine hohe Konzentration an Vitamin B2 und Vitamin E. „Das ideale Getränk für Sportler", sagt Thomas. „Die Zubereitung ist ganz einfach: Kaffeekirschentee mit kochendem Wasser übergießen und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Man kann ihn heiß oder kalt trinken.“ Ich war so neugierig, dass ich mir gleich eine Packung gekauft habe, und ich kann euch mit ruhigem Gewissen meine Empfehlung aussprechen. Am besten schmeckt er mir mit Honig!
Warum guter Kaffee mehr wert ist
Qualität und Fairness haben ihren Preis. Doch natürlich spielt bei der Kaufentscheidung auch das Geld eine Rolle. In Zeiten der Inflation, in denen man jeden Euro zweimal umdreht, greift man oft zum günstigeren Produkt. Doch Thomas hat mich mit einem Argument zum Nachdenken gebracht: „Wie viele von uns trinken regelmäßig im Lokal Kaffee? Was kostet dort ein Cappuccino? Ein Espresso? Ein Vielfaches von einer Tasse thomas’-Kaffee. Dabei ist mein Kaffee biozertifiziert, fair gehandelt und schmeckt auch noch besser“, lacht Thomas. Wenn ich bedenke, wie viel Geld ich ohne mit der Wimper zu zucken für meinen Coffee-to-go ausgebe, bekomme ich fast schon ein schlechtes Gewissen. Und ich muss Thomas Recht geben, sein Kaffee schmeckt viel besser!
Kaffeehaus-Kultur
Kennt ihr die Menschen, die zum Arbeiten ins Kaffeehaus gehen? Wenn immer ich die Möglichkeit dazu habe, bin ich eine von ihnen. Ich arbeite am liebsten, wenn es um mich herum ordentlich ist, und da das bei uns zuhause nicht immer der Fall ist, muss ich erst einmal putzen, bevor ich mich an meinen Laptop setzen kann. Und selbst wenn es augenscheinlich einmal nichts zu tun gibt, finde ich immer irgendeine Ablenkung. Deshalb liebe ich es, in Cafés zu arbeiten. Sehr beliebt dafür ist die Kaffeehauskette aus Seattle mit dem Meerjungfrauen-Logo. Eine wundervolle Alternative, mit viel mehr Charme, ist das Brennpunkt coffee competence Center in den Bögen. Wer meine Beiträge und mich kennt, weiß, ich bin schnell begeisterungsfähig, aber dieses Café ist wirklich unglaublich charmant. Schade, dass ich nicht in der Nähe wohne, denn das würde mit Sicherheit zu meinem zweiten Wohnzimmer werden. Ich freue mich sehr, dass Astrid, die zusammen mit ihrem Partner Gerhard Farbmacher die Brennpunkt Coffee Competence – Brennpunkt OG betreibt, sich die Zeit genommen hat, mir mehr über Kaffee, ihren Betrieb und ihre Arbeit zu erzählen.
Kaffeegenuss in Innsbrucks Ausgehmeile
Seit meiner Jugend denke ich bei „den Bögen“ in Innsbruck an das Ausgehen, und das ist ja auch nicht ganz falsch, denn die Viaduktbögen sind unter anderem für ihre Nachtlokale bekannt. Allerdings finden sich hier auch wundervolle Restaurants und Kaffeehäuser, wie eben das Brennpunkt. „Beim Rösten entstehen Geräusche und Gerüche, die Nachbarn stören könnten. Deshalb war es uns wichtig, einen Standort zu finden, der keine direkten Anwohner hat“, erzählt Astrid. Gut, dass Lärm stört, verstehe ich ja, aber was gibt es Besseres als den Geruch von frisch geröstetem Kaffee? Es kristallisierte sich heraus, dass die Bögen der perfekte Ort für die Rösterei und das Kaffeehaus sind. Mit viel Liebe zum Detail und Individualismus entstand so die Kaffeerösterei Brennpunkt OG mit angeschlossenem Kaffeehaus.
Kaffee-Koryphäe
Man glaubt es kaum, aber Astrid trinkt selbst wenig Kaffee: „Maximal eine Tasse am Tag und viel koffeinfreien Kaffee.“ Ihr könnt euch vorstellen, dass mir bei diesem Satz die Kinnlade heruntergeklappt ist. Wie kann man Kaffee so sehr lieben, damit arbeiten und ihn verkaufen, wenn man selbst nur wenig davon trinkt? „Beim Kaffee spielt der Geruch eine entscheidende Rolle. Man braucht eine feine Nase, aber dann kann man all die feinen Aromen herausriechen: Bitterstoffe, Süße oder Frucht. Aber Achtung, wichtig: Wenn man den frischen Espresso vor sich hat, muss man ihn gut umrühren, damit sich die Crema und der Kaffee verbinden. Ich kann sagen, wie ein Kaffee schmeckt, ohne ihn gekostet zu haben“, erzählt Astrid. Ich bin hin und weg. Je mehr ich mit ihr rede, desto beeindruckter bin ich von ihrem gigantischen Kaffeewissen.
Der Weg zum perfekten Kaffee: mehr als nur Arabica und Robusta
Unglaublich, wie viele Faktoren den Geschmack von Kaffee beeinflussen können. Natürlich wusste ich, dass es verschiedene Sorten gibt. Am bekanntesten sind Arabica und Robusta. Aber dass noch so viel mehr eine Rolle spielt, war mir neu. Woher kommt die Bohne? In welcher Höhenlage wächst sie? Wie wird sie aufbereitet? Ein Beispiel: Der Monsooned-Malabar-Kaffee wächst in der indischen Region Malabar. Das besondere Aroma dieses Kaffees wird maßgeblich durch den Monsunregen geprägt. Der Rohkaffee wird zum Trocknen ausgebreitet, doch durch den immer wiederkehrenden Regen wird er abwechselnd nass und trocken. Dieser Prozess führt zu einer natürlichen Fermentierung, die dem Kaffee eine einzigartige, holzig-tropische, tabaklastige und vollmundige Note verleiht.
Die Kunst des Kaffeeröstens
Die Aufgabe des Kaffeerösters ist es, eine Mischung zu kreieren, in der die Aromen perfekt miteinander harmonieren. Dabei gibt es viele Faktoren zu berücksichtigen. Astrid ist eine echte Expertin: „Durch das Rösten bestimme ich, was ich aus dem Rohprodukt mache. Röste ich die Bohnen heller, erhalte ich in der Regel einen fruchtigeren Geschmack. Bei einer dunkleren Röstung verstärke ich die herbe, schokoladige Note.“ Kurz gesagt: Um ein wirklich gutes Produkt zu erhalten, muss vieles beachtet werden – angefangen bei der Herkunft über die Verarbeitung bis hin zur Röstung. Für den perfekten Kaffee braucht es Profis.
Und zum Schluss: welche Milch eignet sich am besten?
Wenn man nun aber die perfekt geröstete Mischung vor sich hat, ist es immer noch Geschmackssache, wie man seinen Kaffee genießt – schwarz oder mit Milch? Und wenn mit Milch, welche soll es sein? Kuhmilch oder eine pflanzliche Alternative? Ich persönlich bin Team Hafermilch, einfach weil sie am besten schmeckt. Das sieht auch Astrid so: „Ursprünglich haben wir alle möglichen Milchsorten angeboten – von laktosefreier Milch, die sehr süß ist, über Reismilch bis hin zur geschmacklich neutraleren Hafermilch. Schnell hat sich herauskristallisiert, dass Hafermilch die beste vegane Alternative ist. ‚Normale‘ Milch und Haferdrink haben eins gemeinsam: Ihr Eigengeschmack überdeckt den Kaffee nicht.“
Aber ganz egal, ob mit oder ohne Milch, und egal, welche Sorte, Kaffee ist mehr als nur ein Getränk. Für mich ist er mein täglicher Muntermacher, mein ständiger Begleiter und manchmal auch mein kleiner Seelentröster, denn Kaffee macht einfach glücklich (zumindest mich). Ich bin dankbar, dass Thomas und Astrid mir einen Blick hinter die Kulissen gewährt haben, und ich werde meinen Kaffee nun umso mehr genießen.
Informationen
Thomas’ KAFFEE- & GENUSSMANUFAKTUR ( e.U.)
Höhenstraße 80, 6410 Telfs
E-Mail: [email protected]
Telefon: 0699 182 68 366
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Brennpunkt coffee competence
Viaduktbögen 46–48, 6020 Innsbruck
E-Mail: [email protected]
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