04. Dezember 2024
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Originalsprache des Artikels: Deutsch
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Kaum öffnen im winterlichen Innsbruck die Weihnachtsmärkte ihre Pforten, suche ich mir meine Lieblings-Standln der Saison zusammen. Mit gleich sieben stimmungsvollen Märkten von Berg bis Tal kannst du ab Mitte November ja eigentlich auch gar nicht anders. Also frohlocke ich einfach, die Winterzeit hält ja bekanntlich auch die schönsten G'schichtln bereit. Nach ein zwei Glühwein frohlockt sich’s zudem immer etwas leichter. Und ja, auch so ein „Kiachl“ darf dann keinesfalls fehlen – wo es in Innsbruck die allerbesten gibt, sei hier jedenfalls verraten. In diesem Sinne: Meine dringliche Anregung zum Standl-Schlendern und wo sich unterwegs das Stehenbleiben für ein paar schöne G'schichtln lohnt.

Köstliche Kiachl am Christkindlmarkt

Als die Blechbläser am Goldenen Dachl abends feierlich in ihre Hörner stoßen, ist der Christkindlmarkt in der Altstadt und damit die Bergweihnacht offiziell eröffnet. Heimlich war ich schon mittags da, mein erstes Dengg-Kiachl essen. Gerade stehe ich ums nächste an. Am ältesten Weihnachtsmarkt der Stadt serviert das Café Dengg heuer seit genau 50 Jahren seine Kiachl. Sogar als es im Lockdown-Winter 2020 nirgends Weihnachtsmärkte gab, führte man die Tradition To-Go und durchs Café-Fenster in der Riesengasse fort.

Mittlerweile kümmert sich Jakob Dengg dort in dritter Generation um die g’schmackigen Hefeteigfladen. Das Kiachl-Team (30) gibt es länger, als der Jakob (26) alt ist. Schon als junger Bursch (15) packte er in der Kuchl mit an, heute schmeißt er den Laden mit einem Lächeln. Das Rezept ist unverändert von der Oma, jedes Kiachl frisch, knusprig, köstlich, wie früher. Und als der Krautriese Radi mir bei meinem dritten Kiachl seinen Sohn vorstellt, weiß ich, dass auch dieses Geheimnis in den allerbesten Händen ist.

Weihnachtszauber im Stadtteil Wilten

Wenn die größeren Märkte für ausgelassene Gemütlichkeiten vielleicht etwas zu gut besucht sind, weiche ich einfach auf die kleineren aus. Einer meiner liebsten liegt am Wiltener Platzl und zählt neben einer Bühne nur etwa eine Handvoll Standln. Aber Innsbrucks erster eigener Apfelmet, sündig-süße Schoko-Pistazie-Kiachln und eine ganze Konzertreihe an Programm braucht eigentlich auch gar nicht mehr. Direkt neben der Bühne lädt mich Kerstin in das Kollektiv-Standl „Wundertüte“ ein. Ich bekomme Tee in der selbstgetöpferten Tasse (House of K), Iris ist leider krank und der Wärmestrahler ohne Strom. Darum hält Kerstin heute zwischen Innsbrucker Kollektiven, Kulturvereinen und diversen Kleinkünstler:innen die Stellung und bewirbt auch die namensgebenden Wundertüten: 50 Prozent gehen an den Tiroler Behindertensport, die anderen 50 Prozent bauen eine Schule in Afrika. Gefüllt sind die ab drei Euro nach Größe gestaffelten Tüten unter anderem mit ihren dafür gespendeten Töpferwaren, schmunzelt die Kerstin. Bald kommt aber Nachschub, verspricht sie. Wenn sie nicht am Standl steht, sitzt sie an der Töpferscheibe. Ich trinke meinen Tee aus und gebe Kerstin ihre Tasse wieder. Fast hätte ich die jetzt einfach mitgenommen.

Es gibt sogar Apfelmet

Kaum trete ich raus in den Eiswind, vermissen meine Hände die warme Tasse auch schon. Ein Glück winkt mich Andi am Nebenstand gleich zu einer ersten Kostprobe Apfelmet. Südtiroler Bio-Äpfel treffen auf einen kreativen Innsbrucker Braumeister (Max) sowie Zimt, Nelke und feinsten Innsbrucker Stadthonig, erklärt mir der Innsbrucker Stadtimker. Und so wie das klingt, schmeckt es auch. Fernab von Glühwahn und Punschpansch, einfach mal was ehrlich anderes, lobt sich das Standl-Mandl noch ein bisschen selbst. Zurecht, proste ich und lass mir gleich noch einen zweiten zapfen.

Nochmal daneben stellt sich bei Onkel Toms Kiachl zwischenzeitlich gleich der nächste fesche Andi vor, von hinten winkt mir die Victoria freundlich von der Fritteuse. Das eigens kreierte „Wiltener Kiachl“ war ja sofort auffällig. Das find ich, als waschechter Wiltener und kleiner Kraut-Traditionalist, jetzt nämlich fast a bissi gar frech. Aber kaum verkoste ich in das üppig in Pistazie und Schoko getränkte Weihnachtsfladerl, weiß ich’s besser und bin still. Bis nächstes Mal, winke ich vom nächsten Met. Von der Bühne wehen unterdessen die ersten Takte „Es werd scho glei dumper“ rüber, irgendein Andi wärmt mich noch mit einem (selbstverständlich selbstgemachten!) Zirbeler, dann trägt mich der Wind davon.

Klein und Gemütlich

Empfehlungen müssen an dieser Stelle noch zwei anderen kleinen Märkten der Bergweihnacht gezollt werden: Einerseits dem wirklich winzigen Augustiner Weihnachtsgarten am Franziskanerplatz. Hier gibt es nicht nur köstlichen Orangenpunsch (wahlweise mit oder ohne Schuss) aus edlen Kupferkesseln sondern auch die wohl schönsten Pfandbecher der Stadt (dieser Mini-Markt zählt nämlich nicht zur offiziellen Bergweihnacht!). Zudem sitzt man hier meist gemütlich im Windschatten und hat im Stiftskeller eine warme Stube zum Aufwärmen sowie Toiletten zum Austreten.

Andererseits dem entzückenden Christkindlmarkt in St. Nikolaus. Auf engstem Raum finden hier eine Feuerschale im Freien, eine offene Holzstube zum Hinhocken, eine Kuchl für Kiachl und Kulinarik, eine Bühne für Programm sowie eine Handvoll winzige Standln Platz. Mit nur einem Ein- und Ausgang lädt man hier ohnehin mehr zum Bleiben als zum Bummeln ein. Nach dem zweiten Eierlikör verrate ich der Kathi in ihrem kleinen Hexenhäuschen, dass man sich mit dem weißen Glühwein zur Not eh auch mal Anschütten kann. Ihr Eierlikörrezept verrät sie mir im Gegenzug trotzdem nicht. Draußen taut sich unterdessen wieder so eine kleine Blaskapelle auf: It’s beginning to look a lot like christmas, wie schön.

Wann & Wo

Die Öffnungszeiten aller sieben Märkte der Bergweihnacht sind hier zu finden.

Die Märkte Altstadt, Maria-Theresien-Straße und Marktplatz sind täglich von 11:00 bis 21:00 Uhr geöffnet (der Augustiner Weihnachtsgarten sogar bis 22:00 Uhr).

Der Wiltener Weihnachtszauber lädt täglich ab 16:00 bis 20:00 Uhr zu Konzertprogramm und Gemütlichkeit, am Christkindlmarkt St. Nikolaus geht's dafür bis 21:00 Uhr (mit Blechbläsern ab 18:00 Uhr).

Fotos: Alle Bilder im Beitrag wurden vom Autor selbst verwackelt.

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