Neben der Zither ist die Harfe jenes Instrument, das für mich am besten vorweihnachtliche Stimmung vermittelt. Dabei ist sie natürlich weit mehr! Wie wunderbar, ja geradezu magisch, dieses Instrument klingt, zeigte heuer zum dritten Mal die Harfenbiennale Innsbruck. Sie stellte Frauen in der Musikgeschichte in den Mittelpunkt und fand vom 4. bis 7. Dezember 2025 statt.

Harfenbiennale Innsbruck

Gegründet wurde sie von der bekannten Harfenistin Margret Köll. Dem heimischen Publikum als Mitwirkende unter anderem bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik bestens bekannt, ist die gebürtige Tirolerin auf internationalen Bühnen zu Hause und spielt mit Stars wie Cecilia Bartoli.

Köll rief das Harfenlabor ins Leben, eine digitale Plattform für die (kritische) Auseinandersetzung mit der historischen Harfe und analoges Netzwerk, das Symposien, Konzerte und Workshops organisiert. Herzstück der Aktivitäten: die Harfenbiennale Innsbruck!

Unbeschreiblich weiblich

Einmal mehr erwies sich die Harfenbiennale Innsbruck als fein austariertes Programm, getragen vom Motto „Unbeschreiblich weiblich?!“. Der Ausdruck stammt aus dem gleichnamigen Lied der deutschen Musikerin Nina Hagen, war prägend für die deutsche Popkultur und die Frauenbewegung Ende der 1970er Jahre.

Diesen Ausdruck zum Leitgedanken zu machen, kam nicht von ungefähr. „Mit der Harfenbiennale möchte ich das Ohr wieder bewusst auf die Stimmen richten, die verdrängt, verklärt oder vergessen wurden ”, erläuterte Köll im Rahmen der Pressekonferenz 2025.

Feines Programm

Dass sie dabei Verbindungen zwischen Alter Musik und zeitgenössischer, zwischen Volksweisen und politischen Texten, zwischen mystisches Texten und Saxofon-Soli suchte und fand, zeigte schon der Blick ins Festivalprogramm.

Die Highlights reichten vom Eröffnungskonzert mit dem Titel Heilige und Ungezähmte über das Frühstückskonzert mit der Sängerin Maria Ladurner und Vincent Kibildis an der Tripelharfe und dem Finale des Wettbewerbs Call for Concert bis zu Salterio & Songs mit dem Oberlandler Dreiklang und dem Duo-Konzert von [/notrans]Luise Enzian[/notrans] und Asya Fateyeva, von Barockharfe und Saxofon.

Mit Tagung

Zudem bot es eine wissenschaftliche Auseinandersetzung im Rahmen eines Symposiums. Dieses warf „Schlaglichter auf die vielfältigen Rollen von Frauen in der Gestaltung von Musikkultur, sowohl  aus allgemeiner Perspektive als auch mit besonderem Fokus auf die Harfe“, so Thomas Nussbaumer, Leiter des Fachbereichs Musikalische Ethnologie am Department für Musikwissenschaft, Mozarteum Innsbruck im Rahmen der Programmpräsentation. Immerhin galt die Harfe lange als „typisches Fraueninstrument”.

Zwei Highlights

Ein Besuch der Tagung ging sich zwar nicht aus, aber ich hatte die Gelegenheit, zwei wirklich ganz wunderbare Konzerte zu besuchen. Nicht entgehen lassen konnte ich mir natürlich den Eröffnungsabend, den Köll als „Paukenschlag“ des Festivals angekündigt hatte.

Im Rahmen der Eigenproduktion „Heilige und Ungezähmte – eine Vesper der Frauen” erklangen Musik der Mailänder Nonne Chiara M. Cozzolani und zeitgenössische Kompositionen von Giulia Monducci – dazu Texte der Philosophin Silvia Federici aus dem Mund der Schauspielerin Gerti Drassl.

Kämpferisch zeitgemäß

Geradezu unerhört die Auszüge aus Cozzolanis Marien-Vesper aus dem Jahre 1650Gänsehaut bei den herrlichen Interpretationen des Vokalensembles NovoCanto, des Ensembles Between the Strings  unter der Leitung von Alexandra Helldorf. Und wie hervorragend sich diese Musik mit den Kompositionen von Giulia Monducci verstanden.

Noch mehr Gänsehaut bei den Texten von Silvia Federici[notrans]. Die italienische Philosophin und Feministin analysiert seit Jahrzehnten messerscharf und pointiert Formen der Unterdrückung und Ausbeutung weiblicher Schaffenskraft durch die Geschichte bis heute. [notrans]Gerti Drassl verlieh ihrer Stimme eine atemberaubende Kraft.

In der Hofkirche

Nach dem ersten Teil wanderten die Zuhörerinnen und Zuhörer vom Haus der Musik Innsbruck in die nahe Hofkirche, um dem zweiten Teil des Abends zu lauschen. Vorbei übrigens an der Klanginstallation „Wild is the Wind” der Turner-Preisträgerin Susan Philipsz, die mittels Megaphon aus dem altehrwürdigen Baum erklingt – und zwar noch bis Jänner 2026.

In der durchaus frostigen Hofkirche fand die dritte Uraufführung eines Werks von Giulia Monducci statt, rezitierte Gerti Drassl von der Kanzel und zeigte sich bei Hildegard von Bingens „Ave generosa” schließlich, wie stark kirchliche Musik in ihrem natürlichen Habitat zu berühren vermag.

Morgenklänge

Beim Frühstückskonzert am nächsten Morgen präsentierten Maria Ladurner und Vincent Kibildis an der Barockharfe ihr Programm Madre Natura. Die Tiroler Sängerin zeigte, welche Bandbreite ihre klare wie volle Stimme zu bewältigen mag, quer durch die Musikgeschichte, mit Liedern auf Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch. Nicht minder beeindruckend Vincent Kibildis an der Tripelharfe. Das Duo schuf einen Klangraum, in den man sich beschwingt fallen lassen konnte.

Zwei feine Konzerte, die lange nachhallen – und bei mir die Vorfreude auf die nächste Harfenbiennale Innsbruck nähren. Mein Fazit also: Rundum positiv!

Mein Tipp demgemäß: Kalender zücken und schon mal notieren! Spannende Neuigkeiten gibt es immer wieder auch auf der Website www.harfenlabor.com. Newsletter abonnieren und nichts verpassen.

Infos zu kulturellen Veranstaltungen in Innsbruck und Umgebung unter www.innsbruck.info

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler

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