Hintergrundbild der Österreichischen Meisterschaften im Poetry Slam im Landestheater Innsbruck

Lesen, Bücher, Geschichten gehören nicht nur zu meinem Leben, sie sind mein Leben. Als Büchereimitarbeiterin habe ich mit geschriebenen Worten tagtäglich zu tun. Gerne gebe ich das den Büchereinutzer:innen mittels Buchempfehlungen oder Kindern im Rahmen von Leseanimationen weiter. Deswegen auch nicht verwunderlich, dass ich gerne Poetry Slams besuche.

Poetry Slam ist für mich ein Raum, in dem Sprache lebt – roh, ehrlich, unmittelbar. Jedes Mal, wenn ein/e Slammer:in das Mikro in die Hand nimmt, werden Worte zu Feuer, Gedanken zu Funken und Emotionen zu Applaus.

Was sind Poetry Slam und der Ö-Slam?

Das ganze Format zielt darauf ab, die Gunst des Publikums auf seine Seite zu ziehen. Slammer:innen geben innerhalb eines Zeitlimits selbst geschriebene Texte aller Arten, Themen und Formen wider und die Zuhörer:innen entscheiden über den Sieg.

In Innsbruck, der Wiege des Poetry Slam in Österreich, fanden die Österreichischen Meisterschaften bereits 2008 und 2015 statt. Seit 2007 werden die Ö-Slams jährlich in verschiedenen Städten in ganz Österreich und Südtirol ausgetragen. Hier zeigt die Creme-de-la-Creme der Szene ihre schönsten Texte.

Innsbruck im Slam-Fieber

Dass das Finale dieses Jahr wieder in Innsbruck stattfand, hätte passender nicht sein können. Die Stadt ist längst Hotspot der österreichischen Slam-Szene. Hier wird regelmäßig geslammt, gelacht, gejubelt. 2025 wurde beim Ö-Slam in drei Disziplinen entschieden: Einzelwettbewerb, Nachwuchswettbewerb (U20) und Teamwettbewerb. Bei den drei Halbfinalen wurden die Teilnehmer:innen des Finales an besonders "slamtastischen" Locations, nämlich in der Bäckerei Kulturbackstube und im BRUX, das freie Theater Innsbruck auserkoren. Das Teamfinale ging im Metropol Kino über die Bühne.

Ich war beim Einzelfinale mit dabei. Eine Wahnsinnsstimmung herrschte hier. Im Großen Haus des Tiroler Landestheaters war schon von Beginn an eine besondere Energie zu spüren, die einen tollen Finalabend ankündigte. Der Schauplatz - auf den altehrwürdigen Brettern, die die Welt bedeuten - konnte kein Besserer sein und war den Performances der Slamer:innen wahrlich würdig. Die beiden Moderator:innen "Katrin ohne h" und Martin Fritz, altbekannte Akteure der Poetry Slam-Szene, trugen zum einzigartigen Finale bei.

Unterhaltsam, tiefgründig und spannend

Neun Finalist:innen traten gegeneinander an: für Niederösterreich Katharina Wenty, Ö-Slam Gewinner 2024 David Samhaber, für Oberösterreich Nina Dostal, für die Steiermark Franziska Rieder und Lukas Hofbauer, für Kärnten Anja Knafl, Landesmeister Tirol ‚Der Geist des Frühlings‘, mit der Wildcard Nik König und U20-Ö-Slam-Meisterin 2024 Lia Hartl. Jede:r brachte etwas eigenes mit – Geschichten, Gefühle, Perspektiven. Manche Texte ließen mich laut lachen, andere trafen mich still und tief. Ich liebe dieses Wechselspiel zwischen Leichtigkeit und Nachdenklichkeit.

Wenn das Publikum zur Bühne wird

Besonders schön am Slam ist ja, dass einige aus dem Publikum als Jury fungieren. Menschen aus dem Saal halten Wertungstafeln hoch, spontan und ehrlich. Keine Fachjury, nur echte Reaktion. Sie verteilen Punkte von 1 bis 10. Ich finde das einzigartig, weil es die Distanz zwischen Bühne und Zuschauerraum aufhebt.

Im Finalen-Stechen standen schließlich Lia Hartl, David Samhaber und Nina Dostal. Drei Stimmen, drei Stile – und jede:r gab nochmal alles, was ging. Als Siegerin ging schließlich Lia Hartl hervor. Vollkommen verdient, wie ich finde. Ihre Texte waren irrsinnig tiefgründig, die aufrüttelten und zum Nachdenken anregten. Der Schlussapplaus wollte einfach nicht enden. Er zeigte die pure Begeisterung, getragen von Respekt und gegenseitiger Wertschätzung für alle Beteiligten auf und hinter der Bühne.

Ein besonderer Auftritt: Papa-Slam Markus Köhle

Als Special-Feature trat vor den Finalisten Markus Köhle auf – bekannt als der ‚Papa-Slam‘ der österreichischen Szene. Mit seinem Auftritt brachte er das Publikum zum Lachen – klug, charmant und mit einer entspannten Leichtigkeit, die nur jemand ausstrahlt, der den Slam seit Jahren prägt.

Lebendige Szene

Das österreichische Poetry Slam Finale in Innsbruck war kein Wettbewerb, sondern ein Fest der Worte, der Emotionen und der Kreativität. Ich mag diese Veranstaltungen und gerade in Tirol gibt es diese zu Hauf. SPoT – Slam Poetry Tirol organisiert die monatlichen Bäckerei Poetry Slam, die regelmäßigen U20-Poetry Slam im Theater praesent, Glam-Slams oder Sauna-Slams sowie Slams von Reutte über Schwaz bis hin nach Kufstein. Große und kleine Orte in Tirol veranstalten gemeinsam mit SPoT und örtlichen Kulturvereinen oder Bibliotheken Poetry Slams. Bei fast allen Slams können alle mitmachen die sich vor Ort in die offene Liste schreiben. Also, in diesem Sinne: Bühne frei! Ich freue mich schon auf den nächsten Slam!!

Aktuelle Termine und Infos findet ihr unter slampoetrytirol.at

Oder auf https://baeckereipoetryslam.wordpress.com/ 

Poetry Slam Vizeweltmeister im Podcast

Mehr zum Thema Poetry Slam hörst du in dieser Folge des Innsbruck Podcasts mit Poetry Slam Vizeweltmeister Emil Kaschka aus Innsbruck

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