Beim Krapoldifestival wird Innsbruck wieder zu einem Ort voller Magie. Am 21. und 22. August sowie vom 25. bis 30. August verwandeln internationale Zirkus- und Künstlergruppen gemeinsam mit der heimischen Szene ausgewählte Orte der Innenstadt und den Rapoldipark in eine bunte Theater- und Zirkuslandschaft. Es wird getanzt, gespielt, balanciert, jongliert und vor allem: gestaunt. Wer sich diese Darbietungen nicht entgehen lassen möchte, kann sich bereits im Vorfeld Tickets sichern. Viele Veranstaltungen sind aber auch kostenlos erlebbar.
Wenn ich an Zirkus denke, habe ich sofort Bilder im Kopf: ein großes Zirkuszelt, beeindruckende Akrobatik, Musik und Menschen, die gespannt den Atem anhalten. Beim Krapoldi-Festival in Innsbruck ist das Ganze allerdings ein bisschen anders. Hier kann eine Bühne überall sein – in einem Zirkuszelt, im Park, auf einem Platz oder mitten in der Stadt.
Wie wird man Akrobatin?
Um mehr darüber zu erfahren, treffe ich Elina Batruel. Die Akrobatin lebt in Völs, ihre Wurzeln liegen in Vorarlberg. Seit mehr als zwei Jahren ist sie beim Krapoldi-Festival dabei und kennt damit nicht nur die spektakulären Auftritte, sondern auch die besondere Atmosphäre hinter den Kulissen.
Und während sie mir von ihrem Weg in die Zirkuswelt erzählt, wird schnell klar: Ihre Geschichte beginnt lange vor Krapoldi.
Elina Batruel trat in den letzten Jahren mit ihrer Solonummer dem "Kartenhaus" im Rapoldipark auf. (c) Alena Klinger
Vom Turnen zur Zirkusakrobatik
Schon als Kind hat Elina geturnt. Bewegung, Körperbeherrschung und Akrobatik waren für sie also nichts völlig Neues. Den entscheidenden Schritt in Richtung Zirkus machte sie während ihres Studiums. Am USI (Universitätssportinstitut) belegte sie einen Kurs für Zirkuskünste – zunächst wohl einfach aus Interesse. Doch aus diesem Kurs wurde mehr.
Elina tauchte immer tiefer in die Szene ein, lernte die richtigen Leute kennen,von denen sie neue Techniken lernte und entdeckte, wie vielfältig Zirkus sein kann. Aus dem anfänglichen Kurs entwickelte sich eine Leidenschaft, die sie bis heute begleitet.
In den vergangenen beiden Jahren war sie mit ihrer Solo-Nummer „Das Kartenhaus“ beim Krapoldi-Festival zu sehen. Eine Nummer, die mich schon allein vom Titel neugierig macht. Mit akrobatischen Übungen und mihilfe des Pubklikums baut Elina dabei ein Haus aus Spielkarten, die halb so groß wie ein Mensch sind. „Der Höhepunkt ist ein Handstand auf der Spitze des Kartenhauses, weit über den Köpfen der Zuschauer“, erzählt mir die Artistin. Ich kann mir gut vorstellen, wie gebannt die Zuseher in diesem Moment nach oben blicken.
Heuer dürfen wir Elina in einer etwas anderen Rolle erleben: Gemeinsam mit dem Innsbrucker Zirkusverein wird sie auftreten und außerdem Teil der großen Krapoldi-Parade sein.
Elinas Höhepunkt: der Handstand auf der Spitze des Kartenhauses, hoch über dem Publikum. (c) Max Schorch
Heuer tritt Elina gemeinsam mit dem Zirkusverein Innsbruck im Tirolizelt auf. (c) Marit Sophie Franz
Was Krapoldi ausmacht
Während unseres Gesprächs frage ich mich immer wieder, was dieses Festival eigentlich so besonders macht. Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach – und vielleicht liegt genau darin der Reiz.
Denn Krapoldi ist weit mehr als klassischer Zirkus. „Es bietet jedem Raum“, beschreibt Elina das Festival. Egal ob bekannt oder unbekannt, eine große Gruppe oder ein Einzeldarsteller, aus dem In- oder Ausland: beim Krapoldi ist Platz für ganz unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler. Große, internationale Künstler und Gruppen treffen auf Akrobaten, Schauspieler, Tänzer und andere Kunstschaffende aus Innsbruck und der Region. Das vielfältigen Programms zeigt, wie unterschiedlich Zirkus und darstellende Kunst sein können. Tanz, Theater, Schauspiel und zeitgenössische Zirkuskunst verschmelzen miteinander. „So eine große Auswahl bekommt man so geballt nicht oft zu sehen, vor allem nicht auf so hohem Niveau. Das macht das Festival zu etwas ganz besonderem“, sagt Elina.
Und oft steckt hinter den Darbietungen noch viel mehr. Künstlerische Performances erzählen Geschichten oder beschäftigen sich mit tiefgreifenden Themen. Manchmal bringen sie einen zum Lachen, manchmal zum Staunen – und manchmal bleiben Gedanken auch noch länger im Kopf. Wie ein roter Faden zieht sich dabei häufig ein Thema durch einen Auftritt. Genau das gefällt mir an Krapoldi: Man kann sich einfach auf die Darbietung einlassen, genießen und staunen – und gleichzeitig vielleicht etwas mitnehmen, über das man noch später nachdenkt.
Im großen Zirkuszelt treten internationales Künstlergruppen auf wie beispielsweise Respire Circoncentrique.... (c) Camilla Poli
... oder La Tombola - Collectif Pourquoi Pas (c) CollectifPourquoiPas
Eine Stadt wird zur Bühne
Was ich besonders spannend finde: Das Festival spielt sich nicht an einem einzigen Ort ab. Beim Innenstadt-Straßenkunstfest am 21. und 22. August verteilen sich die Vorstellungen über verschiedene Plätze in Innsbruck und wiederholen sich im Laufe des Nachmittags.
Damit verändert sich auch die Stadt. Plötzlich wird eine Straße zur Bühne, auf einem Platz treten Akrobaten auf oder hoch über den Dächern der Altstadt balancieren Artisten. Man kann ganz gezielt eine Vorstellung besuchen – oder einfach durch Innsbruck spazieren und sich überraschen lassen.
Für mich ist das eine wunderbare Möglichkeit, die Stadt einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben. Und ich kann mir gut vorstellen, dass es auch für Gäste besonders spannend ist: Wer Innsbruck besucht, bekommt während Krapoldi nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten zu sehen, sondern erlebt gleichzeitig, wie kreativ, lebendig und vielfältig die Stadt ist.
Über den Dächern der Altstadt, zwischen dem Stadtturm und dem Dom zu St. Jakob, wird eine Highline gespannt. (c) Stadtmarketing Innsbruck
Live lassen Cirque on Edge auf dem Innsbrucker Marktplatz eine eindrucksvolle Fachwerksbrücke entstehen. (c) André Wirsig
Ein Festival für alle
Was mir ebenfalls gefällt: Krapoldi spricht ganz unterschiedliche Menschen an. Kinder staunen über die Akrobaten und Clowns, Familien verbringen gemeinsam Zeit miteinander und Erwachsene genießen Momente voller Magie abseits des stressigen Alltags. Die Veranstaltungen sind für alle zugänglich, unabhängig von Alter, Herkunft oder körperlichen Fähigkeiten. Ich finde, genau das passt wunderbar zum Gedanken des Festivals: Kunst soll mitten in der Stadt stattfinden und Menschen zusammenbringen.
Das Zirkusfestival im Rapoldipark vom 25. bis 30. August bietet ebenfalls ein vielfältiges Programm, bei dem wohl jeder fündig wird. Die Krapoldi Parade am 25. August sowie die anschließende Eröffnungsschow macht schon zu Beginn bei freiem Eintritt Lust auf mehr.
Quer durch den Rapoldipark finden sich Plätze, wo etwas aufgeführt wird. Die Insel der Geschichten, die Wiese der 100 Spiele oder die Umweltinsel laden Groß und Klein zum Mitmachen, Zuhören und Verweilen ein. Im Tirolizelt und im großen Zirkuszelt treten nationale und internationale Künstler mit ihren außergewöhnlichen Shows auf. Wer sich diese Darbietungen nicht entgehen lassen möchte, kann sich bereits im Vorfeld Tickets sichern.
Den Abschluss bilden die Parkfesttage am 28. und 29. August, wo Clownerie, Akrobatik und Musik kostenlos erlebbar ist.
Zur Eröffnung des Krapoldifestivals zieht eine bunte Parade durch Innsbrucks Innenstadt. (c) Alena Klinger
Auch lokale Künstlergruppen, wie der Zirkusverein Innsbruck, zeignen ihr Können. (c) Marit Sophie Franz
Innsbruck einmal anders erleben
Nach meinem Gespräch mit Elina sehe ich das Krapoldi-Festival jedenfalls mit anderen Augen. Es ist nicht einfach eine Reihe von Zirkusvorstellungen, sondern ein Festival, das unterschiedliche Kunstformen, Menschen und Kulturen zusammenbringt. Und vielleicht ist das Schönste daran, dass man sich einfach darauf einlassen kann.
Am 21. und 22. August sowie vom 25. bis 30. August wird Innsbruck wieder zur Bühne. Internationale Künstler treffen auf die heimische Szene, Akrobaten erobern Plätze und Parks, Geschichten werden erzählt und die Stadt bekommt für ein paar Tage einen ganz besonderen Zauber.
Ich werde jedenfalls die Augen offen halten. Denn wer weiß – vielleicht begegnet mir beim nächsten Spaziergang durch Innsbruck plötzlich ein Artist, eine Tänzerin oder eine ganze Parade.
Und genau das ist für mich Krapoldi: ein kleines bisschen Zirkusmagie mitten in Innsbruck.
Innsbruck wird zur Bühne - quer durch die Stadt versprühen Akrobaten, Künstler, Clowns und viele mehr ihren Zauber. (c) Alena Klinger
Weitere Beiträge zum Krapoldi-Festival:
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Mama aus Leidenschaft, Hundeflüsterin, Freiluftfanatikerin, Hobbyschreiberling und Bücherwurm im Tiroler Oberland geboren, wohnhaft westlich von Innsbruck Interessen: Natur, Berge, Familie, Tiere, Bücher, Kultur
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