Faschingszeit ist Krapfenzeit!

Spätestens heute am "unsinnigen Donnerstag", lässt sich eins sagen: "s'isch Zeit für Faschingskrapfen!" Was ein guter Faschingskrapfen ausmacht? Eine gleichmäßige Form, eine schöne Farbe (heller Mittelstreifen, der durch das Herausbacken im Fett entsteht), ein feiner Geruch (gutes Fett) und eine schmackhafte Marillenmarmeladen-Fülle. Ein wenig Staubzucker darf natürlich auch nicht fehlen!

Wo findet man die besten Krapfen in Innsbruck?

Manche Essensgewohnheiten und Essensvorlieben entwickelt man erst mit der Zeit. 2026 ist wohl mein Jahr der Faschingskrapfen. Wobei es 2023 schonmal einen Vorboten gab, als ich für den Innsbruck Blog dem Konditormeister Wolfgang Ebner, besser bekannt als "Strudelpeter" einen Besuch abstatten durfte. Seit damals war klar: Faschingskrapfen hole ich dort. Und wenns nicht am Weg liegt, bei den Brotbuben.

Inzwischen ist der Strudelpeter aber bereits seit einigen Jahren geschlossen und an einem sonnigen Nachmittag im Januar überkam mich bei einem Stadtspaziergang die Lust auf einen Faschingskrapfen. Das Cafe Munding war ums Eck, und weil dort eigentlich immer alles phänomenal schmeckt, bin ich kurzerhand rein und hab mir bei Almut einen Krapfen geholt. Die Kunst bis dahin bestand vor allem darin, alle anderen verheißungsvollen Versuchungen hinter der Vitrine zu ignorieren und zielsicher mit dem Krapfen wieder hinauszuspazieren.

Schon beim ersten Bissen dämmerte es mir: Faschingskrapfen ist nicht gleich Faschingskrapfen. Und vielleicht war mein Brotbuben-Favorit nur ein Platzhalter, bis ich mir die Zeit nehmen würde, meine neuen persönlichen Lieblingskrapfen zu finden? Doch wer macht in Innsbruck selbst Krapfen und welche sind die besten? Kommt mit mir auf einen Streifzug in neun Bäckereien der Stadt.

Café Konditorei Munding

Fangen wir an, wo meine Faschingskrapfen Reise begann. Der Munding Krapfen kommt leicht angezuckert, in perfekt runder Form und schmeckt, wie ein Krapfen zu schmecken und zu riechen hat. Zumindest solange bis man auf den flüssigen Kern stößt, denn der unterscheidet sich gewaltig zu normaler Marillenmarmelade.

Bei meinem zweiten Besuch ein paar Tage später frage ich nach, was in dieser Marmelade mich denn bitte so süchtig nach dem Geschmack macht? "Vanille, Rum und Salz" ruft der Meister Christoph hinter der Theke hervor. Alles klar, das ist dann wohl mein persönliches Kryptonit.

Ob es acht weitere Krapfen später auch noch mein Favorit bleiben wird? Immerhin ist dieser mit 3,40€ auch der deutlich teuerste aller getesteten Krapfen, eine ausgeprägtere Sucht würde sich also definitiv zu Buche schlagen.

  • Gewicht: 76 Gramm
  • Preis: 3,40€
  • Besonderheit: Marillen-Vanille-Rum-Salz-Marmelade

Cafe-Konditorei Valier

Valier war immer schon ein Geheimtipp für süße Sünden in der Maximilianstraße. Der Krapfen hier riecht hausgemacht und wie frisch aus dem Fett gezogen. Er ist deutlich dunkler als seine Konkurrenten und innen mit recht heller Marmelade gefüllt. Wer selbst Marmelade einkocht, kennt das Phänomen vielleicht: beim Mixen der fertigen Marmelade mit dem Stabmixer kommt nochmal Luft in die Masse und so entsteht ein bisschen eine luftigere Konsistenz. Ob das hier der Fall ist? Kann ich nicht garantieren. Aber das Endprodukt schmeckt.

  • Gewicht: 63 Gramm
  • Preis: 2,70€
  • Besonderheiten: sehr helle Marillenmarmelade

Bäckerei Moschen

Mein wissenschaftlicher Streifzug führt weiter über den Boznerplatz, wo ich in der kleinen Filiale des Bäckers Moschen den nächsten Krapfen abhole. Hier gibt es übrigens auch kleine Jour Krapfen - zwecks Vergleichbarkeit, bleibe ich aber natürlich dem Original treu.

  • Gewicht: 63 Gramm
  • Preis: 2,80€
  • Besonderheiten: auch im Mini Format erhältlich

Die Brotbuben

Eine Vergleichsprobe meiner bisherigen Favoriten darf natürlich nicht fehlen. Die "Butterkrapfen" werden mit Marille und Rum gefüllt - wobei hier der stärkste Rumgeschmack aller verkosteten Krapfen deutlich dominiert. Optisch wirkt dieser Krapfen auf den ersten Blick größer als die Konditorei-Krapfen. Und tatsächlich: vom Gewicht her sind es ein paar Gramm mehr.

  • Gewicht: 70 Gramm
  • Preis: 2,10€
  • Besonderheiten: köstliche Rum-Note

Konditorei Peintner

Wer meinen Artikel über die Peintner Lebkuchen kennt, weiß, dass sich hinter dem Namen Peintner eine große Konditor-Leidenschaft versteckt. Den Krapfen bekomme ich in einem eigens bedruckten Krapfen-Sackerl mit Geschichte und Herkunftstheorien. Kurze Zusammenfassung: es gibt viele Möglichkeiten, wie das Gebäck entstanden ist, und alle klingen plausibel. Fest steht, egal woher das gefüllte Germgebäck genau kommt - Faschingskrapfen-Fans scheint es überall auf der Welt zu geben.

  • Gewicht: 63 Gramm
  • Preis: 2,50€
  • Besonderheiten: eigenes Krapfen-Sackerl mit netter Herkunftsgeschichte

Wolfi's Torteneck

Die nächste Empfehlung habe ich mir bei einer kleinen Onlinerecherche geholt. Bei Wolfi's Torteneck sitzen die meisten Gäste eher im Gastraum, ich nehme den Krapfen nur zum Mitnehmen. Auf meine Frage hin kommt der Chef noch mal raus und klärt mich auf: die Krapfen machen sie nicht selbst, sondern bekommen sie täglich frisch geliefert aus der Bäckerei Waldhart aus Telfs, die bereits mehrmals für die besten Faschingskrapfen Tirols prämiert worden sind.

Man mag von den Falstaff-Votings halten was man will (ich persönlich sehe sie eher als teils sinnvolle Indizien für Verkostungen), aber Fakt ist: hier befinden sich diese Krapfen tirolweit 2026 auf Platz 2!

Der Krapfen ist vielleicht nicht der schönste, aber definitiv der größte und schwerste in meiner bisherigen Sammlung.

  • Gewicht: 97 Gramm (!)
  • Preis: 2,50€
  • Besonderheiten: Deutlich größer als seine Artgenossen!

Konditorei Pfisterer

Echte Geheimtipps sind bekanntlich immer ein wenig ab vom Schuss. Auch steige ich in die Straßenbahn ein und fahre bis zum Haydnplatz am östlichen Ende von Saggen, hier betreibt die Bäckerei Pfisterer aus Hall eine Filiale.
"Handgemachte Faschingskrapfen, die besten weit und breit" verkündet die Tafel in der Auslage. Die Dame im Verkauf erzählt mir, dass der erste Krapfen-Ansturm bereits vorbei ist - nun rechnet sie bis zum Faschingsdienstag mit einer ruhigeren Zeit. Dann steigen die Verkaufszahlen natürlich nochmal ordentlich an.

  • Gewicht: 62 Gramm (der leichteste bisher im Ranking)
  • Preis: 2,50€
  • Besonderheiten: Absolut nicht das gleiche, aber trotzdem einen Blick wert: die Kirchtags-Krapfen nebenan in der Vitrine

Cafe-Konditorei Grossgasteiger

Die Gebäcke der Bäckerei vom Höttinger Kirchplatz gibt es praktischerweise auch bei Achleitners Hausmannskost in der Markthalle zu erstehen. Täglich frisch geliefert und zum gleichen Preis wie einige Höhenmeter Fußweg weiter oben. Der wäre zwar zwecks Krapfen-Workout-Bilanz nicht schlecht, aber ganz ehrlich: nach acht verkosteten Krapfen ist das auch schon egal. Optisch ist dieser Krapfen übrigens kaum größer, allerdings zeigt die Waage doch ein paar Gramm mehr an.

  • Gewicht: 79 Gramm
  • Preis: 2,10€
  • Besonderheiten: Höttinger Krapfen Verkauf in der Markthalle

Ur-Getreide Bäckerei Brotschmiede

Ebenfalls in der Markthalle bekommt man (mit etwas Glück) Faschingskrapfen von der Brotschmiede. Bei meinem ersten Versuch kurz vor Ladenschluss ist die Krapfenreihe nämlich bereits ausverkauft. Beim zweiten Besuch am früheren Vormittag kann ich aber einen ergattern! Die Krapfen hier sind wohl die gesündesten aller nicht ganz so gesunden Krapfen, denn hier wird mit Ur-Dinkel und Sauerteig statt Hefe gebacken. Die Marmelade machen sie selbst (übrigens genauso hell wie beim Valier), frittiert werden sie in Schmalz.
Vom Geruch her merkt man das allerdings nicht, der Krapfen riecht mehr wie Buchteln. Beim ersten Bissen fällt mir ein leichtes Knirschen zwischen den Zähnen auf - und siehe da: die Unterseite des Krapfens ist mit Kristallzucker bedeckt. Mag Zufall sein - oder auch nicht - es erinnert mich jedenfalls an Süßigkeiten aus der Kindheit, himmlisch!

  • Gewicht: 71 Gramm
  • Preis: 2,80€
  • Besonderheiten: Ur Dinkel, Sauerteig und reiner Schmalz

Mein Faschingskrapfen-Fazit

Nach neun verkosteten Krapfen und einigen Höhenmetern quer durch Innsbruck steht fest: Faschingskrapfen ist definitiv nicht gleich Faschingskrapfen. Meine Top 3 haben sich klar herauskristallisiert:

  • Platz 1: Café Munding - Die Marmelade hier ist einfach unschlagbar. Sie hat genau die richtige Konsistenz und den perfekten Geschmack, der einen Krapfen zu einem wahren Genusserlebnis macht.
  • Platz 2: [/otrans]Brotbuben - Mein verlässlicher Favorit für den spontanen Krapfengenuss das ganze Jahr über. Wenn der Heißhunger kommt, ist hier immer Verlass - und die Qualität stimmt.
  • Platz 3: Brotschmiede - Der Teig ist einfach himmlisch! Die Kombination aus Ur-Dinkel und Sauerteig macht geschmacklich den Unterschied, und der Kristallzucker an der Unterseite weckt süße Kindheitserinnerungen.

Egal für welchen Krapfen ihr euch entscheidet: In Innsbruck gibt es jedenfalls genug köstliche Optionen, um die Faschingszeit gebührend zu feiern!

Weitere Tipps

Hätte ich noch freie Kapazitäten für weitere Krapfen Verkostungen, würde ich meine letzten Euro hier ausgeben:

  • Bäckerei Kröll
  • Cafe Katzung
  • Bäckerei Lener
  • Pardeller in der Markthalle

Weitere Hinweise für richtig gute Faschingskrapfen (ja, hier zählen nur jene mit Marillenfülle!) in Innsbruck könnt ihr gerne in die Kommentare packen!

Unsinniger Donnerstag

Falls sich jemand über den "unsinnigen Donnerstag" zu Beginn wundert, hier eine kurze Erklärung: Der unsinnige Donnerstag ist der Donnerstag vor dem Faschingdienstag. Er ist in manchen Tiroler Gemeinden der höchste Faschingsfeiertag überhaupt und geht oft mit Umzügen, Schabernack und Ausnahmezustand einher.

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