Alles Walzer oder wie war das? Meine ersten Tanzschritte sind ziemlich genau 20 Jahre her. Dass ich nun doch wieder Fuß in die Tanzschule Polai setze, hat aber andere Gründe: Mit den 32. World Masters glüht am 23. März in den Congress-Sälen nämlich wieder das Tanzparkett. Was wir dort erwarten dürfen und welche Highlights keinesfalls zu verpassen sind, verriet mir die Organisatorin, Tanzlehrerin, Wertungsrichterin und ehemalige Profi-Tänzerin Julia Polai in vertrautem Ambiente.

Im Namen des Vaters

Magst du einen Kaffee? Obwohl wir uns fast 20 Jahre nicht gesehen haben, treffen wir uns wie alte Freunde. Julia Polai hat die Tanzschule inzwischen von ihren Eltern übernommen, trotzdem sieht sie irgendwie noch ganz genauso aus wie damals. Zwar ist die Schule mittlerweile in die alte Ursulinenkirche übersiedelt, auf der ausladenden Tanzfläche gibt aber gerade die gleiche Uschi eine Privatstunde, die mich damals meine ersten Schritte lehrte. Abends unterrichtet auch immer noch der gleiche, immer so exzellent gekleidete Peter die eleganten Standard-Tänze, während Julia die leidenschaftlichen lateinamerikanischen lehrt – eh alles beim Alten also. Zu meiner Zeit tanzte sie selbst noch im Profisport, mit dem Anton aus Nischni Nowgorod (nicht aus Tirol). Mittlerweile sei sie beim Turniertanz aber längst pensioniert, lacht die heute gerade mal 44-Jährige. Die Tanzschule der beiden Eltern Polai feierte im Jänner übrigens ihr 45-jähriges Bestehen – und ist daher ja so was wie die ältere Schwester.

Spaghetti Polainese

Dass das ganz klassische Tanzen längst nicht aus der Mode ist, beweist auch der Polaiball, wo erst kürzlich 176 Debütantenpaare ihre erste Eröffnungspolonaise tanzten. Wie es nach den ersten Tanzschritten und mit etwas Übung weitergehen kann, zeigen hingegen die eindrucksvollen Bewerbe der World Masters. Die international äußerst beliebten Innsbrucker Tanzmeisterschaften finden heuer bereits zum 32. Mal statt und sind am Weltparkett der Tanzelite damit längst ein funkelnder Fixpunkt. Und zwar nicht nur, weil internationale Stars wie das moldawische Weltmeisterpaar (Dorin Frecautanu & Marina Sergeeva) oder die zwei Publikumslieblinge aus Slowenien (Klemen Prasnikar & Alexandrea Averkieva) sich wieder die Ehre geben. Sondern auch, weil im Breitensport der Nachwuchs seine ersten Turnier-Erfahrungen sammelt, mit dem Walzer-Wanderpokal der Alpen sogar das Publikum um eine Trophäe tanzen darf oder beim „ProAm“-Bewerb am Freitag Profitänzer mit Anfängern um die Wette tanzen – wie Dancing Stars, nur halt mit echtem Tanzturnier.

World Masters für alle

Selbst wer für einen Besuch im Congress vielleicht keine Zeit findet, kann trotzdem von überall zuschauen, denn das Spektakel wird auf Dance Today erstmals komplett live übertragen. Online gibt’s zudem ein eigenes Publikumsvoting mit edler Gürtel-Trophäe für das Siegerpaar – wie man das sonst vielleicht vom Boxen oder Wrestling kennt.

Ob online oder in echt, keinesfalls verpassen sollte man die Solo-Shows der sechs Finalisten-Paare, die am Samstagabend dann jeweils auch einmal ganz ohne Wertung abtanzen dürfen – wo der Wettbewerb kurz mal Pause macht, man sich entspannt nur auf eine Performance konzentrieren kann und man einfach die Magie zwischen zwei Menschen auf die Bühne bittet. Und ja, auch die haben irgendwann mal mit einem einfachen Tanzkurs angefangen, versichert mir die Tanzlehrerin. So wie Max und Nika, ein junges Tanzpaar, das bei den World Masters heuer erstmals im Profisegment an den Start gehen wird. Erstmals wird das Event auch gleich zwei Congress-Säle bespielen, weil’s halt einfach so unfassbar viel zu sehen gibt, zwinkert die Julia verheißungsvoll.

Luftlinie zur Perfektion höchstens 500 Meter

Am Gala-Abend der 32. World Masters wird um adäquate Abendkleidung gebeten, lässt mich die Organisatorin wissen. Was genau man darunter versteht, muss ich gar nicht weiter nachfragen. Schließlich habe ich vor fast 20 Jahren neben diversen Tanzkursen auch das „Gesellschaftszertifikat“ der Tanzschule Polai  absolviert, sogar mit Auszeichnung. Dort lernt man nicht nur den richtigen Umgang mit Ehrengästen, korrektes Besteck-Handling oder die jeweils passenden Netiquette, sondern eben auch allerhand über kleidsame Abendklamotten. Oder einfach das korrekte Bitten zum Tanz – gute Manieren kommen da zum Glück nie aus der Mode. Erst kürzlich war Julia zum Thema „Gutes Benehmen“ auch bei Ö1 zu Gast – nachzuhören hier. Und auch weil der Congress von der Tanzschule Polai ganz bequem fußläufig erreichbar liegt, ist der Weg vom Tanzkurs zum Profi da gar nicht mal sonderlich weit: Luftlinie höchstens 500 Meter.

Weitere Infos

Tickets für die 32. World Masters gibt’s via Ö-Ticket oder einfach spontan an der Congress-Abendkasse (TT-Club ermäßigt). Die aktuellen Tanz- und Benimmkurse der Tanzschule Polai sind hier zu finden.

Fotos: Das Titelbild hat Alexander Gerner von Blitznicht.de geschossen. Die Portraits von Julia Polai sowie die Tanzschul-Bilder stammen vom Autor. Für die Eventbilder stand hingegen Dora Eiler am Auslöser.

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