Wenn sich Innsbruck im Oktober in herbstliche Farben taucht und der türkisblaue Inn im Sonnenlicht glitzert, bildet die Stadt die perfekte Kulisse für das Innsbruck Nature Film Festival. Bereits zum 24. Mal fand es heuer statt – ein Zeichen der Beständigkeit in Zeiten des Wandels und Umbruchs. Zwischen dem 8. und 12. Oktober verwandelte sich das Metropol-Kino in ein Zentrum für Natur, Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit. Aus über 450 Einreichungen wurden 68 internationale Filme sorgfältig ausgewählt – ein beeindruckendes Programm, das die Vielfalt und Verletzlichkeit unserer Welt eindrucksvoll auf die Leinwand brachte.
Die perfekte Kulisse für das INFF 2025: Innsbruck im Herbst © Elisabeth de Koekkoek
© Elisabeth de Koekkoek
Mehr als Kino: INFF in der ganzen Stadt
Ich durfte bereits zweimal über das INFF berichten – und jedes Mal bin ich aufs Neue begeistert: von den sorgfältig kuratierten Filmen, der perfekten Organisation und den vielen liebevoll gestalteten Side-Events. Das Festival spielte sich längst nicht nur im Kinosaal ab, sondern in der ganzen Stadt. So boten beispielsweise ausgewählte Restaurants spezielle Gerichte an, die zu 100 Prozent aus saisonalen und regionalen Zutaten zubereitet werden. Auch die Kooperation zwischen der Universität Innsbruck und dem INFF spielte heuer wieder eine wichtige Rolle: Mitarbeitende der Universität brachten ihre fachliche Expertise in die Jurys ein und bereicherten das Festivalprogramm mit wissenschaftlichen Inputs in den beliebten Science Glimpses. Ein besonderes Highlight waren außerdem die sogenannten Experiences – Workshops und Exkursionen für alle Altersgruppen, die Natur, Forschung und Erlebnis auf inspirierende Weise verbinden.
Bewusstsein schaffen
Die Filme des INFF eröffnen neue Perspektiven, regen zum Nachdenken an und laden dazu ein, das eigene Verhalten zu hinterfragen. So ging es mir etwa beim Film Requiem in Weiß, der das dramatische Gletschersterben thematisiert. Filmemacher Harry Putz lässt darin Wissenschaftler:innen, Alpinist:innen und Touristiker:innen zu Wort kommen – sachlich, unaufgeregt und ohne moralischen Zeigefinger. Gerade diese Zurückhaltung macht den Film so eindringlich: Man kann sich sein eigenes Bild machen – und glaubt mir, es ist ein erschreckendes. Wenn die Welt weitermacht wie bisher, steht es schlecht um unsere Gletscher. Doch nicht nur die Filme, auch die Side-Events übernehmen eine wichtige Rolle: Sie vertiefen das öffentliche Engagement für die Natur, schaffen Bewusstsein für nachhaltiges Handeln und fördern ein generationsübergreifendes Lernen.
INFF zum Mitmachen: Side-Events und Workshops für Groß und Klein
Ich bin mir sicher, dass jede einzelne der Experiences ein Highlight war – ob der SAAC-Kletterworkshop, das Birdwatching oder die Tour „Hoch über Innsbruck“, die von der Hafelekar-Bergstation zur legendären Geierwally-Hütte führte, um nur einige zu nennen.
Ich hätte am liebsten an allen teilgenommen! Da das leider nicht möglich war, möchte ich in diesem Beitrag auf drei Side-Events eingehen, die in Zusammenarbeit mit der FH Kufstein Tirol entstanden sind – und ganz besonders auf Beat the Trash, einen interaktiven Workshop, den ich gemeinsam mit meinen Kindern besuchen durfte.
Innovation trifft Nachhaltigkeit – die Side-Events der FH Kufstein
Im Rahmen eines zweisemestrigen Praxisprojekts entwickelten sechs Studierende des Masterstudiengangs Sport-, Kultur- und Veranstaltungsmanagement der FH Kufstein Tirol in Zusammenarbeit mit Innsbruck Tourismus und dem Innsbruck Nature Film Festival drei innovative Side-Events. Die Aufgabe war anspruchsvoll: Für jede Altersgruppe sollte etwas dabei sein, Elemente aus Kunst, Literatur und Musik sollten einfließen – und natürlich musste auch ein durchdachtes Kommunikationskonzept berücksichtigt werden. Bevor die finalen Formate feststanden, wurden zahlreiche Ideen erarbeitet, diskutiert und verfeinert. Nach einer sorgfältigen Auswahl entschieden sich Innsbruck Tourismus und das INFF schließlich für drei Veranstaltungen:
Klang der Natur
Klang der Natur - eine Matinee, bei der Musik und Poesie auf wunderschöne Weise miteinander verschmelzen. Studierende des Tiroler Landeskonservatoriums spielten im Kulturbogen 55 stimmungsvolle Klavierstücke unter anderem von Frédéric Chopin, begleitet vom Tiroler Schauspieler Thomas Lackner, der Gedichte mit Naturbezug rezitierte.
Die Studierenden der FH Kufstein haben wirklich großartige Veranstaltungen auf die Beine gestellt © FH Kufstein / Klang der Natur“
Klangvoller Vormittag: Die Matinee im Kulturbogen © FH Kufstein / Klang der Natur
Stimmen des Verschwindens
Schlechte Nachrichten: Der Gesang unserer heimischen Wildvögel wird immer leiser. Um uns das bewusst zu machen, konnte man zwischen dem 4. und 12. Oktober im Sparkassendurchgang zwischen Maria-Theresien-Straße und Sparkassenplatz sowie im Eingangsbereich des Metropol Kinos Vogelgezwitscher hören – ein akustischer Denkanstoß mitten in der Stadt.
INFF in der ganzen Stadt! Am Sparkassendurchgang zwischen Sparkassenplatz und Maria-Theresien-Straße konnten Fußgänger dem Gesang der Feldlerche lauschen. © Elisabeth de Koekkoek
Beat the Trash
Und last but not least: Beat the Trash! Bei diesem interaktiven Workshop konnten Kinder aus alten Milchpackungen, Kronkorken oder Pringles-Dosen ihre eigenen Instrumente basteln. Im Anschluss wurden die kreativen Werke in einem kleinen Konzert stolz präsentiert. Eigentlich waren Eltern erst zur Aufführung eingeladen – ich hatte aber das Glück, schon beim Basteln dabei sein zu dürfen und kann euch daher ein bisschen davon erzählen.
Beim Beat the Trash-Workshop wurde alles recycelt: Aus alten Gläsern entstanden coole Trinkbecher – perfekt! © Elisabeth de Koekkoek“
Aus Müll wird Musik: Kreatives Upcycling beim Beat the Trash Workshop. © Elisabeth de Koekkoek
Teach them young
Kurz gesagt: Der Workshop war top! Schon die Location – die Werkstattcouch –, die gute Organisation und die sympathische Workshopleiterin Selina Zwick haben überzeugt. Und natürlich die Kinder, die mit so viel Begeisterung dabei waren. Zum Einstieg gab’s ein kleines Ratespiel: Wie lange dauert es, bis ein Apfelbutzen (=Kerngehäuse eines aufgegessenen Apfels) verrottet? Ein Karton? Plastik? Oder Glas? Es wurde schnell klar, dass manche Dinge ewig brauchen, um zu verschwinden. Manches verrottet in wenigen Wochen, manches in ein paar Monaten – aber Plastik? Das bleibt hunderte Jahre bestehen. Und Glas? Fast für die Ewigkeit. Solche Momente sind wichtig – sie machen begreifbar, warum Umweltbewusstsein zählt. Ich möchte nicht pathetisch klingen, aber es stimmt einfach: Kinder sind unsere Zukunft. Welche Werte und Erfahrungen wir ihnen heute mitgeben, prägt, was ihnen morgen wichtig ist. Und Workshops wie dieser zeigen, dass Lernen auch Spaß machen kann.
Mega: Die Kinder waren voller Eifer bei der Sache © Elisabeth de Koekkoek
Es wurde gehämmert, genagelt, geklebt – und am Ende musiziert! © Elisabeth de Koekkoek
Musikalisches Upcycling
Nach der Einführung wurde fleißig gebastelt: Aus Milchkartons entstanden Gitarren, aus Pringles-Dosen Regenrohre und aus Kronkorken kleine Schellen. Müll muss also nicht immer verrotten – manchmal kann man ihm neues Leben einhauchen und etwas richtig Cooles daraus machen. Den Kindern hat es super viel Spaß gemacht. Das lag, wie gesagt, an der professionellen Organisation der Studierenden und natürlich an Selina. Selbst mein großer Sohn, der anfangs skeptisch war, war am Ende mit voller Begeisterung dabei.
Ein großes Danke und bis nächstes Jahr
Zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen: Wie immer war das INFF auch heuer wieder ein riesiger Erfolg! Ein großes Dankeschön an das Team rund um Festival Director Johannes Kostenzer, Executive Director Elisabeth Stark, Film Curator Katja Trippel, die wundervolle Moderatorin Chiara Spagnoli Gabardi, die Studierenden der FH Kufstein und jeden einzelnen, der mitgeholfen hat, ein so tolles Filmfestival auf die Beine zu stellen. Ich freue mich schon wahnsinnig auf nächstes Jahr, wenn das INFF ein Vierteljahrhundert alt wird.
Gewinner:innen des Innsbruck Nature Film Festival 2025
- Best Green Fiction Feature – Through Rocks and Clouds – Franco García Becerra
- Best Biodiversity Film – Secrets of the Penguins – Serena Davis
- Wild Women Award – Oceania: Journey to the Center – Natalie Zimmermann
- Best Soil Film – Soil: The World at Our Feet – Radford Nicholls
- Best Glacier Film – Greenland: Feeling the Heat – Lars Pfeiffer
- Best Film on the Topic of Quality of Life in the Alps – Requiem in Weiß – Harry Putz
- Best Environmental Documentary – Searching for Amani – Nicole Gormley & Debra Aroko
- Best Short Green Fiction – Taxidermist – Behzad Alavi & Sousan Salamat
- Best Nature Documentary – Birdsong – Kathleen Harris
- Special Nature Jury Award – Flamingos: Life After the Meteorite – Lorenzo Hagerman
- Christian Berger Cinematography Award – Iron Winter – Kasimir Burgess & Benjamin Bryan
- Best Short Documentary Film – Tiger Eyes – Martina Trepczyk
- Best Animation Short – Blake Tide – Kim Yip Tong
- Green Film Network Award: Best Green Short – Soleil Gris – Camille Monnier
- Green Film Network Award: Best Feature Green Film – Una Canción para mi Tierra – Mauricio Albornoz Iniesta
- Best Shortfilm for Kids – Seeotter – Tierische Klimaschützer – Hendrik & Claudia Schmitt
Innsbruck nature film festival auf einen Blick
Veranstalterin
Verein Nature Festival
Höttinger Gasse 23i
A-6020 Innsbruck
[email protected]
Executive Director
Elisabeth Stark
Tel: +43 660 2740898
[email protected]
Titelbild: Elisabeth de Koekkoek
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Mama, Serienjunkie und Naturmensch mit einer großen Vorliebe für gutes Essen und die Berge!
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