Berühmt dank Schlacht am Bergisel mit Andreas Hofer, Kultplatz aber schon seit tausenden Jahren. Die Geschichte des Hügels in Innsbruck ist einen näheren Blick wert.

Der 746 Meter hohe Bergisel im Süden Innsbrucks hat eine höchst erstaunliche, jahrtausendealte Vergangenheit. Die ältesten Spuren stammen aus dem Spätneolithikum vor rund 6.000 Jahren. Fundstücke aus der Bronze-, Hallstatt- und Eisenzeit belegen die in der Vorgeschichte andauernde Beliebtheit des heute bewaldeten Hügels als Siedlungs- und Kultplatz.

Berühmt wurde der Bergisel allerdings erst durch die vier Schlachten der Tiroler gegen die napoleonischen Truppen des Jahres 1809. Die Gemetzel waren es, die den Ort, vor allem aber den Anführer der Tiroler Schützen Andreas Hofer in die ‚ewige’ Ruhmeshalle des Landes katapultierten. Neuzeitlich abgelöst und übertroffen von ‚fliegenden Helden‘, den Skispringern, die sich von der Schanze am Bergisel wahrhaft todesmutig auf zwei Brettern über die steile Schanze zu Tal stürzen, den Wiltener Friedhof immer fest im Blick. Den sieht man nämlich kurioserweise am Schanzentisch und während des Sprunges unweigerlich. 

Erste prähistorische Funde im 19. Jahrhundert

Erste Funde vom Bergisel aus der Bronze- und Eisenzeit wurde bereits im 19. Jahrhundert gemacht. Im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum finden sich noch einige Reste eines „Schatzfundes“, der angeblich „in Wagenladungen fortgeführt und zentnerweise an Glockengießer verkauft wurde“. Es wird angenommen, dass der Fund bei der Errichtung eines Vorgängerbaus des heutigen Kaiserjägermuseums, es handelte sich um ein Offizierscasino, gemacht worden war.

Der Bau der ersten Betonsprungschanze am Berg Isel in den frühen 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts dürfte einen eisenzeitlichen Brandopferplatz zerstört haben. Die Kuppe, auf dem der Sprungturm stehen sollte, wurde kurz und bündig ‚weggschoben‘. Und das, obwohl Keramikreste zu Tage kamen. Damals war allerdings die Sensibilität gegenüber prähistorischen Funden nicht so ausgeprägt wie heute. Wo die Keramikfunde anschließend verblieben sind ist unbekannt.

Archäologisches Licht leuchtet die Vergangenheit aus

Als 2001 die neue Sprungschanze und damit ein zusätzliches Innsbrucker Wahrzeichen gebaut werden sollte war eine Notgrabung dann aber unausweichlich. Auf der Kuppe des Bergisel wurden Reste eines Brandopferplatzes gefunden, während am flachen Areal vor dem Isel-Museum eine eisenzeitliche Terrassensiedlung mit Gebäuderesten sowie Kleinfunde aus Keramik und Bronze und sogar zwei keltische Goldmünzen geborgen werden konnten.

Opferfeuer loderten am Berg Isel

Es ist gesicherte Erkenntnis, dass auf der Kuppe des Bergisel einst Brandopferfeuer entzündet worden sind, deren große Hitze sogar Steine zum ‚Schmelzen‘ brachte. Ganz ähnlich übrigens wie am Goldbichl oberhalb von Igls, der vermutlich einer der größten Brandopferplätze des Alpenraumes war.  Den Bericht des Grabungsleiters am Bergisel, Univ. Prof. Gerhard Tomedi, kann man hier nachlesen: https://www.uibk.ac.at/de/archaeologien/institut/team/emeritiim-ruhestand/tomedi-gerhard/bergisel/

Erstmals belegt: Schon in der Steinzeit standen Häuser im Stadtgebiet von Innsbruck

Die nächste Grabung fand im Vorfeld des Baus des ‚Tirol-Panorama‘ im Jahr 2007 unter der Leitung von Johannes Pöll vom Bundesdenkmalamtes statt. Das Grabungsareal konzentrierte sich auf den nördlichen Bereich des geplanten ‚Tirol-Panorama‘. Die Ergebnisse der Grabung waren nichts weniger als sensationell. Sie lieferten den Nachweis der Nutzung dieses Hügels ab dem Neolithikum, konkret der Jungsteinzeit (4400-2200 v. Chr.) über die Bronzezeit bis zur Latène- und Eisenzeit. Erst die Römer siedelten sich in der Ebene bei Wilten an und verzichteten auf den ‚Hochsitz‘ am Isel.

Ein schön bearbeitetes Steinmesser, das die Fund-Datierung erleichterte, war der eigentliche Höhepunkt im Fundspektrum. Dass Menschen den Bergisel schon im Neolithikum, also vor etwa rund 5.500 Jahren schätzten, beweisen auch acht Steinartefakte aus der Jungsteinzeit und zugeschliffene Tierknochen. Sie wurden nahe von sechs sogenannten ‚Pfostenlöchern‘ entdeckt, die bei Ausgrabungen auf einen Hausbau schließen lassen. Das war das unbestrittene ‚Highlight‘ der Ausgrabung. Denn Funde aus dem Neolithikum waren in Innsbruck bisher doch mehr als bescheiden. ‚Streufunde‘ sind zwar bekannt, sie konnten aber bisher keiner Ansiedlung zugeschrieben werden.

„Die Funde sind für Innsbruck von Bedeutung, weil sie den Nachweis erbringen, dass Innsbrucks Bergisel schon vor tausenden von Jahren den Menschen der Steinzeit geschätzt worden war“, schreibt Burkhard Weishäupl in einer Grabungsdokumentation des Bundesdenkmalamtes. Auch die Tatsache, dass Funde aus der Jungsteinzeit in Nordtirol außerordentlich dürftig sind, machen die Erkenntnisse und die Silexartefekte vom Bergisel noch wertvoller.

In der Steinzeit bauten sie aus Holz

Für die Forscher sind jedoch die sechs unscheinbaren Pfostenlöcher hoch interessant. Sie belegen, dass hier im Neolithikum (5 500 bis 2 200 v. Chr.) tatsächlich einfache Holzbauwerke gestanden haben – bislang existierten kaum Beweise für eine solche Besiedlung in Nordtirol. Johannes Pöll vermutet sogar eine komplette spätneolithische Siedlungsstelle im noch nicht ergrabenen Areal.

Silex-Importe aus dem Südalpenbereich

Interessant auch, woher die ‚Innsbrucker Steinzeitmenschen‘ ihr Rohmaterial für die Silex- oder Feuerstein-Werkzeuge bezogen. Die meisten stammen aus dem 150 bis 200 Kilometer entfernten Gebiet des Monte Baldo oder Monte Lessini. Was wiederum belegt, dass Menschen nach der Eiszeit große Gebiete und auch hohe Berge überwanden. Damit ist auch belegt, dass der Fernhandel zu florieren begann.

Know-How-Transfer in der Steinzeit

Einigermaßen überraschend ist auch, dass mit dem Handel offenbar auch ein intensiver kultureller Austausch zwischen Menschen über größere Distanzen hinweg stattgefunden hatte. Die Archäologen schließen das aus der Form und Art der Bearbeitung von gefundenen Silex- und Tierknochen. Am Beispiel einer einer Spitzklinge aus Silex: Eine auf der Rheininsel Werd bei Stein am Rhein in der Schweiz gefundene Spitzklinge zeigt große Übereinstimmung mit der Klinge vom Bergisel. Nicht nur dort wurden solche Klingen nach der Art ‚Berg Isel‘ aus Silex erzeugt. Die vielleicht besten Parallelen zeigt sich am Fund einer Klinge am Zuger See in der Schweiz, die ins Spätneolithikum datiert wurde. Fakten, die auf einen regen prähistorischen ‚Know-How-Transfer‘ schließen lassen.

5 Kilo Bleikugeln als archäologischer ‚Beifund‘

Dass der Berg dann schlussendlich zum Tiroler Heldenberg mutierte ist den insgesamt vier Schlachten zuzuschreiben, bei denen Tiroler Schützen dreimal gegen bayerische und französische Truppen obsiegten, das vierte Mal jedoch verloren. Wie heftig es damals zugegangen sein muss verdeutlicht ein ‚Beifund‘ der Grabung von 2007. Damals wurden insgesamt fünf Kilogramm Bleikugeln zu Tage gefördert. Ein Beleg dafür, wie massiv die Schießereien gewesen sind.

Der moderne Bergisel: ein Tummelplatz der Skihelden

Anstelle der kriegerischen Auseinandersetzungen traten ab 1927 sportliche Wettkämpfe. Die erste Sprungveranstaltung am Bergisel fand am 23. Jänner 1927 im Rahmen der Tiroler Skimeisterschaft statt. Sie wurde noch auf einer Naturschanze ohne Sprungturm ausgetragen.

Das Springen auf der Schanze am Bergisel im Rahmen der Deutsch-Österreichischen Vierschanzentournee gehört heute zu den weltweit beliebtesten Sprungveranstaltungen. Deren Sieger sind die neuen Helden, die sich Jahr für Jahr am Bergisel tummeln.

Ab Jänner 2027 gibt es das Bergiselspringen im Rahmen der Vierschanzentournee auch mit Damenwertung. Die ehemalige Kult- und heutige Sportpilgerstätte wird nun auch Schauplatz für Höchstleistungen von weiblichen Sporthelden.

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