Eine bis dato einmalige Gelegenheit in die Raumkonzepte der letzten 150 Jahre einzutauchen bietet sich noch bis Ende Oktober im "aut", dem Architekturzentrum Innsbruck. "Rebuild: Figures of Space", so der Titel, der  sehr sehenswerten Ausstellung. 

Hier sieht man nicht nur detailgetreue Modelle grandioser Bauten, sondern erfährt auch andere kuriose Dinge. Was ist zum Beispiel ein Trabucco? Von wem stammt das berühmte Haus, durch das Bäume wachsen? Einige Modelle kommen uns bekannt vor, woher kennen wir die, aus einem Film? Antworten darauf und viele weitere coole Ein- und Querblicke erwarten euch derzeit im "aut". Der Ausstellungsort ist übrigens selbst ein architektonisches Highlight in Innsbruck. Das Gebäude der ehemaligen Brauerei Adambräu stammt aus den 1920er Jahren. Ursprünglich geplant von Lois Welzenbacher wurde es Anfang der 2000er Jahre revitalisiert. 

64 Einfamilienhäuser der letzten 150 jahre

Was gibt es zu sehen? 64 Modelle von Einfamilienhäusern aus verschiedenen Kontexten des 20. und 21. Jahrhunderts wurden von Architekturstudenten gebaut. Zusätzlich gewähren die nachgezeichneten dazugehörigen Pläne spannende Einblicke in die Entstehung der Bauwerke. Die Idee kommt vom Atelier Walter Angonese, der diese Ausstellung an der USI - Accademia di architettura in Mendrisio im Rahmen der Lehre ausarbeitete.

Berühmte Architekten und anonyme Erschaffer

Dabei geht es um die intensive, empirische Auseinandersetzung der Studierenden mit dem jeweiligen Entwurf. Das Ergebnis sind mittlerweile ca 150 analysierte Projekte. Davon wurden 64 Ausgewählte nach Innsbruck gebracht. In einer beeindruckenden Schau begegnen wir den im Maßstab 1: 20 oder 1:33. präzise gefertigten Modellen.

Die Entwürfe entstammen großteils namhaften Architekten, wie Le Corbusier, Adolf Loos, Alvaro Siza, Alvar Alto, Peter Zumtor, um nur einige zu nennen. Aber auch bemerkenswerte Objekte anonymer Erschaffer sind mit dabei.

Trabucco: Archtektur von der Adriaküste

Nicht nur die Optik der Ausstellung ist interessant. Man lernt auch kuriose Begriffe kennen. Die Auflösung meiner Frage in der Einleitung: Trabucco ist eine traditionelle hölzerne Fischfangkonstruktion an der Adriaküste, die vom Ufer ins Meer hinausragt.  Über ein Seilwindesystem wurde ein großes Netz ins Wasser gelassen und so ohne Boot gefischt.

Heute stehen viele dieser Anlagen unter Denkmalschutz oder wurden zu  besonderen Fischrestaurants umgebaut. Wer von Innsbruck einen Abstecher an die Adria macht, wird sie vielleicht entdecken. 

neue verbindungen und bezüge entstehen durch die anordnung der projekte

Um bessere Einblicke in die Raumkonzepte zu erhalten und die Absicht hinter dem Entwurf  für die BetrachterInnen nachvollziehbarer zu machen, sind einige der Modelle, wie hier die Villa Savoye von Le Corbusier geteilt. 

Die Anordnung der großteils weißen Modelle ist bewusst weder chronologisch noch biographisch. Dadurch entstehen neue faszinierende Bezüge der unterschiedlichsten Entwürfe zueinander, die sich über Zeiten und Geographien hinwegsetzen.

spannende einblicke in die recherche

Im Projektraum liegen Hefte mit den zusammengefassten Recherchen der Studierenden auf und ermöglichen uns sehr interessante Einblicke in ihre Auseinandersetzung mit den einzelnen Werken. 

Sehr schön und gelungen, finde ich auch das komplexe Zusammenspiel der nachgezeichneten Pläne in Form von Grundrissen und Schnitten an den Wänden, die gerade durch ihre schlichte Darstellung sehr inspirierend und anregend wirken. 

Architektur und Umwelt

So ging es in dem von Anne-Lacaton und Jean-Philippe Vassal am Becken von Arcachon in Frankreich entworfenen Wohnhaus um die Schonung der Natur. Es wurden alle Bäume erhalten und das Haus schwebt mittels einer Stelzenkonstruktion, die acht bis zehn Meter tief in den Boden versenkt wurde, über der Erde. Die Bäume wurden in das Gebäude integriert und wachsen durch das Haus durch, welches somit direkt mit dem Wald verbunden ist.

Auf den Spuren von Brigitte Bardot

Die Villa Malaparte auf Capri wurde vor allem durch Jean-Luc-Godards Meisterwerk " Die Verachtung" ( Le Mepris, 1963) mit Brigitte Bardot und Michel Piccoli weltweit bekannt. Auch sie stand für die Ausstellung im Architekturzentrum Modell und bereichert die Auswahl der ausgestellten Residenzen.

Mein Fazit: Die Ausstellung ist sehr sehenswert und inspirierend. Ich empfehle jedenfalls sie zu besuchen und Zeit mitzubringen, um diese große Vielfalt genießen und auf sich wirken lassen zu können. Viel Spaß !

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