Wenn irgendwo rund um Innsbruck der Notruf eingeht, wenn sich jemand in steilem Gelände verletzt oder sich in den Bergen verirrt – dann ist sie gefragt: die Bergrettung. Für die Region Innsbruck rückt die Ortstelle Innsbruck aus, mit deren Leiter wir in dieser neuen Folge vom Innsbruck Podcasts sprechen dürfen: Bruno Berloffa. Gemeinsam mit ihm tauchen wir in diese faszinierende und gleichzeitig fordernde Welt und den Alltag bei der Bergrettung ein. Von Einsätzen mit Nervenkitzel bis hin zur Beziehung mit den Tiroler Bergen - Bruno nimmt uns und euch mit auf eine abenteuerliche und inspirierende Bergtour durch sein Leben. 

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Zwischen Leidenschaft und Berufung 

Bruno Berloffa macht rein optisch genau das her, was man sich unter einem "Mann der Berge" vorstellt: Braun gebrannt, athletisch und sportlich gekleidet. Schon beim Einstieg in unser Stubn-Gespräch wird klar: Die Bergrettung ist für Bruno keine bloße Freizeitbeschäftigung – sie ist Teil seiner Identität. Was als Interesse begann, ist längst zur Lebensaufgabe geworden. Ein Alltag ohne Pager, ohne Bereitschaftsdienste, ohne Übungstermine? Für ihn kaum vorstellbar. Trotz der Ernsthaftigkeit, die die Aufgabe als Ortsstellenleiter mit sich bringt, fällt Brunos lockere, entspannte Art auf und macht ihn gleichzeitig zu einem sehr angenehmen Gesprächspartner. Spätestens als er die erste "Berg-Geschichte" auspackt, steht für Christian und mich fest: Diesem Mann kann man stundenlang zuhören.

Man spürt bei Bruno deutlich: Seine tiefe Verbundenheit mit den Bergen verändert den Blick – nicht nur auf Natur, sondern auch auf Menschen. Denn mit jeder Rettung wächst nicht nur die Erfahrung, sondern auch das Verständnis für die Risiken, die das alpine Gelände mit sich bringt.

Das Zeug zum Bergretter oder zur Bergretterin

Beim Gespräch in der Stubn fragen wir genauer nach: Wie wird man eigentlich Bergretter oder Bergretterin? Die Antwort zeigt schnell – man braucht mehr als nur gute Kondition. Gefragt sind Teamgeist, mentale Stärke, technisches Know-how – und eine gewisse Leidenschaft fürs Ehrenamt. Die Ausbildung ist intensiv, dauert mehrere Jahre und umfasst alles vom medizinischen Basiswissen bis zur komplexen Seiltechnik. Und ja: Auch junge Menschen sind gefragt – wobei Erfahrung und Alter keine Hindernisse sein müssen, sondern im Gegenteil oft wertvolle Ressourcen darstellen.

Wenn der Notruf eingeht 

Wann wird eigentlich die Bergrettung alarmiert – und was passiert dann? Bruno nimmt uns mit auf einen typischen Einsatz: Von der ersten Alarmierung über die Koordination mit anderen Einsatzorganisationen wie der Alpinpolizei oder Feuerwehr bis hin zum Anrücken an die Unfallstelle. Besonders beeindruckend ist dabei das Zusammenspiel im Team – oft reicht ein Blick oder ein kurzes Zeichen, damit jeder weiß, was zu tun ist. Genau darauf kommt es an: Ein Team, das zusammenhält - mit einer gemeinsamen Leidenschaft.

Ob Wanderer mit verstauchtem Knöchel, Kletterunfall oder alpine Notlage bei Schlechtwetter – die Gründe für Einsätze sind vielfältig. Und genau deshalb ist die Standardausrüstung oft nicht genug: Bei komplizierteren Einsätzen werden auch Hunde, Drohnen oder sogar Helikopter zugezogen. Die Ortstelle Innsbruck ist im Tirol-Vergleich sicher eine der Ortstellen mit den meisten Alarmierungen im Jahr. Ein großes Einsatzgebiet, Stadtnähe und bergunerfahrene Urlauber sind Gründe dafür.

Zwischen Instagram-Hype und Wetterkapriolen

Wenn es in den letzten Jahren zu Einsätzen der Bergrettung gekommen ist, dann sind die Einsatzgründe zwar verschieden, aber viele von ihnen sind auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen: Nämlich das veränderte Verhalten in den Bergen. Bruno schildert, wie sich die Dynamik in den letzten Jahren verändert hat. Viele planen Touren anhand von Social Media, jagen dem perfekten Foto nach – und vergessen dabei, die eigene Kondition oder das Wetter im Auge zu behalten. Auch die zunehmend extremen Wetterlagen machen den Bergretter:innen zu schaffen: plötzliche Gewitter, Starkregen oder frühe Wintereinbrüche erfordern blitzschnelle Entscheidungen.

Umso wichtiger erscheint es uns genauer darüber zu sprechen, wie man Gewitter erkennt, warum sich viele am Berg überschätzen und welche typischen Fehler man vermeiden kann. Und natürlich: Was man tun sollte, bis Hilfe eintrifft.

Kameradschaft, Nachwuchs und Humor

Neben all der Ernsthaftigkeit ist die Bergrettung auch eines: ein eingeschworenes Team mit einer starken Gemeinschaft. Wir erfahren von regelmäßigen Übungen, spannenden Szenarien-Trainings und kleinen Ritualen, die den Teamgeist stärken. Denn auch bei der Bergrettung darf gelacht werden – selbst (oder gerade) nach anstrengenden Einsätzen.

Natürlich beschäftigt uns auch die Zukunft. Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? Gibt es genug junge Menschen, die sich für diese Aufgabe begeistern? Bruno erzählt von seinem persönlichen Eindruck – und macht Mut: Ja, es gibt sie, die motivierte nächste Generation. Aber wie in vielen Organisationen braucht es viel Engagement und Aufklärungsarbeit, um junge Leute langfristig zu binden.

Einsätze, die bleiben

Am Ende blicken wir mit Bruno zurück auf besondere Momente. Da sind die Einsätze, die Gänsehaut verursachen – weil sie emotional sind, weil sie gut ausgehen oder weil sie zeigen, was Menschen gemeinsam leisten können. Und da sind die kleinen Anekdoten, die im Gedächtnis bleiben: wenn etwa ein Einsatz ganz anders verläuft als geplant oder wenn Dankbarkeit und Menschlichkeit zu Motivatoren werden.

Alles in allem war unser kleiner "Ausflug" in die Berge rund um Innsbruck absolut lehrreich, faszinierend und emotional. Bruno, danke, dass du uns so hautnah an deinen Alltag als Bergretter und Ortstellenleiter mitgenommen hast! 

Bis zum nächsten Mal - mit einer neuen Ausgabe vom Innsbruck Podcast 🙂 

Eure Sandra mit Stubnhocker!

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