Es gibt so Dinge, die fallen erst auf, wenn sie fehlen. Ein fehlendes Schild zum Beispiel. Ein umgestürzter Baum. Ein Weg, der plötzlich im Nichts endet. Bis dahin? Denkt man kaum darüber nach, wie viel Arbeit eigentlich in jedem einzelnen Schritt steckt, den man draußen macht. In dieser Folge vom Innsbruck Podcast geht es ums Wandern, Biken und Spazieren: es geht um Wege. Und um die Arbeit, die dahinter steckt. Michael Kozubowski vom Tourismusverband Innsbruck ist mit seinem Team für rund 4.000 Kilometer Wege rund um Innsbruck und über 6.000 Schilder zuständig. Wir haben ihn in der Stubn zum Gespräch getroffen und durften ihn sogar draußen "in Action" bei der Wege-Arbeit begleiten. 

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 Von "A" Action-Trail bis "Z" wie Zirbenweg

Unser erstes Treffen mit Michael Kozubowski vom Tourismusverband Innsbruck findet drinnen statt, ganz klassisch in unserer Stubn. Ein Gespräch, das schnell zeigt: „Wegearbeit“ ist kein klar abgegrenzter Job – sondern ein Zusammenspiel aus Planung, Organisation und ganz viel Arbeit draußen.

"Michl" - wie ihn alle nennen -  ist in Igls aufgewachsen. Die Wälder und Berge samt ihren Wegen dort in der Gegend waren für ihn immer Teil des Alltags. Dass daraus einmal sein Beruf wird - damit hat Michl nicht gerechnet. Heute liebt er seine Arbeit, wie er uns erzählt. Zwischen telefonieren und "anpacken" im Gelände bleibt auch ganz viel Zeit fürs Kreativ-Sein: Wenn zum Beispiel wieder einmal ein grünes Platzl zum Erholen eingerichtet werden soll oder ein neues Beschilderungs-System her muss. Kein Arbeitstag ist wie der andere - das ist es, was Michl so sehr an seinem Job schätzt. 

Ehrlich gesagt war mir persönlich vor dem Gespräch mit Michl überhaupt nicht klar, wie umfangreich seine Arbeit tatsächlich ist. Allein das tausende Kilometer weite Wegenetz von Mountainbike-Routen über Panorama-Spazierwege bis hin zum berühmten Zirbenweg fordert einiges ab. 

Dabei geht es längst nicht nur ums Erhalten. Wege lenken. Sie entscheiden mit, wo Menschen unterwegs sind. Sie können sensible Naturbereiche schützen – oder stark frequentierte Bereiche entlasten. Das bedeutet natürlich auch Verantwortung.

Welche Wege werden ausgebaut? Welche saniert? Und wo lässt man bewusst weniger Eingriff zu? Entscheidungen, die nicht allein getroffen werden. Gemeinden, Grundeigentümer:innen, Landwirtschaft, Naturschutz – viele Interessen treffen hier aufeinander. Und genau hier zeigt sich, dass Wegearbeit auch viel Kommunikation bedeutet.

Schneiden, schrauben, sichern - bis zum Schwitzen

Ein paar Tage später tauschen wir die Stubn gegen Bergschuhe. Treffpunkt: der Raum Igls, Lans und Sistrans, nur wenige Minuten von Innsbruck entfernt – und doch sofort mittendrin im Grünen. Michl nimmt Christian und mich einen Vormittag lang mit zur Arbeit. 

Schon nach den ersten Metern wird klar: Das hier ist kein Job, den man nur vom Schreibtisch aus erledigt. Erstens, sind wir die ganze Zeit mit dem Auto oder zu Fuß draußen unterwegs, und zweitens, bleiben wir ständig stehen, schauen uns eine Weggabelung an. Beschilderung. Auf den ersten Blick eindeutig – auf den zweiten ein kleines Puzzle aus Richtung, Lesbarkeit und Platzierung. Michl erklärt, warum ein Schild genau dort steht, wo es steht. Warum ein paar Meter den Unterschied machen können. Es sind diese Details, die man sonst übersieht.

Eine verrückte Liege um die Aussicht zu genießen, ein Brett, das im Kopfteil der Parkbank fehlt, ein Schrauben, der etwas zu weit aus dem Steg ragt - Michl hat das Auge für alles. Und einen Handgriff später ist alles schon wieder repariert. Bohrmaschine, Spraydosen und und andere Werkzeuge stets griffbereit. Es ist beeindruckend, wie schnell Michl reagiert und wie praktisch er denkt. Vieles an seiner Arbeit bleibt unsichtbar. Wenn alles funktioniert, denkt niemand darüber nach. Und genau das ist eigentlich das Ziel.

Christian und ich sind uns nach dem gemeinsamen Vormittag mit Michl einig: Wir werden in der Region Innsbruck vermutlich nie wieder Wandern oder Biken gehen ohne die liebevoll durchdachte Arbeit, die hinter jedem Schild, jeder Weggabelung, jeder Rot-Weiß-Roten Markierung steckt, zumindest kurz wertzuschätzen. Ganz abgesehen von der Arbeit, die nach Wetterextreme, Muren oder umgestürzte Bäume entsteht – Wegearbeit ist zum richtig Anpacken. 

Zwischendurch bleibt aber immer wieder Zeit, kurz stehen zu bleiben. Durchzuatmen. Die Umgebung wahrzunehmen. Einer dieser Momente entsteht ganz automatisch, als wir unseren Vormittag abschließen: in der Sonne, bei einer kleinen Jause.

Was uns Michl nach diesem Vormittag draußen mitgibt: Wege sind mehr als Verbindungen von A nach B. Sie sind Grundlage für Erlebnisse. Für Bewegung. Für dieses Gefühl, draußen unterwegs zu sein.

Und uns ist klar: Es braucht Menschen wie Michl, die dafür sorgen, dass das alles so selbstverständlich wirkt. Wer weiß, vielleicht bleibt ihr ja auch beim nächsten Spaziergang in der Region Innsbruck einfach mal kurz stehen. Und schaut hin.

Bis zum nächsten Mal! 

Eure Sandra mit Stubnhocker Christian 

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