In der dieser Folge vom Innsbruck-Podcast tauchen wir in die faszinierende Welt der Pilze ein – oder besser gesagt, in das faszinierende Pilz-Universum. Denn genau das ist es; ein richtiges Universum! Pilze sind viel mehr als nur Gewächse am Wegrand beim Spazierengehen. Das macht der Gast dieser Episode mehr als deutlich. Lee-Roy Begle ist einer der besten Pilzexperten in der Region und bei den Tyroler Glückspilzen tätig. In der Stubn erzählt uns Lee-Roy allerhand über "Schwammerln", vom Sammeln und Zubereiten, über Anwendungsgebiete bis hin zur Forschung. Außerdem machen wir einen Abstecher in den Wald oberhalb von Innsbruck, um neben Speisepilzen auch zahlreiche andere Pilze zu entdecken und begutachten sogar noch die Produktionsstätte der Tyroler Glückspilze in Innsbruck.
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Für Christian und mich war vor Lee-Roys Besuch klar: Schwammerl sind super im Gulasch und auf der Pizza! Als absolute Pilz-Laien haben wir natürlich eine ganze Liste an Fragen für den Experten: Wie ist Lee-Roy überhaupt zur Pilzwelt gekommen, und was fasziniert ihn daran? Was genau macht ein Mykologe – und wie hat sich der Umgang mit Pilzen über die Jahre entwickelt? Und, die wichtigste Frage für alle, die regelmäßig in unseren Tiroler Wäldern unterwegs sind zum Schwammerl-suchen: Wo findet man welche Pilze und wie isst man sie richtig?
All diese Fragen beantwortet uns Lee-Roy im ausführlichen Gespräch in der Stubn. Und, ganz ehrlich... ich bin aus dem Staunen gar nicht mehr rausgekommen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Pilze nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Materialwissenschaft immer öfter zum Einsatz kommen? Für die Entwicklung nachhaltiger Baustoffe zum Beispiel. Auch in der Landwirtschaft wird fleißig mit Pilzen geforscht - im Bereich Schädlingsbekämpfung zum Beispiel.
Eine ganze (Wald-)Welt auf ein paar Quadratmetern
Lee-Roy erwartet uns für unseren kleinen, gemeinsamen Ausflug in den Wald schon voller Tatendrang. Am Vortag hat er bereits ein Stückchen Wald ausgekundschaftet und es für "Schwammerl-freundlich" befunden. Wir gehen ein paar Meter, Lee-Roy bückt sich, schiebt das Moos beiseite und - als hätte er eine Spürnase für Pilze - zupft einen kleinen, unscheinbaren Pilz mit seinen Fingern aus dem Waldboden. "Ein Knoblauchschwindling", erklärt der Experte. Wir lernen, dass der Knoblauchschwindling nicht nur extrem stark nach Knoblauch riecht, sondern genau deshalb auch zum Würzen von Speisen verwendet werden kann, von den meisten Sammler:innen aber einfach stehengelassen wird. Unter anderem, weil er nicht so bekannt ist, wie sein berühmter Speisepilz-Konkurrent, der Pfifferling. Ein wahrer "Einsteiger-Pilz" für Schwammerl-Fans ist der Pfifferling und genau deshalb so beliebt, meint Lee-Roy.
Weiter durch den Wald schleichend, lernen wir den Unterschied zwischen Lamellen und Leisten, entdecken das "wood wide web", wie Lee-Roy das Myzelnetzwerk nennt, und staunen nicht schlecht, als uns Leeroy ein Stück Holz entgegenhält, das durch Pilzbefall kobaltblau leuchtet! Von mir aus könnte unsere Schwammerl-Suche noch den ganzen restlichen Tag andauern. Kein Wunder, dass man Lee-Roy so gerne zuhört, wenn er erklärt: Seine Begeisterung und Leidenschaft für das Pilzuniversum sind ansteckend!
Schon mit 11 Jahren war Lee-Roys Begeisterung für Pilze erweckt: Bei einem Pilzvortrag in der Unterstufe im Gymnasium (copyright Tyroler Glückspilze)
TYROLER GLÜCKSPILZE
Das Unternehmen produziert seit 2012 unter der Marke Tyroler Glückspilze biologische Speise‑ und Vitalpilze, Heilpilze, Trockenpilze und Myzelien – sowohl für den regionalen Handel als auch den europaweiten, über den eigenen Laden neben der Produktion nahe des Hauptbahnhofs in Innsbruck und über den Webshop. Verkauft wird eine Auswahl der Produkte oft auch über Bio-Läden. Zur Unternehmensphilosophie gehört unter anderem das Ziel, den Pilzanbau in Österreich als neue landwirtschaftliche Sparte zu etablieren und Pilzinteresse über Workshops, Beratung und Bildung zu fördern.
Bei unserem Besuch bei den Tyroler Glückspilzen in Innsbruck, bekommen wir eine Exklusiv-Führung durch den Laden, die Büros, das Lager und dürfen sogar einen Stock höher gehen, in die Produktion. Zwischen Reagenz-Gläsern mit bunten Flüssigkeiten und großen, uns unbekannten Maschinen bekommen wir allerhand Interessantes zu Wirkung und Anwendung von verschiedenen Pilzarten erklärt. Pilze seien vollkommen zu Unrecht in Verruf geraten, erklärt Lee-Roy. Wir haken nach und sprechen schnell über Pilze als potenzielle "Lösungen für Zivilisationsprobleme".
Nach dem Stubn-Gespräch, dem Ausflug in den Wald und in die Produktion, habe ich gefühlt tausend Fragen gestellt, alle beantwortet bekommen und könnte direkt nochmal so viele stellen. Warum hat Pilz-Know-How nicht schon damals im Biologieunterricht so viel Spaß machen können?!
Ich habe mir jedenfalls direkt Glückspilz-Kapseln gekauft und habe mich ein paar Tage nach unserem Treffen mit Lee-Roy das allererste Mal selbst zum Schwammerl-Suchen in den Wald getraut! (bin aber klassisch geblieben: guate Eierschwammerln) 😉
In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal!
Und, wenn ihr jetzt selbst ins Pilz-Universum eintauchen wollt - es steht euch natürlich frei, wie tief - wären hier ein paar sehr interessante Links:
- Mushroom Research Center Austria
- Tyroler Glückspilze
- The Mycroverse Foundation
- Lee-Roys Instagram
- Pilzfestspiele für Kinder
Eure Sandra mit Stubnhockern 🙂
Sandra ist Moderatorin und Sprecherin aus Tirol. Außerdem ist sie im Innsbruck Podcast zu sehen und zu hören. Dort entdeckt sie gemeinsam mit euch die spannendsten Geschichten der Region.
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