Die der Tiroler Volksmusik gewidmete Ausstellung "Wir Tiroler sind lustig. Die Rolle der Volksmusik für den Tourismus" im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck. Der Titel der Ausstellung "Wir Tiroler sind lustig" ist eine Strophe eines Liedes, das Teil des volksmusikalischen Erbes geworden ist, aber ursprünglich aus der Operette "Der Tiroler Wastl" aus dem 18 Emanuel Schikaneder.
Es ist ein Lied, das praktisch alle Tirolerinnen und Tiroler ab 50 Jahren kennen, weil sie es in der Schule gelernt haben.
Aber was bedeutet "Wir Tiroler sind lustig"? Die Übersetzung ins Italienische könnte lauten: "Wir Tiroler sind lustig, amüsant, fröhlich". Eine scheinbar harmlose Strophe, die jedoch das mindestens 200 Jahre alte Klischeebild des Tirolers als fröhlicher Bergmensch - manchmal auch als Einfaltspinsel dargestellt -, der gerne singt und in Gesellschaft ist, auf den Punkt bringt
Ein Raum der Ausstellung "Wir Tiroler sind lustig" im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck, Foto © Wolfgang Lackner
Das Tirol auf Tournee
Ein Raum der Ausstellung "Wir Tiroler sind lustig" im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck. Die Vitrine auf der rechten Seite ist der Tiroler Musikerin Thérèse Prantl gewidmet, zu deren Bewunderern auch der russische Zar gehörte. Foto © Wolfgang Lackner
Die Ausstellung erzählt anhand von Objekten, Dokumenten, Ton- und Videoaufnahmen die Geschichte der Entwicklung der Tiroler Volksmusik als Unterhaltungsform in den letzten 200 Jahren. Die Musikgattung "à la tirolienne" gibt es bereits in der klassischen Musik - z. B. von Beethoven und Rossini - in einer Vielzahl von Stilen, die von "typischen" Melodien bestimmter Länder inspiriert sind
Doch seit 1800 gibt es echte Tiroler Ensembles, die durch Europa touren und singend, spielend und manchmal auch tanzend an europäischen Höfen und auf renommierten Bühnen auftreten. Der erste Raum der Ausstellung erzählt von genau diesen frühen Gruppen: den Ur-Rainern, den Leo-Brüdern, den Holaus.
Interessant ist auch die Geschichte von Ludwig Rainer, einem Tiroler aus dem Zillertal, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem er zehn Jahre lang mit seiner Gruppe in Russland aufgetreten war, nach Tirol zurückkehrte und ein wahres Tourismusimperium schuf. Sein Hotel Seehof am Achensee verbindet eine beeindruckende Alpenlandschaft mit abendlichen Aufführungen von Tiroler Musik und zieht Touristen aus dem In- und Ausland an.
Zur Freude der Touristen (und anderer)
Im zweiten Raum wird die Geschichte des "Tiroler Abends" nachgezeichnet. So werden seit den 1930er Jahren kostümierte Darbietungen genannt, bei denen gesungen, getanzt und sowohl mit typischen alpinen Musikinstrumenten als auch mit Berggegenständen wie einer Säge oder Kuhglocken gespielt wird. Tiroler Folkloregruppen haben die Welt bereist und sind nach Amerika, Kanada und in den Fernen Osten gereist, wie die Ausstellung dokumentiert. Noch heute werden diese Shows in Innsbruck in einem zum Theater umfunktionierten Jahrmarktspavillon aufgeführt
Die Ausstellung führt uns dann in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier wird die Rolle des Kinos als Vehikel für die Verbreitung der Tiroler Musik untersucht. Wir sehen Plakate und Filmausschnitte, Komödien, in denen die Berge und die Musik von einer amüsanten und unterhaltsamen Alpenwelt erzählen, die weit von der Realität des rauen Landlebens entfernt ist. Und man spricht von der Olympiade, bei der Österreich routinemäßig Tirol als Tourismusziel präsentiert, auch durch seine Musik.
Plakat zum Film "Die singenden Engel von Tirol" von 1958 mit den Kindern der Musikerfamilie Engel aus Reutte, in der Ausstellung "Wir Tiroler sind lustig" im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck, © TLM
Kuriositäten und Stimmen aus dem Refrain
Die Ausstellung bietet noch viel mehr: Sie widmet sich Sängern und Musikern, die in ganz Europa berühmt waren. Zum Beispiel Therese Prantl, die sogar den Zaren von Russland zu ihren zahlreichen Bewunderern zählte. Sie können versuchen, die Melodie des Liedes "Wir Tiroler sind lustig" mit einem Satz Kuhglocken zu spielen, wie an Tiroler Abenden. Es gibt Videos von berühmten Schlagersängern, die sich stark an der Tiroler Volksmusiktradition orientieren, und auch einige "lustige" Fälle wie Takeo Ischi, ein Japaner, der berühmt wurde, weil er den Jodler in traditioneller Tiroler Tracht sang. Auch österreichische Intellektuelle kamen mit ihrer kritischen Sicht auf diese Aufführungen zu Wort, da sie der Meinung waren, dass sie ein etwas verharmlostes und lächerliches Bild der Tiroler und Tirols in die Welt brachten.
Mit einem Satz Kuhglocken können die Besucher versuchen, die Melodie des titelgebenden Liedes "Wir Tiroler sind lustig" im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck nachzuspielen, Foto © Wolfgang Lackner
Nützliche Informationen
"Wir Tiroler sind lustig. Die Rolle der Volksmusik für den Tourismus"
10.6. - 27.11.2022
Tiroler Volkskunstmuseum
Universitätsstrasse 2, 6020 Innsbruck
täglich geöffnet von 9 bis 17 Uhr
Letzter Einlass um 16.30 Uhr
eintritt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro, frei für Jugendliche unter 19 Jahren und Inhaber des Innsbruck Karte
Hier finden Sie Informationen zu Tiroler Abenden in Innsbruck und Tirol
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Eine bildende Künstlerin aus Mailand, die sich nicht nur mit Pinseln und Leinwänden beschäftigt, sondern auch gern über Kunst, Kultur, Musik, Design und Kreativität schreibt.
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