Mitten in der Adventzeit, wenn der Duft von Holz in der Luft liegt und sich Stuben und Wohnzimmer langsam mit vorweihnachtlicher Stimmung füllen, rückt in Tirol eine Tradition besonders in den Fokus: der Krippenbau. In dieser Folge vom Innsbruck Podcast dreht sich alles um dieses jahrhundertealte Handwerk – und um die Menschen, die es mit Leidenschaft am Leben erhalten. Mit zwei von ihnen sprechen wir, nämlich mit Margit Pienz, die als Schriftführerin beim Krippenverein Oberperfuss tätig ist, und mit Karl Spiegl, der nicht nur Obmann Stellvertreter des Vereins, sondern auch selbst begeisterter Krippenbauer ist. Eine Folge voller Nostalgie, Geschichten und Weihnachtsstimmung.

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Für das Gespräch werden Christian und ich ausnahmsweise mal raus aus unserer guten, altbekannten "Stubn" in Innsbruck geholt, um in einer anderen Stube Begegnung, Austausch und Dorfleben zu spüren. Wir treffen Margit und Karl in der Stube des Hotel Krone in Oberperfuss, nicht nur, weil dort eine der größten Krippen Tirols ausgestellt ist. Die wollen wir uns natürlich hautnah und live anschauen. Ein Gasthaus als Podcast-Studio also - ein passender und vor allem gemütlicher Rahmen für diese Folge über Tiroler Brauchtum und das Weitergeben von Wissen über Generationen hinweg.

Zwei Stimmen, eine Leidenschaft

Die biblische Szene der Geburt Christi als kunstvolle Miniaturlandschaft mit Figuren von Hirten bis Dreikönigen – sie ist nicht nur Glaubensbekenntnis, sondern Ausdruck gelebter Volkskunst und regionaler Identität. Gemeinsam geben die Schriftführerin und der Obmann-Stellvertreter einen Einblick in diese Welt, die weit über Glauben, Holz, Figuren und Moos hinausgeht. Das "Krippen-Feuer" brennt in Oberperfuss, als eine Gemeinde mit besonders alter und intensiver Krippenbau-Geschichte, ausgesprochen stark. Der Samen wurde dabei vor Jahrzehnten gesät und die Leidenschaft von Generation zu Generation liebevoll weitergereicht. 

Wir lauschen von Margit und Karls persönlichen Zugängen zum Krippenbau und ihren ersten Berührungspunkten mit dem Handwerk. Wir wollen wissen, wie und wann aus Interesse über die Jahre echte Leidenschaft wurde. Dabei wird schnell deutlich, wie stark individuelle Lebenswege und gemeinschaftliches Engagement im Tiroler Krippenwesen miteinander verwoben sind.

Tirol trifft auf Orient

Krippe ist nicht gleich Krippe. Das wird uns schnell klar. Historisch gesehen vereinten Tiroler Krippen nicht nur religiöse Botschaften, sondern spiegelten auch lokale Lebenswelten und Handwerkstraditionen wider. Die Tiroler Krippe entwickelte sich zur eigenen Kunstform, die sowohl traditionelle alpenländische als auch orientalisch inspirierte Darstellungen umfassen kann.  Um die orientalische Krippe so naturgetreu wie möglich gestalten zu können, sind Karls und Margits Vorgänger damals weit gereist: Drei Wochen Schiffsfahrt von Triest nach Israel. Bezahlt aus eigener Tasche. Es wurden Kamele studiert, um die Tiere später zuhause perfekt zu schnitzen, Materialien für die Krippe gesammelt und historische Orte besucht. Spätestens nach dieser Erzählung wird klar, dass Tiroler Krippenbauer ihre Sache ernst nehmen. 

Ein Blick in die Geschichte

Dass Krippen in Tirol eine so starke Rolle spielen, ist kein Zufall. Die ersten Weihnachtskrippen entstanden im Alpenraum bereits im frühen 17. Jahrhundert: Die erste Weihnachtskrippe in Innsbruck wurde 1608/09 in einer Jesuitenkirche aufgestellt und markiert den Beginn eines lebendigen Krippenwesens in der Region. 

Heute gelten Tirol und die Dörfer rund um Innsbruck als Hochburgen dieser Volkskunst: „Krippeleschaugn“, das gegenseitige Betrachten der Krippen, ist bis heute ein beliebter Brauch, der Familien und Freundeskreise in der Adventszeit verbindet. 

Auch Margit und Karl erzählen uns vom "Krippeleschaugn" in Oberperfuss, wie es damals war und heute ist. Wer einen weihnachtlichen Spaziergang an der frischen Luft mit Krippen verbinden möchte, ist in Oberperfuss an der goldrichtigen Stelle. Der "Winterspaziergang zu den Weihnachtskrippen wird uns von Margit wärmstens ans Herz gelegt. Und euch natürlich auch 😉

Verein, Gemeinschaft & Zukunft

In Tirol spielen traditionelle Vereine eine große Rolle darin, Wissen weiterzugeben – von Generation zu Generation. Sie tragen dazu bei, dass der Krippenbau nicht nur ein nostalgisches Relikt bleibt, sondern eine aktive, zeitgemäße Kulturpraxis ist. So ist das auch in Oberperfuss der Fall, wie uns Margit und Karl erklären. Generell lege man bei ihnen im Ort sehr viel Wert auf Vereinsleben, weshalb es in Oberperfuss im Verhältnis zur Einwohnerzahl extrem viele Vereine gebe.

Zum Schluss richten sich die Gedanken auf die Zukunft: Wie lässt sich klassische Handwerkskunst im digitalen Zeitalter bewahren? Welche Trends zeigen sich, und wo gibt es neue Impulse? Auch wir wollen mit dieser Podcastfolge Raum für Perspektiven und Hoffnungen schaffen - für alle, die den Krippenbau neu entdecken oder wiederentdecken möchten.

Die Stubnhocker haben nach diesem Gespräch auf alle Fälle festgestellt, dass jede gute Tiroler Stubn eine Krippe braucht. Wie gut, dass auch wir eine haben. Zwar keine mit über 350 Figuren wie die in Oberperfuss, aber man kann ja klein anfangen.
Wir wünschen euch frohes "Krippeleschaugn" und schöne Weihnachten!

Bis zur nächsten Folge im neuen Jahr 🙂 

Eure Sandra mit Stubnhocker

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