Wenn es draußen früher dunkel wird und sich die ersten Schneeflocken ihren Weg ins Tal bahnen, verwandelt sich die Küche bei uns zu Hause in eine Weihnachtsbäckerei. Der Advent hat bei uns einen ganz besonderen Geschmack, nämlich nach Zelten, Apfelbrot und natürlich Keksen. Jede dieser Spezialitäten begleitet mich seit meiner Kindheit – und ich freue mich jedes Jahr wieder, wenn meine Mama, mein Papa oder meine Kinder mit uns diese aufs Neue zubereiten.
Tiroler Zelten – ein Stück gelebte Tradition
Nach einem alten Familienrezept bäckt mein Vater jedes Jahr um die Weihnachtszeit den Tiroler Zelten. (c) Lisa Thurner-Amrain
Das Rezept, das wir verwenden, stammt noch von meiner Oma. Mein Vater bäckt in der Winterzeit mehrere Wecken dieses traditionellen Gebäcks. Ich mag es, wenn es nach Früchten und Gewürzen duftet und kann es kaum erwarten, wenn das erste Blech aus den Ofen kommt. Eine Scheibe Zelten mit frischer Butter darauf ist für mich ein wahrer Genuss.
Unser Rezept:
Zutaten:
- 500 g Rosinen
- 2-3 Kränze Feigen
- 250-500 g Kletzen
- 500 g ganze Haselnüsse
- 1 Pkg. Citronat
- 1 Pkg. Arranzini
- 1-2 Pkg. Zeltengewürz
- ¼ l Rum
- je ein TL Neugewürz und Nelkenpulver
Teig:
- 2 kg Roggenmehl
- 2 Pkg. Trockenhefe
- 1 TL Salz
- 2-3 EL Brotgewürz
Kruste:
- 1/8 – ¼ l lauwarme Milch
- 9 gehobene EL Weizenmehl
- 1 Ei
- wenig Salz
Zubereitung:
Früchte schneiden, mit Gewürzen und Rum vermischen und über Nacht zugedeckt stehen lassen.
Hefe in lauwarmer Milch mit Zugabe von einem halben TL Zucker auflösen und eine viertel Stunde ziehen lassen. Dann mit Roggenmehl, Salz, Brotgewürz und lauwarmes Wasser zu einem Teig verarbeiten. Das ganze für eine halbe Stunde gehen lassen. Anschließend laibweise mit Früchten vermischen und formen. Mit Krustenmasse bestreichen. Die Laibe eine Stunde bei 180 Grad backen.
Mit Butter bestrichener Zelten und heißer Tee, daneben die brennende Kerze des Adventkranzes, das ist Adventfeeling pur. (c) Lisa Thurner-Amrain
Apfelbrot – der Duft nach Zuhause
Als meine Eltern vor vielen Jahren Apfelbrot geschenkt bekommen haben, waren sie auf Anhieb vom würzig-fruchtigen Geschmack überzeugt. Und nicht nur sie: auch die restliche Familie genießt dieses saftige Brot. Seither wird es jährlich Ende November gebacken. Mit den Enkeln raspelt Opa das Obst klein, hackt die Nüsse und vermischt es zu einem geschmeidigen Teig. Wenn die geraspelten Äpfel mit Zimt und Nelken langsam Saft ziehen, riecht die ganze Küche wunderbar nach frischem Obst und Gewürzen. Das Brot selbst ist wunderbar saftig und bleibt tagelang frisch – wenn es überhaupt so lange überlebt. Für mich passt es perfekt zu einer Tasse Tee nach einem gemütlichen Spaziergang in der kalten Winterluft.
Der fruchtige Geschmack und die weihnachtlichen Gewürze sind eine himmlische Geschmacksmischung. (c) Lisa Thurner-Amrain
Unser Rezept:
Zutaten:
- ½ kg Rosinen
- ½ kg Feigen
- 30 dag Haselnüsse zerhackt
- 2 EL Kakao
- 1/8 l Rum
- 1 EL Zimt
- 1 EL Nelkenpulver
- 1 EL Neugewürz
- 1 kg glattes Mehl
- 2 Pkg. Backpulver
- 1 Prise Salz
- 1,5 kg Äpfel gerieben mit Schale
- 100 g Zucker
Zubereitung:
Den Ofen auf 160 – 180 Grad Unter-/Oberhitze vorheizen. Die Zutaten mischen und zu einem Teig verarbeiten. Den Teig in Kastenformen geben – die Masse reicht für ungefähr drei Stollen – und für circa eine Stunde backen.
Meine kleine Tochter hilft dem Opa ganz eifrig beim Reiben der Äpfel fürs Apfelbrot.
Der frische Teig in den Kastenformen versprüht einen angenehmen Duft. (c) Lisa Thurner-Amrain
Weihnachtskekse – kleine Kunstwerke aus Butter und Zeit
Jedes Jahr wieder nehmen wir uns vor, nur einige wenige Sorten zu backen und jedes Jahr wieder werden es doch mehr. Aber mal ehrlich: Advent ohne Kekse geht bei uns nicht. Meine Kinder, vor allem meine sechsjährige Tochter, lieben es mit Oma oder Mama Kipferln zu formen oder Kekse auszustechen. Hier zwei unserer liebsten Klassiker:
Vanillekipferl
Zutaten:
Teig:
- 30 dag Mehl
- 10 dag geriebene Nüsse
- 7 dag Zucker
- 1 Pkg. Vanillezucker
- etwas Salz
- 25 dag Butter
Zum Wälzen:
- 15 dag Staubzucker
- 1 Pkg. Vanillezucker
Zubereitung:
Das Mehl auf eine Arbeitsfläche sieben. Nüsse, Zucker, Vanillezucker und Salz hinzugeben und darauf die in kleine Stücke geschnittene kalte Butter geben. Von der Mitte aus alle Zutaten rasch zu einem glatten Teig verkneten. Den Teig zu bleistiftdicken Rollen formen und in die gleichmäßig große Stücke (ca. 5 cm) schneiden. Kipferl formen und auf ein befettetes Backblech legen. Das Backblech in die Mitte des Rohres schieben und im vorgeheizten Backofen bei 160 Grad für 20-25 Minuten backen. Die noch heißen Kipferl sofort in der Zuckermischung wälzen.
Vanillekipferl sind doch bei uns wohl der Inbegriff der Weihnachtsbäckerei, oder?
Und die Linzeraugen wohl ebenfalls.... Lecker!! (c) Lisa Thurner-Amrain
Linzeraugen
Zutaten:
- 25 dag glattes Mehl
- ½ Pkg. Backpulver
- 18 dag Butter
- 10 dag Staubzucker
- Vanillezucker, Zimt
- 1 Ei
- 3 TL Milch
- 10 dag Mandeln, gerieben
Zubereitung:
Mürbteig zubereiten und eine halbe Stunde kühl rasten lassen. Den Teig dünn ausrollen, rund ausstechen und die halbe Anzahl der Scheiben mit drei Löchern versehen. Bei Heißluft bei 180 Grad goldgelb backen, bezuckern und mit Marmelade zusammensetzen.
Warum ich diese Rezepte so liebe
Für mich sind diese Köstlichkeiten mehr als nur Gebäck. Sie sind ein Stück Heimat, ein Stück Erinnerung und vor allem die Möglichkeit, die Hektik des Alltags für einen Moment auszublenden. Der Duft sowie jedes Mal, wenn ich das erste Apfelbrot anschneide oder die warmen Kekse vom Blech stibitze, steht für mich die Zeit still und ich genieße mit meinen Lieben einfach nur den Moment der schönen besinnlichen Weihnachtszeit.
Apropos Weihnachtszeit, dazu gehört natürlich auch ein Besuch des Christkindlmarktes und was es da für weihnachtliche Köstlichkeiten gibt, lest ihr hier.
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Mama aus Leidenschaft, Hundeflüsterin, Freiluftfanatikerin, Hobbyschreiberling und Bücherwurm im Tiroler Oberland geboren, wohnhaft westlich von Innsbruck Interessen: Natur, Berge, Familie, Tiere, Bücher, Kultur
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