Anfang Oktober ging am Innsbrucker Markplatz das zweite Beer Alps Festival über die Bühne. Aber wehe einer sagt jetzt Oktoberfest! Denn Innsbruck kann’s anders: Mit einem guten Dutzend regionaler Indie-Brauereien, die hier Hobby, Handwerk und – natürlich – die bierige Genussvielfalt ins Rampenlicht rückten. Eine kleine Retrospektive und: Wo man die Festivalbiere (und ihre Freunde) in Innsbruck sonst so finden kann.
Regionaler Genuss für Bierfans
Kein Bierzelt. Kein Maßkrug. Stattdessen ein Mehrweg-Glas mit Stempelpass und unzählige Verkostungsmöglichkeiten. Mehr braucht das Bierglück beim Beer Alps Festival 2025 auch gar nicht. Ganz ähnlich wird auch der Stargast vorgestellt: Hopfen, Malz, Wasser. Bier ist so einfach, dass es eigentlich jeder brauen kann. Doch zwischen den vielen kleinen Markt-Standln (=Marktstände) am Innsbrucker Bierfestival schmeckt man schnell: Zu einem echten Meisterbräu gehört weit mehr: Geduld, Liebe, Erfahrung, Neugier, manchmal auch das Scheitern. Gleich 16 regionale, unabhängige Brauereien versammelt die Leistungsschau, Leidenschaft am Zapfhahn, die Betreiber kommen kaum aus dem Schwärmen.
Pfand-Glas zum Selber-Spülen - schnell, einfach, nachhaltig.
Am Nachmittag treffen sich Freunde und Familie, später noch zur Shopping Night?
Ganz klar: Das Bier steht hier im Mittelpunkt.
Noch nie Bier-Merch gesehen? (Habe jetzt einen Kühlschrankmagnet von meinem Lieblings-Lager.)
Schere, Stein, paar Bier? Daneben: Die Delegation Bierfabrik Bögen.
Blond mit Krönchen
Gleich zum Auftakt am Nachmittag winkt Bierol aus Schwoich von der Bühne, gerade werden die Sieger der allerersten Beer Alps Competition aus Hobby und Gewerbe gekürt. Trotzdem hat hier jeder sein ganz persönliches Lieblingsbier. So stellt am Standl von Starkenberger etwa die junge Braumeisterin Julia ihr allererstes Edelwerk aus Tarrenz vor. Gleich daneben zapfen Mike und Ulrich von der Bierfabrik in den Innsbrucker Bögen ihr legendäres Lager vom Fass, während die durstige Schlange geduldig wartet. Der nette Herr hinter mir hat schon einige Stempel mehr gesammelt und sich heute schon ein paar Mal verliebt, gesteht er. Das Beste war da hinten, ganz Blond mit einem Schaumkrönchen, er schmunzelt und will nicht mehr verraten.
Dieser Bierpass beweist Sportsgeist.
Julia, mächtig Stolz auf ihr erstes eigenes Starkenberger Bräu.
Alles dreht sich nur ums Bier.
Jung, alt, Durst haben hier irgendwie alle.
So bunt wie die markanten Häuser sind auch die Biere.
Schlendern, Schlemmen & Shopping
Womöglich war’s beim Andi von Innsbrucker Bräu - mir eh schon altbekannt vom Wiltener Weihnachtsmarkt. Für ein paar Jetons zapft er mir sein Helles und verrät auch gern ein paar Braudetails. Wir fachsimpeln ausführlich, dann ziehen mich die köstlich-koreanischen Düfte endgültig zur Koi Bar. Bis in Wilten, ruft er noch und zwinkert: Im Winter wird’s wieder was Besonderes geben! Am Fusion-Food Truck begrüßt mich Hausherr Daniel mit einer Auswahl kleiner Probierhappen: Naa, was darf‘s sein, schmunzelt er siegessicher. Eine Riesenportion Korean Fried Chicken später hole ich mir noch einen Refill Lager - dass ich dafür keinen neuen Stempel bekomme, ist schon nach dem ersten Schluck vergessen.
Den Andi traf ich schonmal in Wilten. Und wieder hat er Neues auf Lager.
Daniel meint scharf auf so, die Koi Bar ist längst Markplatz-Fixpunkt.
Zum Bier gibts Wissen ohne Ende, mitschreiben muss man zum Glück nichts.
Fruchtig, feurig, frech und überhaupt: Was gibt es nicht, ist hier die Frage.
Zeitgleich zum Festival am Marktplatz feierte die Stadt am Freitag übrigens auch die Shopping Night. Mit Bands und Bühnen an allen Ecken und Enden der Innenstadt, Sektempfang, Häppchen und DJs in den Shops und Sonderangeboten bis spät in die Nacht. Ich probiere ein paar Schnäppchen, erwische eine zirkusreife Pole-Performance vor dem goldenen Dachl und schaffe es zu den letzten Bangern der langhaarigen "Rampensau" Dave Wildheart zurück zum Marktplatz. Alle wünschen sich Wonderwall, wir singen laut und eh viel schöner als Oasis.
Die Shopping Night lockt zu später Stunde noch die Schnäppchenjäger.
Im Kaufhaus Tyrol kommt fast schon Weihnachtsstimmung auf.
Entzückend beschallen kleine Live-Bands die Gassen.
Andernorts treiben DJs Beats übers Pflaster.
Unter dem goldenen Dachl: Eine spektaktuläre Pole-Performance.
Und natürlich: Wonderwall zum Schluss. Danke Dave!
Wo die guten Biere wohnen
Dass man die unzähligen Stargäste des Festivals auch sonst in Innsbruck treffen kann, tröstet am Samstag meine Abschiedsrunde am Markplatz. Besuch uns doch mal in den Bögen (=Lokale in den Viaduktbögen entlang der Ing.-Etzel-Straße), lädt mich die Bierfabrik an ihre Braukessel. Das Tribaun verweist vollmundig auf seine stetig wechselnde Schank-Auswahl diverser Craft-Beer-Schätze aus aller Welt – am Eck, wo auch das Treibhaus ist. Und der Andi gibt mir den schelmischen Rat, überall einfach so lange nach echten Tiroler Biersorten zu fragen, bis ich dort irgendwann auch welche bekomme. Starkenberger oder Zillertal Bier stehen ohnehin in fast jedem Kühlregal, das Tiroler Bier muss man hingegen schon bei Spar (= österreichische Supermarktkette) suchen.
Im Montagu in der Höttinger Gasse gibts das Bierfabrik Lager.
Wer aufmerksam schaut, findet die Hinweise auch anderswo.
Bierol, die Nachbarn von der Munich Brew Mafia und andere Flaschenschätze lagern im BierWelt.Tirol Shop unweit vom Marktplatz – wo man auch immer heiße Insider-Infos rund um die regionale und internationale Braukunst bekommt. Unter Kennern kennt man sich – und in Innsbruck sowieso. Dann geht’s vom Marktplatz zum Beispiel nur einmal übern Inn ins Montagu, wo die Theresa das köstliche Bierfabrik Lager zapft und das Kellerprogramm auch sonst ein Träumchen ist. Bis zum nächsten Beer Alps Festival besuche ich die lokalen Biere also einfach zu Hause – seit dem letzten Wochenende sind wir ja per Du.
Fotos: Alle Bilder im Beitrag hat der Autor persönlich verwackelt.
© Christian Weittenhiller
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Kleiner Schreiberling mit großen Leidenschaften. Geboren, aufgewachsen und veredelt in Tirol, liest gern und kocht fast wie Oma. Am liebsten immer irgendwo unterwegs und auf der Suche nach neuen Horizonten.
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