Büchertisch mit Asterix auf Tirolerisch
07 avril 2026
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Wenn ich an die Tiroler Literaturszene denke, kommt mir sofort eines in den Sinn: ihre unglaubliche Vielfalt. So viele unterschiedliche Stimmen, Perspektiven und Zugänge – genau das macht sie für mich so lebendig und spannend. Besonders rund um Innsbruck gibt es eine große Zahl an Menschen, die schreiben. Viele davon stehen (noch) nicht im großen Rampenlicht – und genau das macht sie umso interessanter.

Durch meine Tätigkeit in der Bibliothek meiner Heimatgemeinde Oberhofen und meine Arbeit in einer Buchhandlung stoße ich immer wieder auf Bücher von solchen kreativen Köpfen. Dabei habe ich mich irgendwann gefragt: Wer steckt eigentlich hinter diesen Geschichten? Was bringt sie dazu, zu schreiben?

Vier dieser Stimmen möchte ich hier ein bisschen näher vorstellen: Matthias Daxer, Natalie Klingler, Johann Kapferer und Markus Koschuh. Sie alle leben in der Region Innsbruck, sie alle lieben Sprache – und trotzdem könnten ihre Zugänge kaum unterschiedlicher sein.

Natalie Klingler - Wenn Geschichten und Bilder gemeinsam wachsen

Bei Natalie Klingler habe ich sofort das Gefühl, dass Schreiben und Leben ganz eng zusammengehören. Sie ist 38, lebt mit ihrer Familie in Polling und ist Mutter von drei Kindern – ein Alltag voller Leben, Ideen und Geschichten.

Geschrieben hat sie eigentlich schon immer, angefangen in der Volksschule, später vor allem Gedichte. Zu Kinderbüchern kam sie erst, als sie selbst Mama wurde – und genau dort scheint sie ihre kreative Heimat gefunden zu haben.

Was ich besonders schön finde: Sie verbindet Schreiben und Zeichnen. Für sie hat es fast etwas Magisches, wenn Figuren aus dem Nichts entstehen und plötzlich lebendig werden.

Mit ihren Büchern „Hope und die Farbe der Menschen“ (2024) und „Liko findet ein Geschenk“ (2025) greift sie Themen wie Toleranz und Umwelt auf. Ihre Inspiration findet sie dabei ganz nah im Alltag – in den kleinen und großen Momenten, die man sonst vielleicht übersieht.

Matthias Daxer - Zwischen Klassenzimmer und Fantasiewelten

Matthias Daxer verbindet für mich zwei Welten, die überraschend gut zusammenpassen: das Unterrichten und das Schreiben. Als Lehrer für Deutsch und Geografie steht er gerne im Klassenzimmer – und genau das fließt auch in seine literarische Arbeit ein.

Denn beides hat viel gemeinsam: Man braucht eine klare Idee, Einfühlungsvermögen und ein Gespür für Spannung. Und wie er selbst sagt, lernen Menschen durch Geschichten.

Geschrieben hat er schon seit seiner Schulzeit. Inspiriert wurde er unter anderem von Christopher Paolini und einem engagierten Deutschlehrer während seiner HTL-Zeit. Später hat er Germanistik studiert, an Poetry Slams teilgenommen und schließlich seinen Weg in eine Schreibgruppe gefunden. Heute ist er auch Mitglied der IG Autorinnen Autoren Tirol.

Mit seinem Jugendkrimi „Unter allem liegt die Angst“ (2016) und seinem Fantasyprojekt „Sturmtänzer“ (2025 u. 2026) zeigt er, wie vielseitig er ist. Seine Fantasy-Dilogie ist inspiriert von Sagen und Mythen aus dem Alpenraum, die Handlung startet in Innsbruck.

Johann Kapferer - Schreiben als lebenslange Reise

Johann Kapferer zeigt für mich, dass die Leidenschaft fürs Schreiben ein ganzes Leben lang wachsen kann. Er ist fast 64, lebt in Oberhofen, ist Vater – und schreibt im Grunde schon, seit er das ABC gelernt hat.

Eine besonders schöne Vorstellung: 1998 begann er, während seiner Zugfahrten von Innsbruck nach Kitzbühel, erste Kinder- und Jugendgeschichten zu schreiben. Ganz klassisch mit Block und Stift – ohne Ablenkung durch Handy oder Internet. Aus diesen Momenten entstand später sein Buch „Die Rabengang“.

Seine Geschichten sind nah am Leben: Es geht um Träume, um die Suche nach einem Sinn, um Umwelt- und Klimaschutz. In seinen Jugendkrimis greift er auch Themen wie verlorene Fähigkeiten oder Drogen auf.

Was mich besonders berührt: Beim Schreiben taucht er ganz in seine Welten ein. Und genauso wichtig ist ihm der Austausch – zum Beispiel bei Lesungen an Schulen oder in der Zusammenarbeit mit seinem Illustrator Christian „Yeti“ Beirer.

Markus Koschuh - Literatur, die auf der Bühne lebt

Bei Markus Koschuh merkt man sofort: Seine Texte wollen gehört werden. Er lebt in Innsbruck, ist Vater von drei Kindern und hat seine Schreibkarriere Ende der 1990er-Jahre für Poetry Slams begonnen.

Dieses Format hat ihn stark geprägt – und seine Liebe zur Sprache spürt man bis heute. Besonders das Spiel mit Dialekten und verschiedenen Ausdrucksformen zieht sich durch seine Arbeit.

Richtig spannend finde ich seine Arbeit an der Tiroler Asterix-Übersetzung. Die Idee kam von Markus Renk, dem Geschäftsführer der Wagner’schen Buchhandlung. Koschuh hatte dabei viele Freiheiten von Seiten des Verlags – wichtig war nur, dass alles zur Bildsprache vom Original, „Der Kampf der Häuptlinge“ passt.

So konnte er viele Tirol-Bezüge einbauen – und natürlich auch seinen schelmischen Koschuh- Humor. Bei Lesungen von „Mander, s’isch Zeit“ (=berühmtes Zitat von Tirols Freiheitskämpfer Andreas Hofer) nimmt er das Publikum mit in eine ganz eigene Welt: Tiroler Gallier treffen auf wienerisch sprechende Römer.

Ein schönes Detail: Ohne die Zusammenarbeit mit Yvonne Kathrein vom Tiroler Dialektarchiv wäre das Projekt gar nicht möglich gewesen - sie hat eine eigene Schreibweise für die Tiroler Dialekte gefunden. Aktuell ist Koschuh mit seinem Erste-Hilfe-Kabarettprogramm „Rette sich, wer kann“ quer durchs Land unterwegs.

Tiroler Woche der Literatur - Sichtbarkeit für eine lebendige Szene

Je mehr ich mich mit diesen und anderen Autorinnen und Autoren beschäftige, desto klarer wird mir: Tirol hat literarisch unglaublich viel zu bieten.

Es sind nicht nur einzelne Namen, sondern ein ganzes Netzwerk an Stimmen, die sich gegenseitig inspirieren und stärken – zum Beispiel in der IG Autorinnen und Autoren Tirol.

Heuer fand erstmals die Tiroler Woche der Literatur statt (16.–22. März 2026). Ziel war es, genau diese Vielfalt sichtbar zu machen: von Lyrik bis Krimi, von Slam Poetry bis Schauspiel, von bekannten Namen bis zu neuen Stimmen.

Und was mir besonders hängen geblieben ist: Wie wichtig Begegnung für Literatur ist.

Auch Buchhandlungen und Büchereien waren Teil davon – mit Büchertischen und Lesungen, die Literatur ganz selbstverständlich in den Alltag geholt haben.

Mein persönliches Fazit: Literatur in Tirol ist nicht fern oder elitär. Sie ist nah, vielfältig und mitten im Leben. Und genau das macht sie so besonders. 

In einem anderen Blogbeitrag sind noch weitere Innsbrucker Autoren im Portrait.

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