28 november 2025
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In Innsbruck gibt's, was anderswo nicht zu kriegen ist: Sightseeing auf Schienen. Drei Strecken machen es möglich, die Stadt selbst und das Umland komfortabel und stressfrei von einem Waggon aus zu erkunden. Ganz einfach mit den öffentlichen Straßenbahnen und Zügen. Kein Wunder auch, dass alle drei Strecken steil nach oben führen. Zwei davon verbinden Innsbruck mit den südlich gelegenen Gemeinden,  eine weist in den Norden.

Keine Frage: die Höhenunterschiede machen die drei Bahnlinien zu exklusiven Attraktionen. Die Karwendelbahn überwindet inmitten schroffer Felsen vermittels kühner Brücken und Tunnels rund 600 Höhenmeter zwischen Innsbruck und Seefeld. Um das südlich gelegene Innsbrucker ‚Mittelgebirge‘ zu erreichen haben gleich zwei Bahnlinien erst eine Geländestufe mit etwa  300 Höhenmetern zu überwinden um den großartigen Blick auf Innsbruck frei zu geben. Dass es ein östliches und ein westliches Mittelgebirge gibt ist dem Sillfluss zu danken, der die Geländestufe durchschneidet. 

1. Eine Innsbrucker Kultstrecke: Die ‚Iglerbahn‘

Ich beginne mit einer wahren ‚Kultstrecke‘, nämlich der Innsbrucker Straßenbahnlinie 6. Sie führt auf das östliche Mittelgebirge. Umsteigefrei gelangt man vom Stadtteil Saggen aus zuerst in das ‚Herz von Innsbruck’ um anschließend via Wilten (auch ein Stadtteil) über den sogenannten ‚Paschberg’ nach Igls zu führen. Vorbei an  Schloss Ambras mit seinem märchenhaften Park, einem mystischen Stein in Tantegert und den wunderschön gelegenen Orten Aldrans, Sistrans und Lans mit dem Lansersee führt die Linie 6 gemütlich nach Igls. Kaum zu glauben, aber kurzzeitig geriet die ‚Iglerbahn‘, wie sie im Volksmund heißt, gar in Gefahr, aufgelassen zu werden.  Diese Gefahr ist gottseidank gebannt. 

Waldbahn und Kulturbahn

Mit der Wiederbelebung der uralten Bahnverbindung zwischen Innsbruck und Igls wurde auch ein neuer Name für diese außergewöhnliche Straßenbahnstrecke gefunden: sie ist zur ‚Waldbahn‘ geworden. Führt sie doch großteils durch einen dichten Fichtenwald um an den baumlosen Stellen sensationelle Blicke auf die Nordkette und das Bettelwurfmassiv zu gewähren. Für mich hat diese Bahnstrecke für Touristen zwei Bedeutungen: sie ist einerseits eine ‚Kulturbahn’ und andererseits eine ‚Sportbahn’. Denn die historische Straßenbahnlinie - sie ist immerhin 125 Jahre alt - ist zu allen Jahreszeiten attraktiv.

Kulturbahn deshalb, weil in unmittelbarer Nähe der Haltestelle in Tantegert ein Beleg dafür existiert, dass bereits prähistorische Menschen diesen Berg schätzten. Ein großer ‚Schalenstein‘ gibt Zeugnis davon, dass dieser Platz schon vor tausenden von Jahren kulturell bedeutsam war. 

Als Sportbahn ist die Waldbahn für allem für Spaziergänger, Radfahrer und im Winter für Winterwanderer bedeutsam. Während der Lanser See im Sommer ein nahezu magischer Anziehungspunkt für Sonnenhungrige und Wasserratten ist, ist das Hochplateau zwischen Igls und Sistrans für Winterwanderungen geradezu ideal. Deshalb kommt der Linie 6 die Aufgabe zu, sportive Menschen direkt an jene Plätze zu bringen, die für Sport- und Freizeitgestaltung ideal sind. Ich fühle mich hier immer wieder zurück versetzt in eine Zeit, in der Igls und die umliegenden Gemeinden noch als ‚Luftkurort‘ firmierten und mit der gesunden Höhenluft warben.

Als Mountainbike-Fan ist die Waldbahn auch deshalb attraktiv, weil ich mein Fahrrad nach Igls mitnehmen darf und von dort geruhsame Rundfahrten starten kann. Etwa zum prähistorischen Kultplatz am Goldbichl mit anschließender Abfahrt über den Paschberg. Oder nach Ampass mit der Rückfahrt auf der historischen Römerstraße nach Innsbruck.

2. Mit der 'schönsten Straßenbahnlinie der Welt' ins westliche Mittelgebirge

 Eine weitere, historische Bahn ist die ‚Stubaitalbahn‘, die vom Innsbrucker Hauptbahnhof in das westliche Mittelgebirge und weiter nach Fulpmes, den Hauptort des Stubaitals führt. Seit 1904 ist sie eine gerne genutzte Möglichkeit für Touristen und Einheimische gleichermaßen, nach Natters und [/notrans]Mutters[/notrans] und weiter ins Stubaital zu gelangen. Oder eben umgekehrt.

Die Ausblicke sind, sobald die Bahn Natters erreicht hat, einmalig. Die majestätische Nordkette macht ihrem Namen alle Ehre, steht sie doch wie eine beschützende Wand vor der Landeshauptstadt. Für mich ist die Straßenbahnlinie die schönste der Welt.

Verbindung ins Stubaital

Diese Bahnlinie wurde ursprünglich für Betriebe geplant, die mit der Eisenverarbeitung im Stubaital einst eine Blütezeit feierten. Die waren nämlich um 1900 nur über sehr schlechte Straßen zu erreichen. Dass die STB, wie die Kurzbezeichnung der Stubaitalbahn lautet, heute für Besucher so attraktiv geworden ist hat mit dem touristischen Aufschwung von Natters, Mutters und dem Stubaital zu tun. Sie hat denn auch zu allen Jahreszeiten Saison: im Sommer ist sie für Badegäste und Wanderer gleichermaßen attraktiv. Einerseits als Zubringer zum Natterer See, andererseits als Ausgangspunkt  verschiedener, wunderbarer Wanderrouten im Sommer und Skigebieten in Winter. Ähnlich der Waldbahn, (der Straßenbahnlinie 6 nach Igls) hing auch über der Stubaitalbahn einst das Damoklesschwert der Auflassung. Die an der Bahnlinie gelegenen Gemeinden konnten dies 1962 jedoch verhindern. Sie gingen sogar in die Offensive: die Bahn wurde erneuert, der legendäre [/notrans]‚Mühlgrabenviadukt‘[/notrans] wurde im vergangenen Jahr sogar völlig neu errichtet.

Seit einigen Jahren ist das westliche Mittelgebirge auch aufgrund der Attraktivität der STB zu einem Hotspot für Mountainbike-Freaks im Bereich der Mutterer Alm geworden. Ich fahre meist bis zur Station ‚Mutterer Almbahn‘ und beginne dort im Gegensatz zu den ‚wilden Hunden‘ meine gemächliche Abfahrt über Mutters und Natters nach Innsbruck. Für Fans alter Bauernhäuser gibt es vor allem in Mutters einiges zu sehen, im Dorfzentrum sind Höfe wunderschön und mit viel Liebe zum Detail erhalten. Der Radweg führt dann weiter nach Natters und dem Bergisel, bevor eine eher steile Strecke nach Wilten zu bewältigen ist.

Im Winter wird die STB für Skifahrer immer atraktiver. Die Bahn ist ein idealer Zubringer zu wunderbaren Skigebieten wie der Muttereralm. Eine ausführliche Beschreibung findet sich HIER

3. Mit der Karwendelbahn durch die Martinswand

Uns modernen Menschen ist kaum noch bewusst, welche enormen Ingenieurleistungen mit der bahnmäßigen Erschließung der Tiroler Landeshauptstadt verbunden waren. Ein gutes Beispiel für die einstige Kunst der Bahn-Ingenieure ist die Karwendelbahn, die auch als Mittenwaldbahn bekannt ist. Das ist Innsbrucks Bahnlinie nach Norden. Sie ist historisch absolut bedeutsam. Bei ihrer Eröffnung im Jahre 1912 war es die erste vollelektrifizierte Bahn Österreichs. Eine Neuerung, die sogar in die Geschichte der europäischen Bahnbauten eingegangen ist.

Die kühne Streckenführung dieser Bahntrasse ist außergewöhnlich. Zuerst windet sie sich spektakulär am Hang der Nordkette entlang bei einer Steigung bis zu 38 Promille, überwindet 18 hohe Viadukte und durchfährt 16 Tunnel. Der längste Tunnel mit 1.810,23 m führt durch die Martinswand, Tirols wohl berühmteste Steilwand. In ihr verharrend hat sich Kaiser Maximilian bei einer Jagd um’s Haar 'die Zähne ausgebissen': er verharrte angeblich zwei Tage lang in der Wand. Aus der Not machte der Kaiser eine Tugend, indem er sich von einem Engel retten ließ.  Mehr über diese Geschichte findet ihr hier.

Bahnstrecke mit grandiosem Ausblick

Ich möchte nun nicht behaupten, dass man schwindelfrei sein muss um die Reise auf das Seefelder Plateau unbeschadet zu überstehen. Dennoch: Jäh abstürzende Wildbäche in Richtung Inntal und kühn aufwärts strebende Kalksteinspitzen gestalten diese Bahnreise zu einer Art ‚Erlebnisfahrt‘. Unglaublich, wie der Talboden quasi in der ‚Tiefe‘, bisweilen gar im Nebel verschwindet. Im Gegensatz dazu das Alpenpanorama, dem man plötzlich und nahezu auf Augenhöhe gegenüber sitzt: der Patscherkofel und die Spitzen der Stubaitaler Alpen mit der Serlesspitze und den Kalkkögeln, die als Nordtiroler ‚3 Zinnen’ gelten.

Legendär sind die ‚Haltestellen‘ zwischen Hötting und Reith bei Seefeld. In den kleinsten Bahnstationen halten die Züge nur dann, wenn Reisende eine Fahrtunterbrechung per Knopfdruck anmelden. Was vor allem Wanderer immer wieder tun, die sich aufmachen, die zahlreichen Wanderwege zu begehen.

Mein Tipp:

Der Bahnhof Kranebitten ist der erste Haltepunkt nach Innsbruck-Hbf in Richtung Seefeld und bietet einen guten Zugang zu einfachen Wegen im Wald über der Stadt. Diese Wanderung führt vom Bahnhof Kranebitten durch den Wald hinauf zum Alpengasthaus Rauschbrunnen auf 1.088 m. Die Tour wird als leichte Wanderung auf guten Bergwegen beschrieben, ist aber nicht für Kinderwägen geeignet.

Von Hochzirl aus führt der anspruchsvolle Adlerweg zum Solsteinhaus oder zur Neuen Magdeburger Hütte. Er ist mittelschwierig und erfordert 3 bis 4 Stunden Gehzeit mit deutlichen Höhenunterschieden.

Gratis mit dem öffentlichen Verkehr

Ein Praxistipp für Urlauber und Gäste in der Region Innsbruck: Der öffentliche Verkehr wie Bus und Bahn ist für Gäste in der kostenlosen Welcome Card ab einem Aufenthalt von zwei Nächten inkludiert. Mit dieser Gästekarte nutzt man den öffentlichen Verkehr also kostenlos. Aber Vorsicht: Gilt nur innerhalb der Grenzen der Region Innsbruck. Welche Orte dazugehören, weiß Ihr Hotel, die Mitarbeiter der Tourismus Informationen. Die Welcome Card wird von teilnehmenden Vermieterbetrieben kostenlos an ihre Gäste ausgestellt. 

Alternativ ist auch die Innsbruck Card eine Möglichkeit, den öffentlichen Verkehr gratis zu nutzen. Diese Karte ist käuflich zu erwerben und inkludiert neben den Öffis auch zahlreiche Museen und Attraktionen in Innsbruck.

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