Dass die Krippe ein weit verbreiteter Brauch in verschiedenen Ländern ist, ist bekannt. Weniger bekannt ist vielleicht, dass die Krippe mit Tirol verbunden ist. Hier blühen vor allem in den DörfernKrippenvereine auf, in denen sich Liebhaber dieser Kunst zusammenfinden: Die Mitglieder gestalten die Krippe oft mit handwerklichem Geschick selbst, malen monatelang Kulissen, bauen Hütten und schnitzen Figuren. Auf der Website desLandesverbands der Tiroler Krippenfreunde, in dem alle lokalen Vereine, die sich dieser Kunst widmen, zusammengeschlossen sind, habe ich nicht weniger als 87 gezählt! Aber was ist der Brauch der Krippeleschauen?
Detail der spätbarocken Gasser-Thomsen-Krippe im Museum für Tiroler Volkskunst in Innsbruck, Foto © Laura Manfredi
Die Wachs- und Holzfiguren der spätbarocken Gasser-Thomsen-Krippe tragen Stoffkleidung, Museum für Tiroler Volkskunst Innsbruck, Foto © Laura Manfredi
WAS BEDEUTET KRIPPELESCHAUEN?
Zur Weihnachtszeit und bis zum 2. Februar, dem Lichtmesstag, ist in vielen Tiroler Dörfern der Brauch des Krippeleschauens noch lebendig. Die Übersetzung dieses Begriffs ins Italienische lässt sich nicht mit einem einzigen Wort lösen, weil die italienische Sprache eine ganz andere Struktur hat als die deutsche. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als eine Umschreibung zu verwenden. Krippele ist ein Vezzeggiativ von Krippe, was Krippe bedeutet. Und Schauen bedeutet schauen. Krippeleschauen heißt also, dass man sich Krippen anschaut. Ähnlich wie die Hirten, die nach der Erzählung von der Geburt des Jesuskindes das Kind aufsuchen, um ihm zu huldigen, gehen auch heute noch Menschen von Krippe zu Krippe, um die Inszenierung der Geburt Jesu zu bewundern.
Krippe aus der Zeit um 1900 mit Berglandschaft, ausgestellt im Museum für Tiroler Volkskunst in Innsbruck, Foto © Laura Manfredi
Tiroler Kulisse für diese Weihnachtskrippe im Museum für Tiroler Volkskunst in Innsbruck, Foto © Laura Manfredi
EIN TOAST AUF DIE KRIPPE
Die Tradition der Krippeleschauen ist, wie gesagt, in einigen Dörfern noch sehr lebendig. Die Krippen sind allerdings in Privathäusern untergebracht, so dass man ein Einheimischer sein muss, um zu wissen, welche Glocke man läuten muss. Wie es sich für die Gastfreundschaft in dieser Gegend gehört, werden die Besucher mit einem Gläschen Schnaps begrüßt, um gemeinsam anzustoßen. Der Schnaps wird an dieser Stelle ironischerweise Gloriawasser genannt (was ich etwas grob mit Gloriawasser übersetze). Gemeint ist damit die Botschaft "Gloria in excelsis deo", die der in der Krippe über dem Kinderhäuschen "flatternde" Engel üblicherweise auf einer Schriftrolle trägt. Kürzlich hörte ich jedoch im Gespräch mit einem Krippenliebhaber aus Axams, dass der Begriff Hirtenträne für den Willkommenskelch verwendet wird. Es handelt sich dabei um Tränen der Freude und der Rührung", erklärte er.
Da man normalerweise mehrere Krippen an einem Tag besichtigt, kann man sich vorstellen, dass am Ende des Rundgangs die Trinksprüche überhand nehmen.
Ein Detail der Haller-Krippe (1824) mit Papierfiguren, Tiroler Volkskunstmuseum, Innsbruck, Foto © Laura Manfredi
Die Krippe in der Mitte der Haller-Krippe im Museum für Tiroler Volkskunst in Innsbruck, Foto © Laura Manfredi
KRIBS FÜR ALLE
Wenn Sie Krippen sehen wollen, aber gerade keine Lust haben, wie Maria und Josef auf der Suche nach einem Hotel von Tür zu Tür zu gehen, gibt es mehrere Lösungen. In Mutters sind viele Krippen in Fenstern oder Schaufenstern ausgestellt (wie Markus Mair vor einigen Jahren in einem Artikel über die Krippen in Mutters schrieb), in anderen Fällen gibt es Krippen in Restaurants oder Gasthäusern (zum Beispiel, wie Werner Kräutler in zwei seiner Artikel schreibt, im Hotel Krone in Oberperfuss oder in der Krippenherberge in Affenhausen bei Mieming).
In Zirl gibt es ein Museum, das zu einem großen Teil den Tiroler Krippen gewidmet ist, während in Innsbruck das Museum für Tiroler Volkskunst eine Krippensammlung vom Spätbarock bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts besitzt. Hier können zwei reiche spätbarocke Krippen mit Wachs- und Holzfiguren, die mit kostbaren Stoffkleidern geschmückt sind, bewundert werden. Eine davon befindet sich im zweiten Stock des Museums mit Blick auf das Innere der Hofkirche.
Die Materialien, der Stil, die Kulissen der rund 20 Krippen, die im Museum zu sehen sind, sind die vielfältigsten und zeigen, wie unterschiedlich die gleiche Geschichte - die Geburt Jesu - inszeniert werden kann. Denn eines ist sicher: Die Faszination der Krippe liegt im Detail.
Die Gurschler-Krippe (1987) ist komplett in Holz geschnitzt, Museum für Tiroler Volkskunst Innsbruck, Foto © Laura Manfredi
Musik für den kleinen Jungen! Detail der Gurschler-Krippe im Museum für Tiroler Volkskunst in Innsbruck, Foto © Laura Manfredi
NÜTZLICHE INFORMATIONEN
Tiroler Volkskunst Museum - Museum für Tiroler Volkskunst
Universitätsstraße 2, Innsbruck
Täglich von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet
Zwischen Weihnachten und Neujahr gibt es einige Schließtage. Die Öffnungszeiten finden Sie auf der offiziellen Website
Eintritt: Vollpreis 9 €, ermäßigt 7 €, frei bis 19 Jahre und mit Innsbruck Card
Heimat- und Krippenmuseum Zirl
Dorfplatz2, Zirl
Geöffnet dienstags und mittwochs von 9.00 bis 12.00 Uhr, im Jänner auch samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet
Eintritt: frei
Krippenherberge
c/o Aktivhotel Traube
Affenhausen 8, Wildermieming
Geöffnet sonntags von 13:00 bis 16:00 Uhr
Eintritt: 5 Euro, für Kinder bis 14 Jahre frei
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Eine bildende Künstlerin aus Mailand, die sich nicht nur mit Pinseln und Leinwänden beschäftigt, sondern auch gern über Kunst, Kultur, Musik, Design und Kreativität schreibt.
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