Farbenfrohe Mauern kennt man in Innsbruck typischerweise aus der Altstadt. An vielen Ecken wird der altehrwürdige Anstrich durch moderne Pigmentierung aufgelockert: Street Art bereichert das Panorama um neue Formen und Blickwinkel. Einen Einblick in die Praxis als Street Artist gibt der Tiroler Künstler HNRX im Kurzinterview am Ende des Beitrags.
Graffiti von Vesuv bis Nordkette
“Methe liebt Chrestus” steht da auf der Wand, hingekritzelt von mitteilungsbedürftigen Liebenden. Die Wände strotzen vor Graffiti und eingeritzten Botschaften, man kennt das ja aus großen Städten. Die Sache ist die: Wir reden hier nicht von einer Unterführung in Innsbruck, sondern von einem Fußgängerkorridor in Pompeji, das 79 n.Chr. vom Ausbruch des Vesuv ausgelöscht wurde. Man könnte also mit Fug und Recht behaupten, dass Menschen schon lange das Bedürfnis hegen, der Öffentlichkeit ein Stück weit ihren Stempel aufzudrücken. Nur, dass wir heute vermutlich in einem breiteren Spektrum zwischen Schmiererei und Meisterwerk differenzieren, frei nach dem Motto “Ist das Kunst oder kann das weg?”. Sehen wir uns die Lage zwischen Nordkette und Patscherkofel doch etwas genauer an.
Street Art unter der Lupe
Eins vorab: Mir war lange nicht klar, wie viel Street Art es in Innsbruck gibt (und dass sie so schwer ohne vorbeihuschende Fahrräder zu fotografieren ist). Die meisten der Beispiele, die Sie in diesem Beitrag sehen, lassen sich übrigens auch mit dem Rad wunderbar abklappern. Mit Street Art sind in diesem Zusammenhang Bildnisse an Wänden gemeint, die entweder per Pinsel, Spraydose, Plakat oder Sticker entstanden sind. Die Definitionen von Street Art, Graffiti, Urban Art und Co. sind bestenfalls als schwammig zu bezeichnen, oft werden die Begriffe Synonym verwendet. Kunst im öffentlichen Raum kann vieles sein. Street Art ist dabei meist weniger von reiner Schrift geprägt und permanent, beim Motiv ist erlaubt, was gefällt. Eine tiefere Botschaft ist keine Voraussetzung für Street Art. Allein die Tatsache, dass sich jemand auf einer öffentlichen Wand verwirklicht, sagt etwas aus - frei nach dem Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan, wonach das Medium die Botschaft sei.
Street Art darf viel: Von haushoch und bunt bis hin zu klein und gedämpft. © Theresa Kirchmair
© Theresa Kirchmair
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© Theresa Kirchmair
© Theresa Kirchmair
© Theresa Kirchmair
© Theresa Kirchmair
© Theresa Kirchmair
Legal? Illegal? Nicht egal.
Das klingt nach trockener Theorie, lässt sich aber leicht erklären. Wird mit dem Pinsel ein großflächiges Motiv auf Leinwand gebannt, ist das an sich nichts kontroversielles. Fabriziert der gleiche Pinsel das gleiche Motiv aber wortwörtlich haushoch auf eine Wand, sind die Fragen gleich andere. Dürfen die das? Muss das sein? Was macht das mit dem Stadtbild?
Wir wollen uns hier ohnehin eher mit den Kunstwerken auseinandersetzen, die auf dafür freigegebenen Flächen entstanden sind. In Innsbruck ist gibt es eine Liste mit allen Flächen der Stadt, die entweder jederzeit oder nach Genehmigung gestaltet werden dürfen. Von allem, was nicht auf dieser Liste steht oder anderweitig mit Eigentümer:innen abgesprochen ist, sollte man lieber das Werkzeug der Wahl lassen. Die Stadt Innsbruck stellt übrigens auch eine Karte bereit, auf der Kunstwerke im öffentlichen Raum eingezeichnet sind (viel Spaß beim Suchen!), sowie Infos rund um das Street Art Stipendium, das alle zwei Jahre vergeben wird.
Die Schöpfer:innen dieser Werke dürften keinen Ärger mit der Stadt bekommen. Auf dem rechten Foto sieht man klein die Plakette, auf der erklärt wird, dass diese Fläche nur nach Genehmigung gestalten werden darf. © Theresa Kirchmair
Per Du mit Innsbruck Wänden
Ich lebe seit zehn Jahren in Innsbruck und sehe mir immer wieder gern an, wie sich die bekannteren Street Art Spots verändern. Sie haben ihr Eigenleben: Kunst kommt und verschwindet, Zusätze tauchen auf, Plakate und Sprühereien verdecken einen Teil. Einer, dessen Werke mir regelmäßig ins Auge gesprungen sind, ist der Tiroler Künstler Maximilian Prantl, aka HNRX. Er hat mir einen kleinen Einblick ins sein Schaffen gegeben:
Was verleiht deinem Stil seinen Wiedererkennungswert?
Welche Fläche in Innsbruck würdest du gerne gestalten, wenn du es dir frei aussuchen könntest?
Wie fühlt es sich an, die eigene Kunst im öffentlichen Raum zu sehen? Fallen dir deine Werke noch auf, wenn du daran vorbeigehst?
HNRX: Sicher! Der Weg dahin ist zu lang: Um dahin zu kommen, muss man erst den richtigen Ort finden, die Genehmigungen einholen, der Entwurf, die Umsetzung, für die man auch wieder drei bis vier Tage vor Ort ist. Man fühlt sich dem Ort sehr verbunden, da viele Emotionen dranhängen. Man kann sich gar nicht vorstellen, was alles vor Ort passiert, man baut eine richtige Beziehung dazu auf.
Macht es für dich einen Unterschied, ob deine Werke auf der Straße oder in einer Ausstellung zu sehen sind?
Zeige mir den Ort auf der Karte
Begeisterungsfähige Tirolerin mit einem Hang zum Absurden. Springt gern über Mauern und nutzt die resultierenden blauen Flecken dann als Rorschachtest.
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