© Elisabeth de Koekkoek
Ein reich gedeckter Frühstückstisch: knuspriges Brot, cremige Butter, Joghurt, würziger Käse und ein frisches Ei. Herrlich, oder? Doch wie oft denken wir eigentlich darüber nach, wo all diese Lebensmittel herkommen? Wie kommt das Ei vom Hühnernest auf den Frühstücksteller – und die Milch ins Müsli?
Natürlich wissen wir es theoretisch. Aber wann haben wir zuletzt selbst ein Ei aus dem Nest geholt oder eine Kuh gemolken? Also ich – und das, obwohl ich im Dorf aufgewachsen bin – noch nie. Umso schöner ist die Gelegenheit, einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und selbst Hand anzulegen: Jeden Montag um 16:30 Uhr lädt ein echter Biobauernhof in Mutters Kinder und Familien dazu ein, den Hofalltag hautnah zu erleben.
Mutters: Eines der schönsten Dörfer Tirols
Mutters gehört für mich zu den schönesten Dörfern Tirols, besonders im Sommer. Es liegt nur wenige Kilometer südlich von Innsbruck und ist sowohl mit den Öffis als auch mit dem Auto unkompliziert zu erreichen. Mit meiner Familie zieht es uns vor allem auf die Muttereralm – ein echtes Paradies für Biker, Wanderer und Familien. Das Dorf selbst haben wir dabei bisher allerdings eher nicht so oft besucht. Meist sind wir einfach durch Mutters hindurchgefahren und erst am Parkplatz der Muttereralm ausgestiegen. Ein Fehler, wie ich mittlerweile finde. Denn Mutters ist ein kleines, idyllisches Dorf, das besonders im Sommer seinen ganz besonderen Charme zeigt. Dann blüht es wirklich überall: Ein Haus ist liebevoller geschmückt als das nächste, selbst die Straßenlaternen tragen Blumenschmuck. Ob es dafür einen geheimen Wettbewerb gibt oder ob die Bewohner einfach besonders viel Freude am Schmücken haben? Ich weiß es nicht. Fest steht jedenfalls: Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nicht umsonst wurde Mutters bereits zweimal als „Schönstes Dorf Tirols“ ausgezeichnet.
Spannend für Groß und Klein: Zu Besuch am Bio-Bauernhof
Der Bio-Bauernhof [/notrans]Mesneranderl[/notrans] liegt mitten im Zentrum von Mutters, direkt an der Dorfstraße und gleich neben der Tourismusinformation – hier ist auch der Treffpunkt für die Bauernhof-Führung. Ich war mit meinem zehnjährigen Sohn dabei. Schon beim ersten Blick auf die Gruppe dachte ich: „Oh, das kann ja was werden. Hoffentlich langweilt er sich nicht“, denn er war mit Abstand das älteste Kind. Aber weit gefehlt! So viel kann ich gleich vorwegnehmen: Die Führung war wirklich richtig spannend – und zwar für alle. Egal, ob Kleinkind, Volksschulkind oder Erwachsene – auf dem Bauernhof gibt es für jeden etwas zu entdecken, zu lernen und natürlich auch selbst auszuprobieren.
Gleich zu Beginn: Wieder etwas Neues gelernt
Zu Beginn bekommen wir eine kurze Einführung und erfahren ein bisschen mehr über den Hof. Der Mesneranderl ist ein sogenannter Mittertennhof. Für alle, die – so wie ich – nicht wissen, was sich hinter diesem Begriff verbirgt: Dabei handelt es sich um eine in Tirol verbreitete historische bäuerliche Bauform, bei der Wohnhaus, Stall und Tenne unter einem einzigen Dach vereint sind. Wieder etwas dazugelernt! Gesehen habe ich solche Höfe natürlich schon oft – allerdings ohne zu wissen, dass sie einen eigenen Namen haben. Und auch beim Mesneranderl gibt es noch eine Besonderheit: Der Hof ist ein Erbhof. Darauf kann die Familie zu Recht stolz sein, denn die Bezeichnung bedeutet, dass der Hof bereits seit mindestens 200 Jahren von derselben Familie bewirtschaftet wird.
Besuch bei den Hühnern
Jetzt geht’s aber wirklich los zu den Tieren – und die sind zu meiner Überraschung gar nicht direkt am Hof. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg und ich bin schon wieder ganz angetan davon, wie wunderschön Mutters im Sommer ist. Unser erster Besuch führt zu den Hennen und Schweinchen. Und ich muss sagen: Wenn man als Huhn wiedergeboren wird, dann bitte beim Mesneranderl! Die Hennen dürfen hier frei herumlaufen, scharren, picken und einfach Huhn sein. Während wir ihnen zuschauen, erfahren auch wir wieder einiges Neues. Zum Beispiel, dass man tatsächlich an der Ohrscheibe eines Huhns – dem kleinen Ohrläppchen unterhalb des Auges – erkennen kann, welche Farbe seine Eier haben werden. Hühner mit weißen Ohrscheiben legen meist weiße Eier, jene mit roten Ohrscheiben überwiegend braune.
Hier dürfen Hennen noch Hennen sein. © Elisabeth de Koekkoek
Die Mama hat immer ein Auge auf ihre Küken. © Elisabeth de Koekkoek
Einmal streicheln, bitte
Auch über das Brüten lernen wir Spannendes: Rund 21 Tage sitzt eine Henne auf ihren Eiern. Mein Sohn schaut ungläubig: „Was, die bleiben 21 Tage einfach sitzen?“ Carina erklärt uns, dass die Mama-Hennen sogar zum Fressen und für ihre kleinen „Toilettenpausen“ animiert werden müssen. „Wow, da geh ich lieber ins Schwimmbad“, lautet das wenig überraschende Urteil meines Sohnes. Anschließend dürfen die Kinder die Hühner füttern und sogar die kleinen Küken vorsichtig in die Hand nehmen. Es ist entzückend zu beobachten, wie behutsam selbst die Kleinsten dabei vorgehen. Auch die Schweine dürfen gestreichelt werden – wobei diese kein allzu großes Interesse daran zeigen. Die lassen sich ungern vom Fressen abhalten.
Anfassen erlaubt – aber bitte vorsichtig! © Elisabeth de Koekkoek
Bauernhof-Führung für Kinder und Familien in Mutters © Elisabeth de Koekkoek
Es darf mitgeholfen werden: Hier werden fleißig die Eier eingesammelt. © Elisabeth de Koekkoek
Eier in allen Farben – sogar in Blau. Da spart man sich zu Ostern das Färben! © Elisabeth de Koekkoek
Warum Ringelschwänzchen keine Selbstverständlichkeit sind
Dann wird es kurz ernst: Carina macht uns darauf aufmerksam, dass die Schweinchen hier ihre Ringelschwänzchen noch haben. In der konventionellen Schweinehaltung werden diese hingegen teilweise kupiert, um das sogenannte Schwanzbeißen zu verhindern. Dabei handelt es sich um eine schmerzhafte Verhaltensstörung, die unter anderem durch Stress, Platzmangel und Reizarmut entstehen kann. Mich macht das ehrlich gesagt wütend. Denn einmal mehr wird deutlich, welchen Unterschied die Haltung für das Wohlbefinden der Tiere macht – und wie wichtig es ist, sich bewusst anzuschauen, wo und unter welchen Bedingungen unsere Lebensmittel entstehen.
Ein zufälliger Schnappschuss – denn eigentlich wollten die Schweinchen nur eins: fressen! © Elisabeth de Koekkoek
Bio – aber wirklich
Damit wären wir auch schon beim nächsten Thema: Bio. Für Carina und ihre Familie ist das nämlich weit mehr als nur ein Trend – Bio wird tatsächlich gelebt und zwar in allen Bereichen. Die Felder werden nicht gespritzt, und das Unkraut wird noch von Hand gejätet. Eine unglaubliche Arbeit, die sich laut Carina aber lohnt: „Bei uns lebt der Boden noch. Hier tummeln sich Insekten und zwischen den Getreidehalmen blühen Blumen.“ Darüber hinaus ist der Bio-Bauernhof Mitglied beim „Tiroler Getreide Projekt“, einer Initiative, die den Anbau alter, regionaler und klimaresistenter Getreidesorten fördert.
Ab in den Kuhstall
Die Bauernhof-Führung endet wieder am Hof selbst – genauer gesagt im Kuhstall, wo bereits das nächste Highlight auf die großen und kleinen Besucher wartet. Denn wer hatte schon einmal die Gelegenheit, eine Kuh mit den eigenen Händen zu melken? Also ich nicht. Und ehrlich gesagt habe ich mich auch dieses Mal nicht getraut. Ganz anders mein Sohn: Der hat gleich richtig zugepackt und sich ans Melken gewagt. Ich war natürlich megastolz auf ihn! Auch beim Füttern durften wir mithelfen. Und ich glaube, die Kühe haben sich auch sehr über das zusätzliche Gras und Heu gefreut.
Schon mal eine Kuh von Hand gemolken? © Elisabeth de Koekkoek
Normalerweise kommt aber doch die Melkmaschine zum Einsatz. © Elisabeth de Koekkoek
Zum Schluss noch in den Hofladen
Bevor es wieder nach Hause geht, empfehle ich auf jeden Fall noch einen Abstecher in den Hofladen. Nicht alle Produkte stammen direkt vom Mesneranderl, aber sie kommen allesamt aus der Region. Hier kann also mit gutem Gewissen nach Herzenslust eingekauft werden – und so wandert vielleicht auch gleich ein Stück Bauernhof-Erlebnis mit nach Hause.
Viel mehr als „nur“ Tiere kuscheln
Die Bauernhof-Führung für Kinder und Familien in Mutters kann ich euch jedenfalls wärmstens empfehlen. Und sie ist mit Sicherheit nicht nur für unsere Gäste interessant, sondern genauso für Einheimische. Für mich war die Führung weit mehr als nur ein bisschen Tiere streicheln: Sie zeigt auf sehr anschauliche Weise, wo unsere Lebensmittel eigentlich herkommen, wie viel Arbeit dahintersteckt und welchen Unterschied es macht, wie Tiere gehalten und ein Hof bewirtschaftet werden. Gerade wenn einem das Tierwohl am Herzen liegt, lohnt sich dieser Blick hinter die Kulissen ganz besonders.
Alle Infos auf einen Blick
Wann: jeden Montag um 16:30 Uhr
(Stand August 2026. Aktuelle Infos bitte in der Tourismus Information Mutters nachfragen)
Ausrüstung: Feste Schuhe und Kleidung, die auch mal ein bisschen Stallstaub vertragen kann!
Treffpunkt: Tourismus Information Mutters, Schulgasse 1 | 6162 Mutters
Preis: Preis mit Welcome Card: 5 bis 10 Euro. Die gültige Welcome Card ist vor Beginn der Bauernhofbesichtigung vorzuweisen! Kinder bis 4 Jahre frei.
Teilnahme auch ohne Welcome Card möglich.
Mindestteilnehmer: 4
Mama, Serienjunkie und Naturmensch mit einer großen Vorliebe für gutes Essen und die Berge!
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