© Ligges - Thomas Steinlechner
Für viele ist der Herbst die liebste Jahreszeit. Oder vielleicht kommt es mir auch nur so vor – aber meine Instagram-„For You Page“ ist gerade voll mit Herbstinspiration: Outfit-Ideen, Ausflüge und natürlich jede Menge Rezepte. Denn wenn die Tage kürzer und die Abende länger werden und die Lust wächst, es sich daheim gemütlich zu machen, darf eines nicht fehlen: gutes Essen! Und welche Frucht passt besser zum Herbst als der Apfel? Kaum ein anderes Obst lässt sich so vielseitig verarbeiten: Apfelstrudel, Apfelkuchen, Apple Crumble, Apfelpalatschinken … Schon beim Schreiben läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Genau deshalb widmen wir diesen Beitrag dem Apfel: Wo wächst er eigentlich? Wie kommt er vom Baum in den Supermarkt? Was passiert zwischen Blüte und Ernte? Und natürlich: Was lässt sich alles daraus machen?
15.000 Apfelbäume und ein Familienbetrieb
Meine Recherche hat mich nach Flaurling geführt. Genauer gesagt zu Angelika und Wulf Ligges vom Ligges Obstbau. Die beiden bewirtschaften ihren Familienbetrieb mit insgesamt drei Obstanlagen auf rund fünf Hektar Fläche. Vielleicht könnt ihr euch unter fünf Hektar genauso wenig vorstellen wie ich. Wenn ich euch aber verrate, dass hier rund 15.000 Apfelbäume mit 15 unterschiedlichen Apfelsorten wachsen, wird das Ganze schon etwas greifbarer. Und Äpfel sind längst nicht alles: Beim Ligges-Obstbau wachsen außerdem Birnen – darunter die Sorte Williams –, Zwetschken und Walnüsse. Der Schwerpunkt liegt aber ganz klar auf dem Apfel.
So schmeckt der Herbst! Was lässt sich aus diesen leckeren Äpfeln wohl am besten zaubern? © Elisabeth de Koekkoek
Äpfel sind kleine Vitaminbomben, enthalten Ballaststoffe und Antioxidantien, die den Körper schützen und unterstützen! © Elisabeth de Koekkoek
Vom Mediendesigner zum Obstbaumeister
Angelika und Wulf Ligges kümmern sich gemeinsam um den Ligges Obstbau und sind dabei ein eingespieltes Team. Für die Obstanlagen ist allerdings vor allem Wulf verantwortlich – schließlich hat er sein Handwerk von Grund auf gelernt. Der studierte Mediendesigner absolvierte nach der Hof-Übernahme von seinem Onkel zusätzlich die Ausbildung zum Obstbaumeister. Heute bewirtschaftet er die fünf Hektar großen Obstanlagen weitgehend im Alleingang. Lediglich während der Erntezeit bekommt Wulf Unterstützung. „In den Erntemonaten haben wir Hilfe. Da kommen schon seit Jahren vier Männer aus Mazedonien, zu denen sich mittlerweile schon fast eine Freundschaft entwickelt hat“, erzählt Wulf.
Kaum zu glauben, aber wahr: Jeder einzelne Apfel wird bis heute von Hand geerntet! Dahinter steckt so viel Arbeit und Liebe zum Detail. © Ligges - Thomas Steinlechner
Apfelernte ist echte Handarbeit
Ehrlich gesagt hatte ich vom Obstbau bisher keine Ahnung. Meine Mama hat zwar einen Apfelbaum im Garten, aber wie viel Arbeit hinter der professionellen Apfelernte steckt und wie sorgfältig dabei vorgegangen werden muss, hätte ich mir nie gedacht. „Wir ernten alles von Hand“, erklärt Wulf. Und damit ist es längst nicht getan: Jede Baumreihe wird mehrmals durchgegangen, denn jeder einzelne Apfel wird genau unter die Lupe genommen. Ist er schon reif? Kann er geerntet werden? Erst wenn alles passt, kommt er vom Baum. Dabei darf man die Äpfel auch nicht einfach pflücken oder gar herunterreißen. Sie werden vorsichtig vom Baum gedreht, damit der Stiel erhalten bleibt. Auch Druckstellen und Fingerabdrücke gilt es unbedingt zu vermeiden – schließlich sollen die Äpfel möglichst lange lagerfähig bleiben. Und gerade wenn die Äpfel später im Handel landen, sind die Ansprüche hoch: Sie sollen nahezu perfekt aussehen. Größe, Form und Oberfläche müssen stimmen. Beim Ab-Hof-Verkauf ist das etwas entspannter – denn am Ende zählt vor allem eines: der Geschmack.
Kleine Helfer, große Hilfe
„Uns ist es auch wichtig, mit Nützlingen zu arbeiten“, erzählt mir Angelika. Die Familie Ligges arbeitet nach den Richtlinien der „Integrierten Produktion“ und setzt dabei auf ein möglichst natürliches Gleichgewicht in den Obstanlagen. So arbeiten sie mit Imkern zusammen, stellen Nistkästen bereit und schichten Steinhäufen auf, die Tieren wie Mauswieseln oder Nattern als Unterschlupf dienen. Kleine Helfer leisten einen wichtigen Beitrag: Nützlinge wie Marienkäfer oder Florfliegen unterstützen die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit der Pflanzen. Pflanzenschutzmittel werden deshalb nur sehr sparsam eingesetzt.
Der Klimawandel macht auch vor Flaurling nicht halt
Aber manchmal spielt die Natur auch den Obstbauern nicht in die Karten. Angelika und Wulf erinnern sich an Unwetter, die beinahe die gesamte Ernte zerstört hätten. Frost im Frühjahr oder Hagel im Sommer können für die Obstbäume und damit auch für die Ernte verheerende Folgen haben. Mittlerweile wissen sich die beiden aber zu helfen: Frostberegnungsanlagen schützen die empfindlichen Blüten vor eisigen Temperaturen, und Hagelnetze bewahren die Äpfel im Sommer vor schweren Schäden. Ganz ausschließen lässt sich das Risiko trotzdem nicht. Denn auch am Ligges-Hof zeigt sich: Der Klimawandel macht die Arbeit im Obstbau nicht einfacher und stellt die Landwirte jedes Jahr vor neue Herausforderungen.
Regional, frisch, köstlich: der Hofladen
Wer Äpfel genauso liebt wie meine Familie und ich und für wen der Herbst erst dann so richtig schön ist, wenn ein Stück Apfelkuchen auf dem Teller liegt, dem kann ich einen Besuch beim Ligges Obstbau auf jeden Fall empfehlen. Im Selbstbedienungs-Hofladen, der täglich von 7:00 bis 19:00 Uhr geöffnet ist, gibt es natürlich jede Menge frische Äpfel. Und die kann ich euch wirklich ans Herz legen: Man schmeckt den Unterschied einfach. Die Äpfel kommen direkt aus den eigenen Obstanlagen und müssen nicht erst tausende Kilometer zurücklegen, bevor sie bei uns landen. Neben frischem Obst gibt es auch jede Menge Köstlichkeiten rund um den Apfel – von getrockneten Apfelchips, sogar mit Schokolade überzogen, bis hin zu Apfelsaft. Dazu kommen Produkte von Bauern aus der Region, zum Großteil sogar aus Flaurling: Wurst- und Milchprodukte, Honig und vieles mehr.
Im Hofladen findet ihr allerlei Leckereien rund um den Apfel: vom Saft über knusprige, getrocknete Apfelchips bis hin zu regionalen Produkten direkt vom Bauern. © Elisabeth de Koekkoek
selbstgemachter Apfelsaft © Elisabeth de Koekkoek
Selbst Hand anlegen: Äpfel pflücken beim Ligges
Laut Social Media steht „Apple Picking“ auf beinahe jeder Herbst-Bucket-List. Auch auf eurer? Dann habt ihr am Samstag, dem 26. September 2026, und Samstag, dem 17. Oktober 2026, die Gelegenheit dazu. Wulf und Angelika öffnen ihren Apfelgarten für Groß und Klein. Am ersten Termin warten die Sorten Gala, Topaz und Elstar darauf, gepflückt zu werden, im Oktober folgen Mariella und Pinova. Am besten bringt ihr eure eigenen Körbe, Taschen oder Steigen mit, damit ihr richtig viel pflücken könnt. Ein Kilo Äpfel kostet heuer € 2,50, ab 15 Kilo nur noch € 2,00. Und weil Apfelpflücken hungrig macht, ist natürlich auch für Speis und Trank gesorgt. Parkmöglichkeiten gibt es beim ausgewiesenen Platz am Unteren Weglänger. Von dort sind es am 26. September nur wenige Minuten bis zum Apfelgarten. Am 17. Oktober werden die Gäste sogar per Kutschenanhänger am Oldtimer-Traktor dorthin chauffiert. Wer öffentlich anreist, kann den Bahnhof Flaurling nutzen – von dort sind es etwa zehn Gehminuten bis zum Apfelgarten.
Äpfel selber pflücken: Ein echtes Erlebnis für die ganze Familie! Raus in die Natur, die schönsten Früchte direkt vom Baum aussuchen und gemeinsam Körbe füllen – schöner kann der Herbst kaum sein © Ligges - Thomas Steinlechner
Die Drehscheibe für Tiroler Obst
Neben dem Ligges Obstbau gibt es in Tirol natürlich noch viele weitere Obstbauern, die ihre Äpfel vermarkten. Manche davon machen zunächst einen Abstecher ins Obstlager Haiming – genauer gesagt zur Erzeugerorganisation Oberinntalobst. Sie ist die größte Vermarktungsplattform für Tiroler Obst und eine wichtige Drehscheibe für die kleinstrukturierten Obstbaubetriebe der Region. Gegründet wurde die Organisation 1991 von zehn Obstbauern aus Haiming, Silz und Stams. Heute gehören 22 Bauern aus dem Oberinntal und aus Osttirol dazu. Gemeinsam bewirtschaften sie rund 60 Hektar mit etwa 180.000 Obstbäumen.
22 Bauern, zwei Regionen, eine Leidenschaft: Aus dem Oberinntal und Osttirol wandert eine riesige Sortenvielfalt direkt ins Obstlager Haiming! © Elisabeth de Koekkoek
Rund 10 Millionen Stück Äpfel machen das Obstlager zur größten Drehscheibe für Obst in Nordtirol! © Elisabeth de Koekkoek
Zehn Millionen Äpfel auf dem Weg in den Handel
Und jetzt kommt eine weitere beeindruckende Zahl: zehn Millionen Äpfel! So viele werden jedes Jahr in Haiming eingelagert und von dort an den Tiroler Lebensmittelhandel und die Gastronomie verteilt. So viel Obst braucht natürlich Platz: auf rund 6.000 Quadratmetern und in 15 Kühlräumen finden die Äpfel optimale Bedingungen. Eine moderne Sortieranlage sortiert die Früchte computergesteuert nach Gewicht und Farbe. Wie wir ja bereits vom Ligges Obstbau gelernt haben, müssen Äpfel für den Handel nahezu makellos sein. Mithilfe einer optischen Vermessung werden deshalb auch Druckstellen und andere Schönheitsfehler erkannt und aussortiert.
s’Ladele: Regionale Äpfel schmecken am besten!
Seit der Gründung hat sich einiges getan: Die Lagerkapazität wurde auf 1,5 Millionen Kilogramm erweitert und die Anbauflächen der angeschlossenen Betriebe haben sich etwa verdreifacht. Die Äpfel tragen das Gütesiegel „Qualität Tirol“ – ein Zeichen für regionale Herkunft und Qualität. Wer die Tiroler Äpfel direkt vor Ort kaufen möchte, kann auch im s'Ladele (="kleines Geschäft") des Obstlagers vorbeischauen. Neben Äpfeln und frisch gepresstem Apfelsaft gibt es dort weitere regionale Produkte wie Schnaps, Liköre, Erdäpfel, Würste, Speck und Honig. Äpfel und Saft sind außerdem rund um die Uhr im SB-Kastl (=Selbstbedienungsschrank) erhältlich.
Und was mache ich jetzt mit all den Äpfeln?
Zu guter Letzt verrate ich euch natürlich noch, wie ihr die Äpfel, die ihr entweder selbst fleißig gepflückt oder gekauft habt, am besten verwertet. Ich persönlich liebe es, die Äpfel einfach in der Pfanne anzubraten und anschließend auf mein Joghurt oder meinen Skyr zu geben – das wohl beste und schnellste warme Frühstück! Gerade an einem kühlen Herbsttag ist das einfach eine kleine Wohltat. Dafür gebt ihr eine kleine Menge Kokosöl in eine Pfanne und erhitzt es. Dann kommen Zimt und, wer mag, noch etwas Lebkuchengewürz und Ingwer dazu. Kurz anrösten und anschließend die dünn geschnittenen Apfelspalten in die Pfanne geben. Alles anbraten, bis die Äpfel schön weich sind – ich liebe es! Aber natürlich gibt es noch viele weitere köstliche Möglichkeiten, eure Äpfel zu verwerten. Dafür schaut am besten auch bei Nadja vorbei. Sie zeigt euch, wie der perfekte Apfelstrudel gelingt, oder wie wäre es mit einem saftigen Apfel-Schokoladen-Gugelhupf? Oder mit einem Gericht, das wohl die meisten Tiroler mit ihrer Kindheit verbinden: leckeren Apfelradln.
Informationen
Ligges Obstbau
Salzstraße 15, 6403 Flaurling
Tel.: +43 (0)5262 209 10
E-Mail: [email protected] [email protected]
Homepage
Instagram
Infos zum Selberpflücken
Obstlager Haiming
Erzeugerorganisation Oberinntalobst GmbH: Wiesrainstraße 13, 6425 Haiming
Tel.: +43 (0) 664 3408802
E-Mail: [email protected]
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Mama, Serienjunkie und Naturmensch mit einer großen Vorliebe für gutes Essen und die Berge!
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