31 October 2025
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Hinter der wunderschönen blassrosa gehaltenen Barockfassade eines Hauses in der Innsbrucker Altstadt verbirgt sich eine Art ‚historisches Erlebnishotel’. Dessen Sanierung ist zu einem Musterbeispiel für die qualitativ hochwertige touristische Nutzung uralter Bausubstanz geworden. 

Ein Haus mit Charakter

In der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt ist eines der ältesten Innsbrucker Bürgerhäuser quasi ‚wieder auferstanden‘: das Haus Hofgasse 5 mit seiner einzigartigen, barock bemalten Fassade. Das einst vornehmste Haus am Platz wurde in das hochmoderne Appartment-Hotel 'H5' mit 22 Suiten verwandelt. Die Gäste können den historischen Atem des Hauses auf Schritt und Tritt spüren. Sie wohnen nämlich in einer Art Museum.

Ein Meilenstein des Denkmalschutzes

Zu verdanken ist diese ‚Wiedergeburt‘ der Stiebleichinger GmbH (sie führt unter anderem das Hotel Grauer Bär) und dem Bundesdenkmalamt mit seiner Dependance in Innsbruck. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit darf durchaus als eine Art ‚Meilenstein’ für die Sanierung historischer Bausubstanz in der Innsbrucker Altstadt bezeichnet werden.

Die Innsbrucker Hofgasse, östlich des Goldenen Dachls gelegen, ist eine der ältesten und vor allem historisch wichtigsten Gassen der Stadt. Sie war im Mittelalter die Hauptverbindung zwischen Stadtplatz und Hofburg. Nicht zu vergessen die Funktion dieser Gasse als Handelsweg von und zur Münzstätte und den Salzvorkommen im Nachbarstädtchen Hall. Sie wird durch das Saggen- oder das einstige Wappentor abgeschlossen. Und - früher ganz wichtig: das Haus grenzt direkt an die Hofburg.

Seit 1392: „Wolerpaut, schene Zimber

Erstmals erwähnt wurde das Haus ‚Hofgasse 5’ als „langen Hainz haus“ im Jahr 1392. Im 16. und 17. Jahrhundert wechselte dessen Besitz zwischen Adeligen und Künstlern. Interessant ist die einstige Bewertung durch einen Gast: „Wolerpaut, schene Zimber“. In die heutige ‚booking.com-Bewertungslyrik‘ übersetzt: ‚Ein wunderbares Haus mit schönen Gästezimmern.’

Wie beliebt und bekannt es war belegt ein Kaufvertrag aus dem Jahre 1645. Der aus Axams stammende Uhrmacher Hans Kuprian hatte 1592 das Innsbrucker Bürgerrecht erlangt, dessen Sohn das damals äußerst lukrative Handwerk eines Goldschmiedes erlernt. Er ließ sich nach siebenjähriger Wanderschaft in Innsbruck nieder und erwarb 1627 das Haus Nr. 5 in der Hofgasse. Die Nähe zur Hofburg machte sich für ihn auf zweierlei Art und Weise bezahlt: 1638 avancierte er zum Hofgoldschmied und wurde 1643 wurde sogar zum Vorstand der Goldschmiedezunft gewählt. Später bekleidete er das Amt des Bürgermeisters, in welches er noch sechs weitere Male gewählt werden sollte. Auf der fabelhaften Website des Stadtarchivs Innsbruck wird dieser Verkauf geschildert. 

Auch später, im 16. und 17. Jahrhundert, war das Haus bestens bewertet, wurden doch „Behausung, Hofstat, Hefl und Stallung“ hervorgehoben. 1915 war es als Gasthaus bekannt das „zum Meraner“ hieß.

Pfeifenköpfe in der Latrinengrube

2005 erfolgte die Renovierung der barocken Fassade, 2020 erwarb die Stiebleichinger GmbH als eine der größten und renommiertesten Hotelgruppen in Innsbruck das Haus. Zeitgleich begannen die ersten Instandsetzungsarbeiten im Inneren des Gebäudes. Für Dr. Walter Hauser, der die Sanierung seitens des Denkmalamtes begleitete, war es „eine besondere Herausforderung im zeitlichen Korsett der im ‚Tourismus gewohnten Bauabläufe ein so komplexes Projekt mitten in der Altstast zu realisieren“.

Das "Plumpsklo" als archäologische Fundstätte

Die archäologische Abteilung des  Bundesdenkmalamtes in Person von Dr. Johannes Pöll ließ sich die Möglichkeit nicht entgehen, neben der eigentlichen Baubegleitung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes auch archäologische Untersuchungen anzustellen. Und wurde fündig. Neben uralten Latrinengruben fand sich ein runder Brunnenschacht. Der reichte in jene Zeit zurück, in der Innsbruck noch nicht mit Quellwasser aus Hötting und Mühlau versorgt wurde.

Dass sich in mittelalterlichen Latrinengruben nicht selten Interessantes findet war auch hier der Fall. So konnten beispielsweise Porzellanpfeifenköpfe geborgen werden, die einst im Plumpsklo entsorgt wurden. Der weiche, stinkende Untergrund hat sie ‚weich’ fallen lassen, sie sind erhalten geblieben.

Prachtvolle Wandmalereien

Auch im Inneren des Gebäudes lohnte es sich für den Archäologen zu sondieren. Und, wie immer bei archäologischen Nachforschungen, muss man nur wissen wo man suchen sollte. In diesem Fall waren es die Bodenschüttungen in den Räumlichkeiten, die interessante Ergebnisse lieferten. Es fanden sich Münzen, Knöpfe und Spielkarten. Auch handschriftliche Notizen oder sogar das Fragment eines Gebetbuches konnten geborgen werden. Das war noch lange nicht alles.

Denn die Renovierung und Neugestaltung der Räume wurde mit der erklärten Absicht des Bauherren durchgeführt, möglichst viel an Original-Materialien zu erhalten. Was einerseits architektonisch vor allem aber finanziell aufwändig war. Andererseits wurden verborgene Kostbarkeiten ans Tageslicht befördert.

Wie etwa eine Balkendecke aus den 1430er Jahren, die erhalten werden konnte. Oder eine neu entdeckte, teilweise erhaltene bemalte Holzkassettendecke samt prachtvoller Wandmalerei aus den 1580er Jahren, die selbstverständlich wieder in die Gestaltung der Räume mit einbezogen wurde.

Ein Wandbild überdauerte die Jahrhunderte

Der vielleicht größte Schatz des Hauses ist ein erhalten gebliebenes Wandbild, das einst einen Saal zierte. Das im Stil des italienischen Manierismus gefertigte Fresko zeigt eine Parklandschaft samt Säulenhalle. Eine hochherrschaftliche Dame und ein Kind mit Papagei blicken direkt zum Betrachter. Es könnte sich hier um die Familienmitglieder des Auftraggebers handeln, der allerdings bisher nicht bekannt ist. Das Bild ist teilweise durch eine Verglasung geschützt und kunsthistorisch betrachtet ein Unikat für die manieristische Wandbemalung in Innsbrucks

„Der Aufenthalt in diesem Boutique Hotel in einem historischen Stadthaus sollte jeder Gast als Besuch in einer anderen Zeit wahrnehmen können, ohne auf moderne Annehmlichkeiten verzichten zu müssen“, erklärt die Kunstexpertin Dr. Michaela Frick vom Bundesdenkmalamt die Ausgangssituation bei der Sanierung des riesigen Wandfreskos.

Die hochmoderne Technik fand im Keller Platz

Irgendwie erschwerend kamen noch die vorgeschriebenen technischen Notwendigkeiten dazu.  Wie etwa der Schallschutz, unabdingbare statische Maßnahmen oder die zu fixierenden Deckenkonstruktionen sowie die barrierefreie Erschließung.

„Deshalb haben wir die technische Infrastruktur quasi ‚im Keller‘ konzentriert“ erzählt Mag. Robert Frießer, der mich durch das Haus führt. Er verweist auch auf die vielen nötigen Diskussionen mit dem Denkmalschutz, „die aber immer zu einer für beide Seiten befriedigenden Lösung führten“. Das moderne Kernstück des Hauses, für mich eine Art technisches Meisterstück ist eine Wärmepumpenanlage, die nicht nur heizt sondern auch kühlt. Optimaler geht's nicht mehr.

Ein Chapeau des bekanntesten Denkmalschützers Tirols

Die Verlegung der Technik in die Kellerräumlichkeiten hatte einen weiteren Vorteil: Der einstige Hof, in dem sich auch der Brunnen befand, konnte wieder reaktiviert werden und wird jetzt als begrünte Hoffläche genutzt.

Das vielleicht größte Kompliment für die Sanierung des Hauses kommt von Dr. Walter Hauser vom Bundesdenkmalamt. „Das Haus besitzt nicht nur wieder eine gute Nutzung, es hat dabei den historischen Charakter bewahrt, was man bei jedem Schritt und Tritt sieht. Dadurch konnte es wieder in einen anerkannten historischen, wertvollen Zustand versetzt werden. Chapeau.“

Die Beschreibung der Sanierung durch das Bundesdenkmalamt als Download

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