Die Journalistin, Autorin und Innsbruck-Bloggerin der ersten Stunde Susanne Gurschler hat ihr Buch „111 Orte in Innsbruck, die man gesehen haben muss“ komplett überarbeitet. Die Neuauflage, erschienen im Emons-Verlag erscheint, stellt 111 besondere Orte und ihre Geschichten vor. 25 davon präsentieren neue Tipps für die alpin-urbane Stadt am Inn.

Eine Erfolgsserie mit 111 Orten

Der Emons-Verlag aus Köln veröffentlicht seit 2008 außergewöhnliche Reise- und Entdeckungsführer unter dem Titel 111 Orte, die man gesehen haben muss.“ Die beliebte Reihe umfasst inzwischen mehr als 360 Bände, Tendenz steigend. Die Bücher mit auffälliger Typografie, einfarbigem Hintergrund in allen denkbaren Farbtönen und einem spezifischen Symbol am Cover bieten nicht nur Wiedererkennungswert, sondern auch Suchtpotential. Wer einmal mit einem solchen Buch eine Stadt oder Region bereist und kennengelernt hat, wird nie wieder darauf verzichten wollen.

Die bunte Serie schließt mittlerweile Titel wie „111 Skipisten, die man gefahren sein muss“ oder „111 Orte für Kinder in Wien, die man gesehen haben muss,“ aber auch „111 Tage, die die Welt bewegten“ und „111 Biere aus Österreich, die man getrunken haben muss“ mit ein.
Buchhandlungen stellen für jemanden wie mich, die selten das Haus ohne Buch in der Tasche verlässt, oft ein finanzielles Risiko dar. Ebenso gerne, wie ich Bücher kaufe, verschenke ich sie. Tipp: Die 111-Orte-Serie hält nicht nur Geschenke für Reiselustige, sondern auch für Familien mit Kindern oder Menschen mit unterschiedlichsten Vorlieben bereit!

Mut steht am Anfang, drei Bücher am Ende

Ich treffe Susanne Mitte Oktober, um mehr über ihr Buch und ihre Platzln zu erfahren. Eine stressige Phase liegt hinter ihr: Die Neuauflage mit 25 neuen Texten und Fotos, Aktualisierungen, Korrekturen und Lektorat sind abgeschlossen, nun bleibt die Vorfreude auf das fertige Buch.

An einem Tisch im Café Central frage ich zuallererst, wie es zu diesem Projekt der 111 Orte in Innsbruck kam. Susannes Geschichte überrascht und begeistert mich gleichermaßen: Sie erzählt, dass sie schon länger ein Fan der Emons-Serie war und vor ca. zehn Jahren feststellte, dass es noch keine Tirol-Fassung gab. Daraufhin schrieb sie den Verlag direkt an und schlug einen Tirol-Band vor. Da es gerade über Tirol schon sehr viele Reiseführer gibt, rechnete sie nicht unbedingt mit einer positiven Rückmeldung. „Einfach probieren! – Was hatte ich schon zu verlieren?,“ blickt Susanne zurück.
So entstand eine langjährige Zusammenarbeit – und nicht nur ein, sondern gleich drei Bücher, wovon es von zweien bereits eine Neuauflage gibt: 111 Orte in Tirol, 111 Orte in Innsbruck und 111 Orte in Osttirol.

Die Qual der Wahl

Für das Tirol-Buch musste Susanne zunächst ca. 50 Vorschläge für die Orte beim Emons-Verlag abgeben. Nach einer Überprüfung durch den Verlag konnte sie loslegen. Auf das Tirol-Projekt folgten Innsbruck und später Osttirol.
Ich frage Susanne, ob irgendwelche Vorgaben gestellt wurden, dass bestimmte Orte als Fixstarter in die Bände mitaufgenommen werden mussten. „Nein, ich hatte eigentlich freie Hand bei der Auswahl der Orte,“ lautet die Antwort. Ich bin weiter neugierig: „Und wie wählt man 111 Orte in Innsbruck aus? Ist es nicht schwierig, so viele Plätze zusammenzukriegen?“ Susanne erklärt mir, dass sie einfach gern spazieren geht – meistens mit ihrem Hund Findus. Weil: „Im Gehen sieht man mehr im Vergleich zur Fortbewegung mit Rad, Bus, Tram oder Auto.“ Sie beschäftigt sich gern genau mit Orten, mag besondere Geschichten und hat ein Auge für Veränderungen.
Im Gespräch erkenne ich schnell, dass es für Susanne kein Problem war, 111 Orte zu sammeln, auch wenn mir die Zahl immer noch groß erscheint. „Das Projekt bot mir die Gelegenheit, auch Stadtteile, die ich noch nicht so gut kannte, genauer zu erkunden.“

Ein Blick hinter die Kulissen

Die 111 Orte liegen oft versteckt und erzählen unvermutete Details. Für Susanne war es wichtig, dass die Plätze mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar (jeweils in Infoboxen angeführt) und möglichst frei zugänglich sind. „Es sind alles Orte, die ich mag,“ und man spürt, dass diese Plätze für Susanne auch etwas bedeuten. Schön.

Bewusst verzichtet hat sie hingegen auf übertrieben beworbene Foto-Hotspots. Bekannte Orte sind tatsächlich nur dann angeführt, wenn es eine außergewöhnliche Geschichte dazu gibt. So hat Susanne den vielleicht einzigen Innsbruck-Reiseführer ohne Hofburg, Hofkirche und Bergisel-Sprungschanze geschaffen und trotzdem mehr vom Charakter der Stadt eingefangen als viele „klassische“ Werke. Gratulation.

111 Orte in je 1800 Zeichen und 1–2 Bildern

Jeder Ort wird auf einer Seite Text mit rund 1800 Zeichen beschrieben und auf einer Seite bebildert. Fast alle Fotos hat Susanne selbst aufgenommen. Eine Infobox verrät Details zum Standort und zur Anreise. Als Extra-Zuckerl gibt es zu jedem Ort noch einen Tipp.
Dieser fixe Rahmen der Doppelseiten je Ort gibt dem Buch eine angenehme Kontinuität und ermöglicht flotte Lektüre und einfaches Handling unterwegs. Doch jeder, der schon einmal einen Text auf eine vorgegebene Zeichenanzahl kürzen musste, weiß, welch große Herausforderung das sein kann.

Auf (fast) jedem Foto ein Müllkübel

Eine andere Art der Herausforderung stellten die Fotos dar: „Wenn man in der Stadt etwas fotografiert, ist eigentlich immer ein Müllkübel mit drauf,“ verrät mir Susanne. Ich muss lachen, denn darüber habe ich tatsächlich noch nie nachgedacht. Doch sie hat Recht: Es gibt sehr viele Mülleimer, die die Stadt sauber halten und die mit ihren wortwitzelnden Aufschriften auch fixer Bestandteil des Stadtbildes sind.

Mehr als eine Wahlheimat

Innsbruck ist Susannes Herzensstadt, das merkt man schnell – auch im Buch. Sie kam vor über 30 Jahren hierher, um Germanistik und ein Fächerbündel aus Geschichte, Politikwissenschaften und Philosophie zu studieren. Wie viele Studierende ist sie hier hängengeblieben und arbeitet als freie Journalistin und Autorin. Ihrer Ausbildung und ihrem Berufsethos entsprechend sind alle Geschichten im Buch fundiert recherchiert und belegt.

Wir sprechen über einige der 111 Orte und ich bin beeindruckt, denn Susanne hat einfach alles dazu im Kopf und könnte wohl stundenlang erzählen. Dies macht sie mit einer ansteckenden Begeisterung und Überzeugung, sodass ich ihr ewig zuhören könnte. Immerhin kann man ihre Geschichten bei Bedarf im Buch nachlesen.

Neugierig? – Kleine Einblicke machen hoffentlich Lust auf mehr:

5 aus 111 Orten

Die Galerie Del Ponte (Nr. 20)

Susanne wohnt im Stadtteil Pradl und ist dort auf eine Open-Air-Galerie für zeitgenössische Kunst gestoßen. Ein Künstlerkollektiv bespielt einen Schaukasten aus den 1950er-Jahren an einem Wohnhaus in der Pradler Straße mit Wechselausstellungen. Die Vernissagen sind nachbarschaftliche Gehsteigparties.


Der Goldene Bär (Nr. 27)

In Hötting gab es in den letzten Jahrhunderten viele Tavernen, von denen leider kaum welche übriggeblieben sind. Der Goldene Bär in der Schneeburggasse bestand bis 1974, das Wirtshausschild ist noch zu sehen. Hier kam es am 27. Mai 1932 zur Höttinger Saalschlacht, die 40 Verletzte und einen Toten forderte.


Die Pflasterung (Nr. 60)

Ein ganz aktuelles und durchaus kontrovers diskutiertes Thema hat es auch ins Buch geschafft: Die Neupflasterung der Altstadt nach großen Bauarbeiten 2020/21 wurde im Sommer 2025 abgeschlossen. Susanne schenkt diesem „mit Füßen getretenen“ Detail zurecht (!) Aufmerksamkeit.


 

Das Theater praesent (Nr. 89)

Seit 2024 bringt das Theater praesent (gegründet 2006) gesellschaftpolitisch relevantes Theater auf die Bühne einer Kulturinstitution in Innsbruck: Die Tschamlerstraße 3. Zu Susannes Studienzeit war hier das legendäre Utopia, gemeinsam erinnern wir uns an den nachfolgenden Weekender-Club samt Café.


Das Wolfgang-Tschernutter-Denkmal (Nr. 110)

Für Susanne ist es wichtig, dass nicht nur die „Schokoladenseiten“ von Innsbruck im Buch präsentiert werden. 1994 erschütterte der grausame Mord am hilflosen Obdachlosen Wolfgang Tschernutter die Stadt. Ein Muss, dass das Denkmal für dieses furchtbare Ereignis Platz auf einer Doppelseite findet.


 

Auf zu kleinen Umwegen und neuen Entdeckungen!

Als Stadtführerin erlebe ich immer wieder, wie begeistert Einheimische sind, wenn sie – zum Beispiel am Welttag der Fremdenführer – eine Führung durch vertrautes Terrain mitmachen und dabei neue Details entdecken. Mit dem Buch „111 Orte in Innsbruck, die man gesehen haben muss“ lassen sich viele besondere Plätze erkunden, darüber hinaus bekommt man spannende Geschichten auf dem Silbertablett serviert.
Ich bin mir sicher, dass viele Leserinnen und Leser – egal, ob Gäste oder Einheimische – von diesen Einblicken überrascht und begeistert sein werden. Außerdem lädt das Buch auf wunderbare Weise dazu ein, ab und zu von üblichen Wegen abzuweichen und neue Ecken kennenzulernen. Und das lohnt sich eigentlich immer.

Danke, Susanne!

Hinweise

Blogartikel von Tamara Kainz über „111 Orte in Innsbruck, die man gesehen haben muss“ im Juli 2018 

Titelbild: Blick auf die Altstadt, © Innsbruck Tourismus/Mario Webhofer

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