Nostalgie gehört zu Weihnachten wie der Tannenbaum, die Geschenke und der Duft von frisch gebackenen Keksen. Kaum ein anderes Fest lebt so sehr von Erinnerungen und liebgewonnenen Ritualen wie der Heilige Abend – und genau deshalb kommt bei den meisten Familien Jahr für Jahr dasselbe auf den Tisch.

Tiroler Weihnachtsklassiker

In vielen Tiroler Haushalten ist das die gute alte Nudelsuppe mit Würsteln, Würstel mit Kartoffelsalat oder auch einfach mal eine kalte Platte. Vielleicht klingt das jetzt nicht gerade sonderlich festlich, aber es geht auf eine alte Tradition zurück: Heute kaum vorstellbar, aber früher wurde im Advent gefastet und wenig bis gar kein Fleisch gegessen. Erst nach der Christmette wurde das Fasten gebrochen – meist mit einer einfachen, wärmenden Würstlsuppe. Kein aufwendiges Rezept, aber dennoch – dank der Fleischeinlage – etwas Besonderes.

Besinnlichkeit statt Stress in der Küche

Egal, wie Weihnachten gefeiert wird – im Mittelpunkt sollte vor allem eines stehen: das gemütliche Beisammensein. Stress braucht an diesem Abend niemand. Für alle, die den Heiligen Abend nicht ausschließlich in der Küche verbringen möchten, sind Nudelsuppe mit Würsteln oder eine kalte Platte daher das perfekte Essen. Und was natürlich auch nicht fehlen darf, ist ein süßer Abschluss. Ob Kekse, Stollen oder Zelten – die Tiroler Küche hat hier einiges zu bieten.

Traditionell, einfach, köstlich

Eine befreundete Bäuerin hat mir erzählt, dass bei ihr zu Weihnachten immer Kirchtagskrapfen auf den Tisch kommen. Das leckere Schmalzgebäck mit Mohnfüllung kenne ich noch gut von meiner Oma – also wollte ich es heuer unbedingt selbst ausprobieren. Für diesen Blogbeitrag habe ich mich daher schon einmal in die Küche gestellt und freue mich sehr, das Rezept mit euch zu teilen – ebenso wie jenes für meine Suppe. Außerdem verrate ich euch noch ein super schnelles Winterdessert und wo ihr alle Zutaten regional und direkt vom Bauern herbekommt.

Nudelsuppe mit Würsteln

Die meisten Menschen verwenden für diese Suppe einen Fleischfond, was sicher richtig lecker schmeckt. Da ich aber Vegetarierin bin, verwende ich stattdessen Gemüsebrühe als Basis. Ich teile die Brühe auf: In den Teil für meinen Mann und meine Kinder kommen Nudeln und Würstchen, während in meiner Portion Nudeln, Gemüse und Ei kommen.

Zutaten für ca. 4 Personen

Für die Gemüsebrühe:

  • 1 Zwiebel
  • 4 Lorbeerblätter
  • 1 Bund Petersilie
  • 3 EL Olivenöl
  • Suppengemüse (Karotten, gelbe Rüben, Sellerie, Porree, Pastinaken)
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • 1 Thymianzweig
  • Sternanis

Für die Einlage:

  • 4 Frankfurter Würstchen
  • 60–70 g Suppennudeln (oder nach Geschmack mehr)
  • 2 Eier (für die vegetarische Variante)

Zubereitung:

  • Gemüse waschen, putzen und klein schneiden.
  • Das Gemüse kurz in Olivenöl anbraten. Petersilie und 3 Lorbeerblätter erst zum Schluss dazugeben.
  • Mit 2,5–3 Litern heißem Wasser auffüllen, das letzte Lorbeerblatt, Sternanis und den Thymianzweig hinzufügen, salzen, einmal aufkochen lassen und ca. 60 Minuten köcheln.
  • Meine Kinder mögen eine klare Suppe. Daher seihe ich das Gemüse durch ein Sieb ab und würze die Brühe mit Salz, Pfeffer und Muskat. Das abgesiebte Gemüse stelle ich für mich zur Seite und gebe es später wieder in meine Portion der Suppe.

Variante mit Frankfurtern:

  • Nudeln in die Suppe geben, 1 Minute kochen lassen.
  • Derweil die Frankfurter in mundgerechte Scheiben schneiden
  • Herd ausschalten, Topf auf der warmen Platte lassen, Würstchen ca. 6 Minuten ziehen lassen.

Variante mit Ei:

  • Nudeln in die Suppe geben, 1 Minute kochen lassen.
  • Herd ausschalten, Topf auf der warmen Platte lassen.
  • Das auf die Seite gestellte Gemüse hinzufügen.
  • Kurz vor dem Servieren die Eier direkt in die heiße Suppe schlagen und etwa 2 Minuten sanft stocken lassen. Ich liebe diese Variante.
    Wer das nicht mag, kann die Eier alternativ mit einer Prise Salz und etwas Muskatnuss verquirlen und die Ei-Mischung langsam in die leicht kochende Suppe einrühren. Anschließend ca. 2 Minuten köcheln lassen, bis das Ei gestockt ist.

Tipp

Ich finde es schade, das ganze Suppengemüse wegzuwerfen. Da ich – wie erwähnt – die Einzige in meiner Familie bin, die es isst, bleibt oft etwas übrig. Dieses fülle ich mit ein wenig Suppe in ein Schraubglas. Wichtig ist, dass das Glas wirklich sauber ist, am besten ausgekocht. So hält sich das Gemüse im Kühlschrank ein paar Tage und ich habe jederzeit eine schnelle Suppeneinlage zur Hand.

Kiachtagskrapfen mit Mohnfüllung

Kirchtagskrapfen sind ein Klassiker, der viele von uns an die Kindheit erinnert! Eure Küche wird noch Stunden nach dem Herausbacken danach riechen – aber glaubt mir, es lohnt sich. Einfach gut lüften und danach eine weihnachtliche Duftkerze anzünden.

Zutaten für ca. 16–20 Stück

Teig:
• 250 g glattes Mehl
• 1 Prise Salz
• 50 g Butter
• 1 Dotter
• 100 ml Milch
• 1 Esslöffel Rum

Füllung:
• 125 ml Milch
• 80 g Zucker
• 80 g geriebener Mohn
• 50 g Butter
• 150 g Dörrpflaumen
• abgeriebene Schale 1 Bio-Orange
• ½ TL Zimt
• ½ TL Lebkuchengewürz

Außerdem
• Butterschmalz zum Ausbacken
• Staubzucker

Zubereitung

  • Mehl salzen, die in Stücke geschnittene Butter einarbeiten und den Dotter unterheben. Milch und Rum zugeben und alles zu einem weichen Teig verkneten.
  • Den Teig in vier gleich große Stücke teilen und jedes Stück so lange kneten, bis es seidenglatt ist. Die Teiglaibe zugedeckt etwa 30 Minuten rasten lassen.
  • Für die Füllung die Dörrpflaumen im Mixer fein pürieren.
  • Milch und Zucker unter ständigem Rühren aufkochen. Mohn und Butter einrühren, anschließend das Dörrpflaumenmus sowie die Gewürze unterheben. Die Füllung im Kühlschrank auskühlen lassen.
  • Die Teiglaibe auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu sehr dünnen Blättern auswalken.
  • Auf ein Teigblatt in regelmäßigen Abständen (ca. 4 cm) kleine Häufchen Füllung setzen – am einfachsten mit zwei Teelöffeln.
  • Ein zweites Teigblatt darauflegen, die Zwischenräume leicht andrücken und kleine Quadrate ausradeln (z. B. mit einem Pizzaschneider).
  • Butterschmalz in einer hohen Pfanne erhitzen. Die Krapfen mit der Oberseite nach unten einlegen und mit heißem Fett begießen, damit sie schön aufgehen. Wenden und hellbraun ausbacken.
  • Mit einer Schöpfkelle herausheben, auf Küchenpapier abtropfen lassen und vor dem Servieren mit Staubzucker bestreuen.

Tipp

Wenn man die Teiglaibe vor dem Rasten mit etwas neutralem Öl bestreicht, lassen sie sich später leichter auswalken. Außerdem sollte der Teig während der Ruhezeit auf keinen Fall zu kalt werden. Wer keine Dörrpflaumen mag, kann auch anderes Trockenobst verwenden. Meine Oma hat zum Beispiel gerne Dörrfeigen genommen und zusätzlich etwas Marmelade unter die Füllung gemischt. Im Netz bin ich auf Rezepte mit Dörrbirnen gestoßen– der Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt, nehmt was euch am besten schmeckt!

Bratäpfel

Bratäpfel sind eine Süßspeise, die im Winter besonders beliebt ist – erstens, weil sie schnell und einfach zubereitet sind, und zweitens, weil sie einfach unglaublich lecker schmecken!

Zutaten für 4 Personen

  • 4 säuerliche Äpfel (z. B. Boskoop)
  • 50 g gemahlene Mandeln
  • 50 g Datteln
  • 2 TL Preiselbeermarmelade
  • 2 TL Honig
  • etwas Zimt
  • Butter für die Form und für die Äpfel
  • Vanilleeis zum Servieren

Zubereitung

  • Äpfel waschen und das Kerngehäuse ausstechen. Mandeln, Datteln, Marmelade, Honig und Zimt vermischen (ich habe alles gemeinsam im Mixer zu einer homogenen Masse verarbeitet). Die Füllung mit einem Teelöffel in die Öffnung der Äpfel geben und mit dem Stiel eines Kochlöffels leicht hineindrücken.
    Die Äpfel in eine gefettete Auflaufform setzen und auf jeden Apfel ein kleines Stück Butter geben.
  • Im vorgeheizten Backofen bei 200 °C Ober-/Unterhitze ca. 25 Minuten backen.
  • Heiß mit Vanilleeis servieren.

Tipp

Beim Ausstechen des Kerngehäuses habe ich darauf geachtet, dass der Apfel unten geschlossen bleibt – sonst läuft die ganze Füllung wieder heraus. Statt der Datteln kann man natürlich auch Rosinen verwenden. Bei uns in der Familie isst die allerdings niemand, deshalb greife ich lieber zu Datteln.

Nur das Beste zu Weihnachten - regional einkaufen

Natürlich bekommt man alle Zutaten für meine Rezepte problemlos im Supermarkt. Gerade zu Weihnachten lohnt es sich aber, auf besonders gute Qualität zu achten. In und rund um Innsbruck gibt es viele Bauernmärkte und Hofläden, bei denen man frisch, regional und mit gutem Gefühl einkaufen kann. Letztes Wochenende habe ich Freunde und Familie zu einer kleinen Adventsfeier zu uns nach Hause eingeladen. Wie das eben so ist, wenn viele Menschen zusammenkommen, ist es gar nicht so leicht, etwas zu finden, das allen schmeckt. Perfekt ist dann ein kleines Buffet, bei dem sich jeder nehmen kann, was er mag. Ich habe eine kalte Platte mit Käse, Wurst, frischem Bauernbrot und Kartoffelsalat vorbereitet und als Nachspeise Bratäpfel serviert.

Meine Hofladen Empfehlung

Viele der Produkte stammten vom Steirerhof in Mieming – meine persönliche Empfehlung. Dort bekommt man alles aus einer Hand: von Kartoffeln, Obst und Gemüse über Brot, Nudeln und Eier bis hin zu Milch- und Fleischprodukten. Besonders lecker ist der Trüffelkäse!

Fleisch - regional!

Die Frankfurter für die Nudelsuppe holt ihr am besten direkt beim Metzger oder Bauern eures Vertrauens – gerade bei Fleisch lohnt es sich, auf besonders gute Qualität zu achten. Ich kann euch die Metzgerei Heinz in Oberhofen empfehlen. Jeden Freitag von 14:00 bis 18:00 Uhr gibt es Direktverkauf vom Hof. Außerdem steht in der Einfahrt ein Verkaufsautomat, an dem ihr rund um die Uhr Würstchen und viele weitere Produkte bekommt.

In diesem Sinne bleibt mir nur, euch wunderschöne und gesegnete Weihnachten zu wünschen – ganz egal, was ihr esst oder mit wem ihr feiert. Wichtig ist, dass ihr die Zeit genießt und es euch so richtig gemütlich macht. Frohe Weihnachten!

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